Wiesn und Wasen Der Süden zecht
München/Stuttgart Zwei Schläge mit dem Hammer, und das Bier strömt aus dem Zapfhahn mit dem traditionellen Fassanstich eröffnete der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) gestern das 161. Cannstatter Volksfest. Bis zum 8. Oktober können sich die Besucher auf dem Stuttgarter Festgelände in zahlreichen Fahrgeschäften wie Kettenkarussell, Achterbahn, Auto-Scooter oder Geisterbahn vergnügen. Vier große Brauereien haben Festzelte mit bis zu 5000 Sitzplätzen aufgebaut. Der Liter Bier kostet in diesem Jahr 7,40 Euro. Der Preis wurde um 20 Cent erhöht. Der Veranstalter rechnet mit gut 3,5 Millionen Besuchern an der 16-tägigen Veranstaltung.
Auf dem fast 16 Hektar großen Festgelände haben über 300 Schausteller und Festwirte ihre Karusselle, Festzelte und Buden aufgebaut. Zu den Höhepunkten zählt in diesem Jahr sicherlich das Fahrgeschäft "Maxximun". Ein 52 Meter hoher Mast, an dessen Ende eine Gondel für acht Personen befestigt ist, schwingt sich hoch. Ab einer gewissen Höhe beginne sich die Gondel um 360 Grad zu drehen und dann starte die Loopingfahrt.
Heute fand der traditionelle Festumzug mit den 50 prunkvoll geschmückten Wagen und Kutschen, Zünften und Trachtengruppen sowie Musikkapellen statt. Der Zug mit den rund 3500 Teilnehmern bietet Einblicke in die schwäbische Kulturgeschichte. In Zeiten jahrelanger Missernten und politischer Wirren hatte der württembergische König Wilhelm I. mit der Gründung der "Zentralstelle des landwirtschaftlichen Vereins" im Jahr 1817 den Grundstein für das Cannstatter Volksfest gelegt.
Ein landwirtschaftliches Fest mit Pferderennen, Prämierungen auf dem Gebiet der Viehzucht sollte nach dem Wunsch des Königs zusammen mit einem allgemeinen Volksfest die nach den napoleonischen Kriegen schwer geschädigte Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen. Im darauf folgenden Jahr, am 18. September 1818, fand dann das Volksfest auf dem Wasen zum ersten Mal statt. Das 97. Landwirtschaftliche Hauptfest öffnete ebenfalls am Samstag die Pforten für die Besucher.
3,3 Millionen Besucher auf der Wiesn
Bis zum 3. Oktober laufen in Stuttgart und München die beiden größten Volksfeste der Welt nebeneinander. Während es auf dem Cannstatter Wasen erst richtig losging, zog die Wiesn am Wochenende bereits eine positive Halbzeitbilanz. Die Zahl der Besucher in der ersten Woche des größten Volksfestes der Welt gab Festleiterin Gabriele Weishäupl mit 3,3 Millionen an - im Vorjahr waren es 3,2 Millionen gewesen. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sprach von einer "heiter-feierlichen Stimmung ohne schlimme Vorkommnisse".
Die Sechs-Millionen-Besucher-Grenze dürfte in diesem Jahr mit einiger Sicherheit überschritten werden, da das Oktoberfest bis zum 3. Oktober und damit zwei Tage länger als üblich dauert. Wiesn-Wirte, Schausteller und Marktkaufleute seien mit dem bisherigen Verlauf zufrieden, berichtete Weishäupl. Allerdings habe sich bei den Schaustellern und im Straßenverkauf wie schon in den letzten Jahren die "gebremste Kauflust" der Besucher bemerkbar gemacht, während in den großen Zelten gegessen und getrunken werde wie eh und je.
Dank des "idealen Volksfestwetters" seien in der ersten Festwoche rund 3,2 Millionen Mass Bier (Vorjahr: drei Millionen) konsumiert worden - trotz neuerlich gestiegener Preise zwischen 6,95 und 7,50 Euro für den Liter.
Abl/AP/dpa