Airline-Catering: 41 Tonnen Hühnerbrüste - DER SPIEGEL
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Airline-Catering 41 Tonnen Hühnerbrüste

Es kommt meistens in merkwürdigen Verpackungen daher und schmeckt in manchen Fällen nach rein gar nichts. Manches ist bis zu acht Stunden im voraus gekocht worden. In England wird jetzt der erste Lehrstuhl für Bordverpflegung eingerichtet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn in Frankfurt, London oder New York ein Jumbo für einen Langstreckenflug ausgestattet wird, sind allein für den Bereich der Bordverpflegung 42.000 Einzelteile keine Seltenheit. Bei British Airways zum Beispiel werden vom Flughafen Heathrow täglich neben den Passagieren 70.000 Mahlzeiten ausgeflogen. In luftiger Höhe werden mitunter 41 Tonnen Hühnerbrüste, 45 Tonnen an Erdbeeren, 127 Tonnen Tomaten und rund 300.000 Liter Milch verzehrt. BA-Konkurrent Virgin Atlantic bezeichnet den Fütterungssektor als drittgrößten Kostenfaktor nach Treibstoff und Wartung.

Lange ist es her, dass ein gewisser Charles Lindbergh alleine zu einem 34-Stunden-Flug über den Atlantik startete, mit fünf Stullen als Wegzehrung im Gepäck. Wer heute ein Flugzeug besteigt, tut dies in den wenigsten Fällen alleine und erwartet ein Minimum an Verköstigung.

Obwohl der Service oft bei traurigen Brötchen und Miniaturausgaben von Softdrinks endet, ist rund um den Globus zwischenzeitlich eine riesige Industrie mit über 100.000 Beschäftigten herangewachsen. Sie setzt jährlich etwa 30 Milliarden Mark um.

Bei allen Airlines gilt: Je teurer das Ticket, desto mehr gibt's auf dem Tablett. Tendenz fallend: Wer etwa bei der Deutschen Lufthansa früher selbst zwischen Frankfurt und Stuttgart eine Snacktüte bekam, darf sich heute nicht einmal zwischen Hamburg und München mehr als ein Getränk erhoffen. In der Business und First Class hingegen kann sich der Passagier auf üppige Menüs freuen, die teilweise sogar frisch angerichtet werden.

Dabei gilt nicht nur unter Vielfliegern als ausgemacht: Essen schmeckt anders in 10.000 Metern Höhe. Ob's am veränderten Geschmack in luftiger Höhe, an der Verpackung oder der Art der mehr oder weniger beengten Einnahme liegt - das Thema könnte durchaus Lehrstoff für den ersten Professor für Bordverpflegung sein, der dieser Tage an die Universität im südenglischen Guildford berufen wird.

"Das Thema Catering eignet sich immer wieder für Witze", gesteht Willie Seman, Präsident der International Flight Catering Association (IFCA). "Es wurde also langsam Zeit, dass sich jemand ernsthaft mit der Materie auseinander setzt." Die IFCA, in der alle wichtigen Catering-Firmen der Welt organisiert sind, sponsert den Universitätsjob mit immerhin 750.000 Dollar.

Welche Aufgaben und Inhalte Professor und Fach haben werden, steht offenbar noch nicht ganz fest. Möglich scheint indes aber alles, denn die Bewerbungsfrist lief erst im Oktober aus, und gemeldet haben sich nach Angaben der Hochschule Interessenten unterschiedlichster Lehrbereiche.

"Es hängt alles am Ende davon ab, wer den Posten übernimmt", sagt David Airey, Chef des Managementzweigs der Universität. "Ein Wissenschaftler wird wahrscheinlich vor allem daran interessiert sein, das Thema Haltbarkeit auf die Tagesordnung zu setzen, während sich ein gelernter Gastronom vermutlich eher über die Art und Weise des Servierens einer Mahlzeit den Kopf zerbricht." Möglich sei aber auch die Berufung eines Logistik-Experten, der die möglichst effiziente Beladung eines Flugzeugs zum Schwerpunkt der Lehrinhalte macht.

Die Bordverpflegung ist indes bei vielen Fluggesellschaften im Wandel begriffen: Während einige Airlines ein System entwickelt haben, dass dem Passagier die Möglichkeit bietet, das Essen über den Wolken nach eigener Lust und Laune zu ordern, spielen andere Gesellschaften mit dem Gedanken, das Catering komplett in die Abflughalle zu verlagern.