Australien: Haute Cuisine im Outback - DER SPIEGEL
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Australien Haute Cuisine im Outback

Das australische Outback ist keine kulinarische Wüste - dank Andrew Dwyer, der die Strapazen der Allrad-Tour mit allabendlichen Schlemmermenüs unter dem Sternenhimmel vergessen macht.
Von Hilke Maunder
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rote Erde, so weit das Auge reicht, einzelne Salzbüsche, dann wieder nur Fels. Sand, Staub, Hitze und eine Schlaglochpiste namens Oodnadatta Track. Unterwegs im Outback, 3200 Kilometer quer durch einen der unwirtlichsten Landstriche der Welt. Und mitten in dieser Einöde, noch schwach beleuchtet vom letzten Licht der untergehenden Sonne, erhebt sich eine lange Tafel, einladend gedeckt mit weißer Tischwäsche, opulenten Leuchtern, silbernem Besteck.

Rings herum stehen Klappstühle. Der 98er Shiraz aus McLaren Vale atmet. "Let's start dinner", sagt Andrew Dwyer, schiebt seinen völlig verbeulten Akubrahut etwas aus der Stirn und reicht handgerollte Sushi als Starter. Während die Gäste den Sonnenuntergang genießen, kreiert der 40-Jährige im Schein einer Klemmleuchte kulinarische Kleinode.

Küche im Anhänger

Seine Küche ist ein robuster Anhänger, in Eigenarbeit um- und ausgebaut, bis er den Anforderungen des früheren TV-Kochs entsprach. Salz, Gewürze, Kräuter sind in kleinen Dosen verstaut und mit breitem Gummiband gesichert. Öl, Essig & Co. stehen sicher in Kästchen. Als Puffer bei Stößen dienen kleine Schwämme.

Das frische Gemüse, auf dem Central Market von Adelaide erstanden, ruht in wuchtigen Kühlboxen; gleich neben der Kiste mit Wein aus den besten Anbaugebieten Südaustraliens - Cabernet aus Coonawarra, Shiraz aus McLaren Vale, Rhine Riesling aus Barossa, unoaked Chardonnay aus Clare Valley. 40 Liter Trinkwasser bergen die gelben Kanistern neben den Radkappen. Daneben, in Grün, stehen die Metallkanister mit Reservebenzin.

Süßkartoffeln mit Schwertfisch

Die mächtige Holzplatte, während der Fahrt fest mit Seilen verzurrt, wird binnen Sekunden zur Arbeitsfläche. Mit einer Hand holt Andrew seitlich den Herd hervor: eine schwenkbare Halterung für den Topf oder Wok, mit Gas aus einer Kartusche befeuert. Die Süßkartoffeln sind gar, jetzt kommt der Schwertfisch auf das Feuer.

Angewiesen auf eine einzige Flamme, ist Gourmetküche auch, oder vor allem, eine Frage der Logistik. Und innovativer Lösungen: Während das helle Fischfilet die Pfanne belegt, backt die Macadamia-Nusstorte in einem Erdofen, den Andrews Freund und Mitarbeiter Steve Baird ausgehoben hat.

Fulminanter Sternenhimmel

Die erste Nacht. Keiner hat Zelte aufgestellt, alle haben als Bett den "swag" gewählt, die australische Kombination aus Gummihülle, Daunendecke und Kopfkissen. Wie still es ist. Und was für ein fulminanter Sternenhimmel. Im Freien schlafen, friedlich und frei. Für die meisten ist es das erste Mal. Hier und da ein leises Flüstern: Gibt es hier Dingos? Und was ist mit Schlangen? Doch selbst die Fliegen, die tagsüber allgegenwärtig sind, fehlen jetzt.

Am nächsten Morgen weckt frisch gebrühter Kaffee die kleine Gruppe. Die Kaffeekanne ist ein riesiger Blechtopf, auf Steine in die Flammen des Lagerfeuers gestellt. Das Toast bräunt langsam auf einem Grill, in der Pfanne brutzeln Eier, im kleinen Topf Baked Beans.

Der Tag im Outback beginnt früh

Aufbruch um acht. Das Leben im Outback beginnt früh. Unterwegs erzählt Andrew vom Leben der Aborigines, führt auf ihren Spuren durch das Land. Am Südufer des Salzsees Lake Eyre sammelt er ihre Feuerkeile ein, in den Schluchten der Flinders Ranges führt er zu kreisrunden Symbolen, Strichen und Quadraten, die der Stamm der Adnyamathanha in die Wände der Felsen und Höhlen geritzt haben. Er erzählt von der Regenbogenschlange und anderen "Dreamings", den mystischen Traumpfaden der Ureinwohner.

Hier und da begleiten Gleise des alten Ghan die Gruppe, die letzten Zeugen der ersten Zugverbindung, die Alice Springs mit Adelaide verband. Heute legt sein Nachfolger die 1559 Kilometer lange Distanz in 22 Stunden zurück.

Kängurus kreuzen

Stunde um Stunde ruckeln die beiden Jeeps über Kies- und Schotterpisten durch das knallrote Sandmeer, von Eisenoxyd koloriert. Hinter der Opalstadt Coober Pedy changiert der Sand über Schwarz zu Ocker, Rosa, Braun und Blau. Später, im Herzen der Simpson Wüste, türmt er sich zu hohen Sanddünen auf, gelegentlich bewachsen mit scharfkantigen Spinifex-Grasbüscheln, Mulgabüschen oder Wüsteneichen. Wilde Kamele grasen am Horizont. In der Dämmerung springen Kängurus unerwartet über die Straße.

Schon am zweiten Abend ist der Rhythmus der Reise vertraut, kennt jeder seine Aufgaben: Feuerholz sammeln, abwaschen, Wasser auffüllen. Im Schatten mächtiger Eukalyptusbäume hat Andrew in der Chambers Gorge seine Küche aufgebaut. In den steilen Felswänden spiegelt sich ein winziger See mit weichstem Wasser. Die Gruppe badet, Steve macht Feuer.

Statt des Gongs ertönt heute der Tenor von Luciano Pavarotti, als Andrew die "Antipasti" serviert: Austern aus Coffin Bay. Mit südaustralischen Quandongs - quittenähnlichen, kugelrunden Früchten - garniert und mit einheimischen Kräutern gewürzt, präsentiert Andrew das Känguru-Filet als "Bush Tucker", komponiert aus Zutaten, die nur das Outback bietet. Wie landestypische Gerichte auch aussehen könnten, zeigt der Pub im nahen Blinman mit seinem Sieben-Gänge-"Menü": Meatpie und Six-Pack.