Australiens Outback Edelsteine in der Einsamkeit
Coober Pedy - Die Gegend gleicht eher einer Mondlandschaft als der angekündigten touristischen Attraktion. In der "Opal-Hauptstadt der Welt", wie die Australier unbescheiden die Siedlung Coober Pedy im Outback nennen, sucht der Reisende Romantik vergeblich.
Doch Faszination bietet der Wüstenort mit seinen zahlreichen Minenschächten und Abraumhalden allemal. Beim Bummeln müssen Touristen jedoch selbst im Ort die Augen offen halten - sonst stolpern sie leicht in eine der ungesicherten Gruben.
Wohl nirgendwo auf der Welt kommen Urlauber den Opalschürfern und ihrer Lebensweise näher als in Coober Pedy am Stuart Highway. Wer mit dem Auto von Adelaide nordwärts ins "Rote Herz" Australiens zum weltbekannten Ayers Rock fährt, kann nach etwa 850 Kilometern die Siedlung aus Flachbauten mit Wellblechdächern nicht verfehlen. Reklametafeln locken die Besucher.
Zwangsläufig muss allerdings niemand die strapaziöse Autofahrt durch unwirtliches Land auf sich nehmen. Zwischen Alice Springs, dem touristischen Zentrum in der Mitte des Kontinents, und der Südküste verkehrt der komfortable Schnellzug "Ghan" mit Schlaf-, Salon- und Speisewagen.
Knapp 7,5 Stunden dauert die Reise von Alice Springs bis zur Station Manguri, wo der Zug abends um etwa 21.30 Uhr einläuft. Nach einem 44 Kilometer langen Bustransfer erreichen die Reisenden Coober Pedy dann rechtzeitig zum abendlichen Schlaftrunk. Zwischen der "Opal-Hauptstadt" und Adelaide bestehen außerdem regelmäßige Flugverbindungen.
Die ersten Opalfunde in Coober Pedy datiert die lokale Chronik auf das Jahr 1911. Die Schürfer buddelten Löcher und Schächte in den Boden, um die Edelsteine aus ihren natürlichen Vorkommen in Spalten und Hohlräumen zu holen.
In den Stollen richteten sie auch ihre Unterkünfte ein, die die Aborigines-Urbevölkerung als "Kurpi Pititi" beschrieb - übersetzt etwa "Erdloch des weißen Mannes". So entstand der Ortsname Coober Pedy.
Die meisten der etwa 3500 Bewohner leben auch heute noch unter der Erde, in komfortabel eingerichteten "dug-outs". So schützen sie sich gegen die extreme Sommerhitze von November bis März, die nicht selten 50 Grad Celsius im Schatten überschreitet. Unterirdisch herrschen regelmäßig angenehme 22 bis 26 Grad. Auch das beste Hotel des Ortes bietet einen Teil seiner Zimmer unter der Erde an.
Coober Pedy zog im Laufe der Jahrzehnte Abenteurer aus aller Welt an, wie beispielsweise die Existenz einer serbisch-orthodoxen Kirche, selbstverständlich unterirdisch, beweist. Ob Italien, Korea, Portugal - Menschen aus mehr als 40 Nationen sollen derzeit im Ort leben.
Urlauber kommen leicht ins Gespräch. Doch Edelsteinschürfer erliegen ebenso wie Hobbyfischer schnell Wunschträumen, wenn es um Erfolge geht. Und wie wohl in jeder Minenstadt sind skrupellose Glücksritter unterwegs, die gutgläubige Käufer suchen, denen sie ihre Funde überteuert andrehen.
Die Ausbeute aus dem Gebiet um Coober Pedy deckt etwa 70 Prozent des Weltbedarfs an Opalen. Es gilt nach wie vor als das an Vorkommen reichste Gebiet der Erde. Von hier stammte auch "Jupiter 5", der ungeschliffen 5,27 Kilogramm wog.
Die Arbeit in einer der unwirtlichsten Gegenden Australiens ist hart. Unternehmen und einzelne private Schürfer suchen in bis zu 30 Metern Tiefe nach den begehrten Opalen. Nur etwa zehn Prozent der gefundenen Mineralien weisen Farbeinschlüsse auf und erreichen damit Handelsqualität. Der überwiegende Rest gilt als "potch", weißer und grauweißer Opalabfall ohne Glanz.
In den Abraumhalden dürfen auch Touristen nach übersehenen Edelsteinen schürfen. Wer das Gebiet auf eigene Gefahr betreten will, braucht lediglich die Genehmigung der Besitzer.
Horst Heinz Grimm