Bali: Blüten fürs Wohlbefinden - DER SPIEGEL
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Bali Blüten fürs Wohlbefinden

Bunte Blüten bedecken die Zehen: Hibiskus, Frangipani, Jasmin und Plumeria. Das Wasser in der Tonschale ist handwarm, weich. Ätherische Öle lösen Verspannungen. Mit einer Fußwaschung beginnt jede Massage auf Bali.
Von Hilke Maunder
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auf der 5600 Quadratkilometer großen Insel vor der Ostküste Javas boomen Beauty- und Spa-Angebote. Die balinesischen Hotels locken mit Verwöhnprogrammen für Körper, Geist und Seele. Die tropisch-sinnliche Atmosphäre, gepaart mit traditionellen Techniken und pflanzlichen Ingredienzen, sind auf der Insel der Götter stets Basis aller Anwendungen.

Sukha- und Sthira- Massagen reflektieren die ewigen kosmischen Gegensätze, deren Einflüssen jeder Mensch unterworfen ist: entspannend und revitalisierend, zart und kräftig, weiblich und männlich, Yin und Yang. Oberstes Ziel ist der Ausgleich, Gleichklang, Harmonie. "Sukha" entspannt den Geist, versetzt mit kaum spürbaren Berührungen in den Zustand tiefster Ruhe und Ausgeglichenheit. "Sthira" baut Stress und Anspannung ab und stärkt so Körper und Geist.

Mit rhythmischen Berührungen wird das Gleichgewicht der Energien im Körper hergestellt. "Relax. Entspannen Sie sich. Atmen Sie tief aus." Nicht nur Luft holen, sondern Atem erleben. Ausatmen, während zwei Hände den Brustkorb auf die Liege pressen, loslassen. Sekunden in Stille. Von den Schultern her räumen gleichmäßig streichende Bewegungen Energieblockaden fort. Bei der Synchronmassage gleiten vier Hände parallel auf und ab, drücken Nervosität und Anspannung zu beiden Seiten aus dem Rücken heraus. Simultan ziehen die beiden Masseurinnen jeden einzelnen Finger lang, rollen mit ihren feinen Fingern am Nacken entlang, die Beine hinab, bis zu den Fußspitzen.

Eine Stunde lang streichen ihre Hände am ganzen Körper entlang, heben die Grenze zwischen Körper und Geist auf. Schwerelos, leicht scheinen die schweren Knochen, leicht und frei die Gedanken. Tiefe Ruhe, gepaart mit glasklarer, fast überdeutlicher Wahrnehmung jedes Atmens, jeder Berührung, der kaum hörbaren Gamelan-Klänge im Hintergrund. Die Seele träumt.

Bei der Massage verschmelzen die Bewegungen zu einem großen Fluss, der den Stress fortschwemmt. Immer wieder wird der Körper gestreckt und gedehnt, und nicht - wie im Westen - durchgeknetet. Nur gelegentlich halten die fließenden Bewegungen inne, drücken kräftig auf kleine Energiezentren zwischen Scheitel und Sohle: auf der Stirn, in der Handinnenfläche, unter den Achseln, am Steiß, am Knie, am Knöchel. Die Stimulierung dieser Druckpunkte wirkt auf die Meridiane und regt, ähnlich wie Akupressur, den Energiefluss im Körper an. Lähmungen, Fieber, Kopfschmerzen, selbst epileptische Anfälle kann diese sanfte Massage heilen oder lindern.

Die Essenzen der Massageöle werden aus Pflanzen gewonnen, die im Lande wachsen: Sandelholz und Zitronengras, Ylang-Ylang und Ingwer, Lotus und Lavendel. Einige Ölmischungen sind speziellen Körperbereichen vorbehalten.

Heimische Gewürze liefern die Grundlage für den Bali Body Scrub. Zu Pulver gerieben, soll ein Peeling mit Tamarinwurzel die Haut verjüngen; der Mix aus Ingwer, Nelken und Muskat als "Boreh" die Muskeln lockern und den Blutkreislauf antreiben. Behandelt wird solo oder paarweise, in intimen Séparées, geräumigen Suiten - oder open air, mit Aussicht auf das Meer.

In Ubud, der Stadt der Künstler, öffnet sich der Blick vom Spa des Pita Maha Resorts auf eine steile Schlucht. Tief unten im Tal rauscht der Oos-River, ringsherum umhüllt ein Regenwald mit Palmen, Bougainvillea und baumhohen Weihnachtssternen das hölzerne Himmelbett. Im Four Seasons Resort Jimbaran Beach prasseln "rainshower" von der Decke, Regenschauer zur Massage.

Eine Massage auf Bali ist nicht in 20 Minuten vorbei. Wer das traditionelle Hochzeitsritual im Parwathi Spa des Matahari Beach Resort bucht, wird acht Stunden lang verwöhnt. Ebenfalls mehrere Stunden dauert das traditionelle "Mandi Lulur". Kräftig wird der Körper mit Kräutern abgerubbelt. Das entgiftet und belebt. Die Haut prickelt, pulsiert, glüht von der Reibungswärme. Eine Ganzkörperpackung aus Joghurt kühlt - und korrigiert den pH-Wert der Haut.

Als rituelle Reinigung folgt das balinesische Blütenbad; mit 37 Grad Celsius genau auf die Körpertemperatur des Menschen abgestimmt. Frisch gepresster Kräutersaft stärkt von innen für das, was folgt: eine Gesichtsmassage, so unmerklich sanft, dass man entschlummert.

An der Küste ergänzt die Heilkraft des Meeres die ganzheitlichen Anwendungen. Das "Ocean Ritual" beginnt mit einer Öl-Massage, gefolgt von einem Meersalz-Peeling. So gesäubert, ist der Körper aufnahmebereit für eine hellgrüne Paste, die Zentimeter dick die Haut bedeckt. Diese Packung, die erst im warmen Licht der Sonne ihre gesundheitsfördernde Wirkung voll entfalten kann, besteht aus Seealgen. Grün und groß oder klein und rot, werden die Algen rund um die Insel Nusa Lembongan in knietiefem Wasser angebaut. Nach einem Monat werden die jungen Triebe geerntet und auf Matten aus Palmenwedeln drei Tage lang in der Sonne getrocknet.

Auf dem Massagedeck des Nusa Lembongan Resort, hoch oben in die Klippen der Küste gebaut, zerstößt eine feingliedrige Masseurin die fahlen Pflanzen geschickt und schnell zu feinstem Pulver, mengt grobes Meersalz darunter, dann ein wenig Öl. Diese Algenpackung soll den Körper entschlacken, rheumatische Schmerzen lindern und das Gewebe straffen. Meeresalgen sind in ihrer Zusammensetzung der menschlichen Zelle sehr ähnlich. Sie speichern die Mineralstoffe und Spurenelemente, die im Meer enthalten sind. Sobald Wärme einwirkt, geben sie diese Wirkstoffe ab, "füttern" das Gewebe, ziehen überschüssiges Wasser ab und machen die Haut weich wie in Kindertagen.

Seit alters her wird das Wissen um die Wege zum Wohlbefinden von Generation zu Generation weitervererbt und praktiziert. Von Geburt an werden Kinder von ihren Müttern massiert. Noch bevor die Kleinen in die Schule kommen, lernen sie, mit gezielten Griffen sich selbst und andere von Schmerzen oder Spannungen zu befreien. Massage ist Alltag, allgegenwärtig. Selbst der Verkäufer, der mit "free massage" nicht nur in Kuta Kunden in seinen Shop locken will, bringt erstaunliche Grundkenntnisse mit.