Wilhelm-Busch-Museen: König der Knabenstreiche - DER SPIEGEL
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Wilhelm-Busch-Museen König der Knabenstreiche

Er gilt als Erfinder des Comics und Meister des schwarzen Humors. Vor 175 Jahren wurde Wilhelm Busch geboren. In und um Hannover können Leser den Spuren von Max und Moritz folgen – und dank einer Avantgarde-Ausstellung und einer Oper das Werk des Meisterzeichners ganz neu erleben.
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Wiedensahl - Es sieht aus wie aus dem Bilderbuch: Fachwerk aus rotem Backstein und schwarzem Gebälk, Sprossenfenster und kleiner Vorgarten. Das Geburtshaus von Wilhelm Busch in Wiedensahl erinnert an die dörfliche Idylle, in der der Maler, Zeichner, Dichter und Bildergeschichten-Erfinder am 15. April 1832 zur Welt kam. Schon seit 1930 ist es ein Museum - seit vergangenem Jahr mit ganz neuem Konzept - und bietet auch ein Trauzimmer für Hochzeiten. In diesem Jahr, in dem Wilhelm Buschs 175. Geburtstag gefeiert wird, dürfte die Besucherzahl nach oben schnellen.

"Wir merken das schon jetzt", sagt Museumsleiterin Gudrun-Sophie Frommhage. "Es kommen deutlich mehr Leute." Denn Wilhelm Busch ist immer noch populär. Während viele seiner schreibenden und zeichnenden Zeitgenossen zur Fußnote der Kunst- und Literaturgeschichte wurden, sind seine Werke nach wie vor verbreitet - rund um den Globus. "Wir haben allein in der Sammlung von Max-und-Moritz-Ausgaben Übersetzungen in 50 verschiedene Sprachen", sagt die Museumsleiterin - die Dialekte gar nicht mitgezählt.

Zwei der Räume im Geburtshaus sind noch so zu sehen, wie zur Zeit, als Busch dort als Kind gewohnt hat - inklusive des Geburtszimmers. Die Ausstellungen legen einen Schwerpunkt auf den biografischen Bezug zum Künstler, der nirgendwo so eng ist wie in Wiedensahl. Im Geburtshaus wohnte er zwar nur während der ersten neun Lebensjahre - danach folgten Stationen wie Ebergötzen in Südniedersachsen, Hannover, Antwerpen und München. "Mit 40 ist er zurückgekommen und mit seiner Schwester und deren Mann ins Pfarrhaus eingezogen", erzählt Kulturpädagogin Frommhage.

Original-Tabak als Museumsstück

Nach dem Tod des Pastors zogen beide ins Pfarrwitwenhaus um, wo Wilhelm Busch weitere rund 20 Jahre wohnte. Das Pfarrhaus ist noch zu sehen. Auch das "neue" Elternhaus, in das die Familie erst einzog, als Sohn Wilhelm schon nicht mehr in Wiedensahl war. Dort betreibt eine Urgroßnichte des Künstlers heute ein Café, das allerdings nur sonntags regelmäßig geöffnet hat.

Wiedensahl war für Wilhelm Busch mehr als der zufällige Geburtsort: "Es war ein intimer Platz für ihn, in dem er auch keine Besucher empfing", sagt Frommhage. "Viele seiner Bildergeschichten sind hier entstanden." Das Museum zeigt unter anderem die Ausstellung "Wilhelm Busch in Wiedensahl" - inklusive Skizzen und Briefe des Künstlers. Daneben sind einige Originalstücke aus seinem Besitz zu sehen - von seinem Hut bis zur goldenen Taschenuhr und seinem Tabak - Busch war nicht vom Rauchen abzubringen, nicht einmal durch zwei Nikotinvergiftungen.

Auch zahlreiche Fotos, die Wilhelm Busch und seine Zeit dokumentieren, sind im Museum ausgestellt. Fünf Kinder aus Wiedensahl haben Gedichte aufgenommen - sie können an "Hörstationen" abgespielt werden. "Schauspieler haben außerdem Texte von Zeitzeugen gelesen, die die Gedichte ergänzen", so die Museumsleiterin.

Wiedensahl mit seinen heute rund 1200 Einwohnern liegt im Schaumburger Land, rund 45 Kilometer westlich von Hannover. Für alle, die die Region näher erkunden wollen, führt eine 25 Kilometer lange Radwanderrundtour auf den Spuren Wilhelm Buschs zu Plätzen, an denen er gezeichnet und gemalt hat.

"So viel Busch war nie"

Die Originale sind in Hannover zu sehen. Dort ist das Wilhelm-Busch-Museum unweit der Herrenhäuser Gärten seit langem eine wichtige Adresse für Fans von Wilhelm Busch und den Künstlern, die er inspiriert hat - bis zu zeitgenössischen Karikaturisten und Cartoonisten. Das gilt in diesem Jahr erst Recht: Das Museum zeigt noch bis zum 3. Juni die Ausstellung "So viel Busch war nie".

Im Westflügel des Museums widmet sie sich der künstlerischen Entwicklung des Malers und Zeichners mit einer Werkschau, zu der 250 Gemälde und 150 Zeichnungen gehören, weitgehend aus dem Bestand des Museums. "Busch war ein Phänomen", sagt Ruth Brunngraber. "Anders als viele andere Künstler wurde er umso progressiver, je älter er wurde. In vielen Werken war er von erstaunlicher Modernität."

Das dürften viele, die sich nicht näher mit ihm beschäftigt haben, gar nicht wissen. Und deshalb gibt es auch die Parallel-Ausstellung "Wilhelm Busch - Avantgardist aus Wiedensahl", die sogar bis zum 18. November im Obergeschoss gezeigt wird. Vor allem Gemälde seiner letzten Schaffenszeit sind dort zu sehen - 1908 starb der Künstler an seinem letzten Wohnort Mechtshausen am Harz.

Am 175. Geburtstag, dem 15. April, gibt es in Hannovers Opernhaus eine Matinée unter anderem mit einem Vortrag zu den Bildergeschichten, durch die Wilhelm Busch berühmt geworden ist. An den Künstler wird in und um Hannover aber im gesamten Busch-Jahr noch an vielen anderen Stellen erinnert. Die niedersächsische Landeshauptstadt selbst wird vom 20. April an sechs Wochen lang zur "Open-Air-Galerie" - Motive aus den Bildergeschichten sind dann an zahlreichen Punkten Hannovers zu sehen.

Und auch in der Staatsoper spielt Wilhelm Busch in diesem Jahr eine herausragende Rolle: Dort wird "Die fromme Helene" inszeniert, die Bildergeschichte als Kammeroper für acht Sänger und Orchester. Das Werk - eigens für Buschs 175. Geburtstag geschaffen - stammt aus der Feder des britischen Komponisten Edward Rushton.

Andreas Heimann, gms