Australien Auf Tuchfühlung mit dem Emu
Healesville liegt 65 Kilometer von Melbourne entfernt - die ideale Distanz für einen Tagesausflug. Mehr als 320.000 Besucher pro Jahr kommen wegen der rund 200 Tierarten, unter denen viele seltene und nachtaktive Vertreter sind.
Die Tiere leben auf dem weitläufigen Gelände, beschirmt von zahllosen Eukalyptusbäumen und Farnen. Zumeist stammen die Arten aus dem Gebiet südlich der Linie Sydney - Adelaide, also aus dem Süden des Kontinents, erklärt Delyse Brown, die zu den Touristenführern gehört.
Öffentlich zugänglich ist das Healesville Sanctuary seit 1934. "Bis in die fünfziger Jahre hatten wir auch ins Land importierte Tiere wie Pfauen, Rotwild und Hasen. Heute jedoch sind wir ein Park nur mit australischen Tieren", erzählt Delyse.
Künstliche Mondphasen für Schnabeltiere
Zu den Höhepunkten gehört das Schnabeltier-Gebäude, in dem für die nachtaktiven Tiere die Tageszeiten geändert worden sind: Nachts wird das Licht eingeschaltet, tagsüber abgedunkelt. Sogar die Mondphasen werden simuliert. Fasziniert schauen die Besucher dem Schnabeltier zu, wie es durch sein Wasserbecken taucht. Die Eier legenden Säugetiere mit dem breiten Schnabel erinnern ein wenig an Fischotter.
"Sie kommen überall an der Ostküste Australiens vor, auch in eher schmutzigen städtischen Gewässern", erklärt die Führerin. Neben den Exemplaren in Gefangenschaft gibt es auch in Healesville ungefähr 15 frei lebende Schnabeltiere, die nachts in den Teichen des Parks auf Jagd gehen, unbeobachtet von den Touristenströmen.
Nachtaktive Beuteltiere und giftige Schlangen
Lieblinge der Kinder sind die Koalas und die Wombats. Mehrmals am Tag werden die Beuteltiere und andere Bewohner des Parks von den sie betreuenden Wildhütern näher vorgestellt. In einer Runde geht es dabei auch um die Schlangen im Reptilienhaus, darunter die in Nordaustralien vor allem in Zuckerrohrfeldern lebende giftige Taipan.
Am Ende des Tagesausflugs geht es durch das Tal des Yarra-Flusses zurück nach Melbourne. Die Hügel sind mit Rebstöcken bestanden, viele gute Weine stammen aus diesem Teil des Kontinents. Etliche Weingüter locken mit Chardonnay und Shiraz und laden zum Probieren ein. Zu den bekanntesten gehört Tarra Warra zwischen Healesville und dem Ort Yarra Glen. Einen Stopp wert ist auch das Weingut Yering Station: Vom Restaurant aus schweift hier der Blick über weite Rebfelder hinaus auf die Hügel des Yarra-Tals.
Von Christian Röwekamp, gms