Antarktis-Rundflug: Sightseeing über dem Südpol - DER SPIEGEL
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Antarktis-Rundflug Sightseeing über dem Südpol

Der mit über zwölf Stunden Flugdauer längste Rundflug der Welt führt einmal in die Antarktis und zurück. In sechs Jahren haben schon 14.000 Passagiere den sechsten Kontinent auf die bequemste Art gesehen - im klimatisierten Flugzeug, in der einen Hand das Champagnerglas, in der anderen Fernglas oder Kamera.
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Für John Dennis ist der Flug in die Antarktis keine Erholung - für den Qantas-Flugkapitän bedeutet er harte Arbeit. "Das Wetter ändert sich in der Antarktis extrem schnell, wo eben noch die Sonne schien, kann fünf Minuten später ein Blizzard toben und Nullsicht herrschen", weiß der Pilot. Seinen Passagieren wird gute Aussicht aber fast garantiert: "Wir haben 17 verschiedene Flugrouten, die wir je nach Wetterlage variieren können", erklärt Dennis. Zwei Dinge stehen bei den Sightseeingflügen über der Antarktis im Vordergrund: Die bestmögliche Sicht für die Gäste und die absolute Sicherheit der Passagiere.

Inzwischen sind alle 334 Passagiere und 20 Besatzungsmitglieder von Flug QF 2902 an Bord der Boeing 747-400 gegangen. Kurz darauf erhebt sich der 390 Tonnen schwere Jumbo träge in den klaren Morgenhimmel über Sydney. Drei Stunden später ist der magnetische Südpol direkt unter dem Flugzeug: Erst dreht sich die Kompassnadel suchend in beide Richtungen, dann schwingt sie wild wie ein Karussell hin und her. Kapitän John Dennis beschleunigt den Sinkflug über der noch in dichtem Nebel liegenden antarktischen Küste. Seine Passagiere können ihm dabei über die Schulter schauen - eine eigens im Cockpit installierte Videokamera macht's möglich.

Dann ist die Wolkendecke durchbrochen, eine steil abfallende Eiskante und tiefblaues Meer tauchen auf. Der Jumbo geht auf 3000 Meter herunter - seine minimale Sicherheitshöhe für diese Region. Damit die Passagiere die Eislandschaft besser beobachten können, drosselt der Pilot die Geschwindigkeit um die Hälfte auf nur noch 460 km/h. Bei besonderen Attraktionen fliegt der Jet eine Acht, damit die Passagiere auf beiden Seiten etwas sehen können.

Über der Antarktis herrscht bei klarem Wetter eine phänomenal gute Sicht - Luftverschmutzung gibt es nicht. "Heute können wir etwa 140 Kilometer weit sehen", erklärt Kapitän Dennis, "manchmal beträgt die Sichtweite hier sogar 400 Kilometer." Durch die weite Aussicht bekommt der Betrachter einen Eindruck von den gewaltigen Dimensionen des siebten Kontinents, der mit 14 Millionen Quadratkilometern doppelt so groß ist wie Australien. 98 Prozent davon sind mit teilweise kilometerdickem Eis bedeckt. Menschen leben in dieser Eiswüste so gut wie keine: Sogar im Sommer halten sich auf den zwei dutzend Stationen kaum mehr als 4000 Menschen auf.

Unter dem Jumbo breitet sich ein riesiges Mosaik aus: Millionen Schollen des jetzt im Frühsommer aufgebrochenen Eises zeichnen sich über dem tiefblauen Meerwasser ab und bilden bizarre Formen. Riesige Eisberge von mehreren Kilometern Länge sind dagegen noch fest vom Eis umschlossen. Besonders beeindruckend ist die Küste des sechsten Kontinents: Hier fallen Gletscher steil ins Wasser ab, ihre Spalten leuchten blau in der weißen Eisdecke. An allen Fenstern drängen sich die Passagiere - eben kein Flug wie viele andere.

Informationen:

Jedes Jahr zwischen November und Februar führt der australische Reiseveranstalter Croydon Travel zehn Charterflüge mit Qantas-Jumbos in die Antarktis durch. Die meisten starten in Sydney, aber auch ab Adelaide, Melbourne und Perth werden Termine angeboten. Abflug ist jeweils sonntags morgens. Die Preise liegen je nach Sitzplatzkategorie zwischen 799 und 3399 australischen Dollar (1025 und 4365 Mark). Details unter Antarctica Flights Online .