Winterwandern im Bregenzer Wald - DER SPIEGEL
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Bregenzer Wald: Zu Fuß durch den Steilhang

Foto: Stephanie Souron

Winterwandern Drei Tage durch den Märchenwald

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Winter ist wirklich launisch in diesem Jahr. Erst hat er uns den Schnee mit gehöriger Verspätung geschickt - und jetzt kann man mancherorts schon wieder im T-Shirt auf der Hütte sitzen. Kein Wunder, dass sich immer weniger Menschen Skier unterschnallen.

14 Grad plus war es vorvergangene Woche in Laax. Bei solchen Bedingungen muss sich der Winter nicht wundern, wenn er Konkurrenz von den Badezielen in Übersee bekommt. Und es stimmt ja: Skifahren ist nicht die erholsamste Art von Urlaub. Man steht morgens im Halbdunkeln auf, zwängt sich in schwere Schuhe, schleppt die Skier zum Bus, steht in der Schlange zum Lift und presst sich mit einer Horde fremder Menschen in eine Gondel. Manchmal friert man, manchmal schwitzt man, und oft beschlägt die Skibrille genau im falschen Augenblick. Natürlich sind die Momente auf dem Berg unbezahlbar - aber trotzdem: Eine Woche Skifahren kostet mit allem Pipapo locker so viel wie 14 Tage Badeurlaub am Mittelmeer.

Wen wundert es, dass selbst passionierte Skifahrer immer häufiger den Winter ohne Liftpass genießen - bei Schneeschuhwanderungen, Skitouren, Langlaufskiern und Winterwanderungen? Die Skigebiete haben längst darauf reagiert und bieten Alternativprogramme: mit Nachtrodeln, Bergbahnbesichtigungen und Pistenbullifahrten. Und fast überall gibt es inzwischen einen Höhenweg, der extra für Winterwanderer freigeschaufelt wurde. "Ganz toll", sei das, hat neulich eine gute Freundin geschwärmt, auch sie passionierte Skifahrerin. "Das entspannt dich total."

Drei Tage durch den Schnee wandern

Weil ich vor dem Finale der Skisaison sowieso mal eine Pause brauchte, habe ich meinen Rucksack gepackt, die Wanderschuhe geschnürt und bin nach Alberschwende gefahren, einem kleinen Ort im Bregenzer Wald. Ich will wissen, wie sich der Marsch über den Schnee anfühlt. In drei Tagen möchte ich von Alberschwende über Andelsbuch und Bezau nach Mellau  wandern. Eine ähnliche mehrtägige Route gibt es auch in der Schweiz im Engadin , und beide Touren sind ähnlich luxuriös. Denn während man unterwegs ist, wird das Gepäck im Auto von Hotel zu Hotel transportiert. Man hat also beim Wandern nur den Tagesrucksack auf dem Buckel.

Weil wir Skifahrer wissen, dass man für neue Abenteuer immer eine Stärkung braucht, bestelle ich im Gasthof von Alberschwende erst mal ein Wiener Schnitzel. Großartig! Auf dem Weg nach Egg dreht sich in jedem Ort, an dem ich vorbeikomme, ein kleiner Skilift, an dem die Dorfjugend für die Olympischen Winterspiele 2026 trainiert. Kurz vor Egg schickt mich dann ein Gastwirt einen unbeschilderten Steilhang hinab. Aufregung pur. Zur Beruhigung esse ich in Egg einen wunderbaren Topfenkuchen.

Auf der restlichen Wanderung laufe ich durch tief verschneite Märchenwälder, höre Kohlmeisen trällern und begegne Schulklassen, deren Sportunterricht auf Langlaufski stattfindet. Ich übernachte in einer einfachen Pension und in einer luxuriösen Fünf-Sterne-Herberge. Bei dem kleinen Abstecher von Bezau nach Bizau esse ich in einem Bio-Hotel die besten Käsknöpfle meines Lebens. Und das Wandern? Das war ähnlich, wie man sich als Skifahrer Winterweitwandern vorstellt: Breite Wege, sanfte Anstiege, hübsche Aussichten. Kein Adrenalin, aber auch nicht ganz unsportlich.

Nach einer letzten Apfelstrudelrast marschiere ich im Endspurt nach Mellau. Der Ort gehört zum Skigebiet Damüls-Mellau, einem Schneeloch mit schönen Pisten und noch schöneren Freeride-Strecken. Dass die Tour dort endet, ist eine Fügung des Schicksals. Denn Wandern im Schnee ist wirklich erholsam. Aber gegen eine Abfahrt im Neuschnee kommt es nicht an. Also, lieber Winter, gib alles! Dein Endspurt beginnt.

Zur Person
Foto: Louis Hermic

Das Skifahren hat Stéphanie Souron schon mit vier Jahren gelernt. Heute verbringt die Journalistin ihre Freizeit am liebsten in den Alpen. Ihr Job als freie Autorin hat sie nach Hamburg verschlagen - inzwischen weiß sie, welche Fluglinien die Skier gratis transportieren und mit welchem Bus man am schnellsten ins Skigebiet kommt. Trotzdem ahnt sie: Eine Stadt ohne Berge und Schnee ist auf Dauer keine Lösung.

Im Pisten-Blog erzählt Souron vom langen Warten auf den Schnee, von Neuheiten in den Skigebieten, philosophiert über das beste Hüttengericht und über alles, was im Winter draußen Spaß macht.