Arizona: Roulette im Land der Apachen - DER SPIEGEL
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Arizona Roulette im Land der Apachen

Im "Hon-Dah" klimpern die Slot-Maschinen, rollen die Roulette-Kugeln und werden die Blackjack-Karten rund um die Uhr gemischt. Der Freizeitkomplex stellt die Haupteinnahmequelle der White-Mountains-Apachen in Arizona dar, umgeben von schneebedeckten Bergen und atemberaubenden Canyons.
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Phoenix - Durch die Stille des Pinienwaldes klingt kaum ein Laut. Ab und zu krächzt ein Rabe, ein Eichhörnchen flitzt den Stamm einer Pinie hinauf, und im Wasser wartet ein Reiher geduldig auf den Fang des Tages. Die Landschaft im Woodland Lake Park scheint nahezu unberührt. Plötzlich ist ein leiser Hufschlag zu hören. Unter den Bäumen auf der anderen Seite sind drei Reiter zu sehen. Zwei von ihnen tragen große breitkrempige Hüte und Staubmäntel, der dritte ist ein Indianer mit einem roten Stirnband.

Lee und Wayne von den "Blue Stables" und ihr Freund, der Apache Kicker, sind mit drei weiteren Pferden unterwegs, um Touristen zu einem Reitausflug abzuholen. Ein Bild wie aus dem Western, denkt sich der Besucher aus Europa. Doch es ist heute nur noch selten zu sehen. Und dennoch leben die Legenden des "Wilden Westen" in Arizona - auch wenn man manchmal etwas danach suchen muss. In zwei großen Reservationen, die sich heute weitgehend selbst verwalten, leben in Arizona 23.000 Apachen. Der Stamm, der sich im 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert mit der US-Army erbitterte Kämpfe lieferte, lebt heute von einer florierenden Holzindustrie - und vom Tourismus.

"Hon-Dah" heißt in der Apachen-Sprache so viel wie Willkommen, und es ist der Name eines großen Freizeitkomplexes mit Camping-Park, Hotel und Spielcasino. Die Gebiete der Reservationen unterstehen nach amerikanischem Recht nicht den einzelnen Bundesstaaten, sondern direkt der Regierung. Und daher dürfen die Stämme - anders als andere Gemeinden - ihr Geld auch durch Glücksspiel verdienen. So sprossen in den letzen Jahren überall in den Vereinigten Staaten Casino-Resorts wie Pilze aus dem Boden.

Zeremonielle Adlertänze im Theatersaal

"Natürlich verdienen wir einen Großteil unseres Geldes mit dem Casino", erzählt Raymond Endfield, Tourismus-Direktor der White-Mountain-Apachen. Und auch die Mehrheit der Gäste käme deswegen nach "Hon-Dah". Allerdings sollen Besucher der "weißen Berge" auch einen Eindruck von Geschichte und Kultur des Stammes jenseits romantischer Vorstellungen à la Karl May erhalten. Ein kleiner Raum in der Hotel-Lobby informiert mit Kunsthandwerk, Fotos und Dokumenten über das Leben des White-Mountain-Stammes vor 150 Jahren das Schicksal legendäre Häuptlinge der Apachen wie Cochise und Geronimo. Der Militärstützpunkt Fort Apache, der auf dem Gebiet des Stammes liegt und bei der "Befriedung" des Südwestens durch die US-Kavallerie eine große Rolle spielte, war über Jahrzehnte unbenutzt und wurde erst kürzlich wieder als Besucher-Attraktion hergerichtet.

Im "Hon-Dah"-Komplex bemüht man sich, die Kultur der Ureinwohner den Besuchern näher zu bringen. Gruppen von jungen Leuten führen regelmäßig zeremonielle Adlertänze auf, was jedoch nicht so recht in einen Theatersaal oder in ein Restaurant passen will. Die jungen Apachen sind begeistert dabei - egal ob sie selbst tanzen oder als Kellner am Rande stehen und zuschauen. Ein weiteres Pfund, mit dem der White-Mountain-Stamm wuchern kann, ist die Natur. Bis zu 3000 Meter hoch sind die Berge, und ihre Gipfel sind teilweise bis in den Sommer hinein mit Schnee bedeckt - ein seltsamer Anblick für Besucher, die noch drei Stunden zuvor durch die Kakteen-Wüste gefahren sind. Zum Skilaufen reicht die weiße Pracht allerdings nur im Winter. Das "Sunrise Park Resort" - ebenfalls ein Unternehmen der Apachen - umfasst neben einem Hotel elf Lifte und mehr als 60 Pisten.

Auch im Sommer - der in den Bergen bei weitem nicht so heiß ist wie in den Wüsten von Arizona - ist man im Gebiet der White Mountains gut aufgehoben. Endfield empfiehlt Ausflüge in die Canyons von Salt River und White River, die zwar nicht so gewaltig sind wie der Grand Canyon - aber dennoch atemberaubende Ausblicke bieten. Hobby-Angler können an 57 Seen nach Forellen fischen. Neben diesem Fisch kommen Ente oder Hirsch frisch auf die Tische der Restaurants. Das Erholungsgebiet von Pinetop-Lakeside verfügt über den größten Bestand an Ponderosa-Pinien weltweit und ist beliebt als Sommerfrische für die Einwohner der Ballungsräume von Phoenix und Tucson. Sie kommen im heißen Sommer - der im Tiefland 45 Grad Celsius und mehr an Temperaturen zu bieten hat - gern in die Berge.

Von Ditmar Hauer, ddp