Australien Ländliche Idylle am Outback
Der Murray markiert über weite Teile seiner 2575 Kilometer Länge die Grenze zwischen den Bundesstaaten Victoria und New South Wales. Ein besonders schönes Fleckchen ist Mildura. Mildura liegt im Nordwesten Victorias unweit der Stelle, wo der von Norden kommende Darling in den träge gen Westen plätschernden Murray mündet.
Das Leben geht hier einen gemächlichen Gang, Pickups prägen das Straßenbild. Mildura könnte auch im Mittleren Westen der USA liegen, gäbe es nicht so viele Eukalyptusbäume. Obst-, Gemüse- und Weinbauern betreiben Plantagen, so weit das Auge reicht. Die Flüsse speisen ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, das mitten im ziemlich trockenen australischen Buschland eine Oase entstehen ließ.
Manche Touristen mieten sich in Mildura ein Hausboot, um entspannt den Strom zu befahren. Schaufelraddampfer legen am Ufer des Murray täglich für Ausflugsfahrten ab. Doch ist es nicht nur diese ländliche Idylle, die Mildura interessant macht. Gutes Essen und gute Weine - das sind die Trümpfe, die die Region jetzt verstärkt ausspielen will.
Mildura ist zudem ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in den Mungo-Nationalpark, der 110 Kilometer nordöstlich in New South Wales liegt und mit seinem wüstenähnlichen Charakter bereits zum Outback gehört. Auf der Fahrt dorthin wird rasch klar, warum die Region auch "Mallee" genannt wird: Die gleichnamigen niedrig wachsenden Eukalypten, aus deren Ästen die Aborigines Didgeridos herstellen, gibt es hier zu Millionen.
Die Fahrt nach Mungo führt größtenteils über staubige Pisten. 1968 waren im Gebiet des Nationalparks, der zum System der ehemaligen Willandra-Seen und seit 1981 zum Weltkulturerbe gehört, Teile eines 26.000 Jahre alten Frauenskeletts entdeckt worden. "Man sieht in ihr den ältesten bekannten Menschen, der rituell verbrannt worden ist. 1974 wurde dann gar ein 30.000 altes Männerskelett gefunden", erklärt George O'Neill. Der Aborigine mit dem irischen Namen arbeitet für Harry Nanya Outback Tours und kennt sich in der Region gut aus.
Nahe der Skelettfundorte steht die "Chinesische Mauer", eine 26 Kilometer lange Dünen- und Felsformation, so benannt von chinesischen Arbeitern, die 1869 hier eine Hütte zum Schafe scheren errichteten. Gut 50.000 Tiere wurden damals pro Saison durch die Hütte gejagt, die heute besichtigt werden kann. Zwischen den Hügeln der "Wall of China" zeigt George seinen Begleitern viele Knochen von Wombats, Kängurus und Fischen, die Aborigines vor Jahrtausenden hier verspeist haben.