Ballonsafari in Kenia: Völlig abgehoben - DER SPIEGEL
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Ballonsafari in Kenia Völlig abgehoben

Der Kanadier David Acton schwebt jeden Morgen mit seinem Ballon über der Masai Mara. Zwischen August und Oktober beobachtet er zu seinen Füßen fast 1,5 Millionen Gnus, Zebras, Gazellen und Antilopen auf ihrer endlosen Wanderung zwischen Serengeti und dem kenianischen Tierreservat.
Von Marion Frahm und Michael Lindner
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auf was hatte sich der Kanadier da bloß eingelassen? Fünf Jahre bewarb David Acton sich unermüdlich um eine Stelle als Ballonfahrer in der Masai Mara und dann das. Die Ankunft im hektischen Nairobi war ein Schock. "Das hatte ich nicht erwartet."

Zwei Monate kostete es ihn, den mitgebrachten Ballon durch den Zoll zu bringen, und dann noch die Prozedur, bis die Behörde seine Fluglizenz anerkannte. Fast hätte er seine Abenteuerlust bereut. Doch das ist lange her, sechs Jahre, um genau zu sein.

Und noch immer erzählt der 39-Jährige gerne, wie er blauäugig an seinem neuen Arbeitsplatz eintraf, den er noch nicht einmal als Tourist zuvor gesehen hatte - heute mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Einmal ist er noch weggegangen, nach Schweden für ein halbes Jahr, doch dort konnte er nicht genügend fliegen, und er ist zurückgekommen.

In Kenia fliegt er fast jeden Tag. In seinem Ballon über der Masai Mara strahlt Davids Gesicht. Mehr noch als die Touristen kann er die Natur, das einmalige Schauspiel, das sich wenige Meter unter seinem Ballon am Mara-Fluss und auf den Plains abspielt, genießen.

Startvorbereitung: Am frühen Morgen werden die Ballons mit heißer Luft befüllt

Startvorbereitung: Am frühen Morgen werden die Ballons mit heißer Luft befüllt

Foto: Michael Lindner
Es geht heiß her: Helfer versuchen den Ballon so lange wie möglich in der Horizontalen zu halten

Es geht heiß her: Helfer versuchen den Ballon so lange wie möglich in der Horizontalen zu halten

Foto: Michael Lindner
Ruckzuck: Der Korb kippt. Nun muss es schnell gehen

Ruckzuck: Der Korb kippt. Nun muss es schnell gehen

Foto: Michael Lindner
Starthektik: Jetzt müssen die Passagiere schnell an Bord. Sonst hebt der Ballon ohne sie ab

Starthektik: Jetzt müssen die Passagiere schnell an Bord. Sonst hebt der Ballon ohne sie ab

Foto: Michael Lindner
In seiner ganzen Pracht: Das beeindruckende Fluggerät vor dem Abheben

In seiner ganzen Pracht: Das beeindruckende Fluggerät vor dem Abheben

Foto: Michael Lindner
Blick zurück: Während der erste Ballon bereits in den afrikanischen Morgenhimmel entschwebt, steigt auch der Zweite auf

Blick zurück: Während der erste Ballon bereits in den afrikanischen Morgenhimmel entschwebt, steigt auch der Zweite auf

Foto: Michael Lindner
Schwindelfreiheit ist Voraussetzung: Die Ballons sind auf dem Weg

Schwindelfreiheit ist Voraussetzung: Die Ballons sind auf dem Weg

Foto: Michael Lindner
Beeindruckende Aussicht: Die Masai Mara von oben

Beeindruckende Aussicht: Die Masai Mara von oben

Foto: Michael Lindner
Relaxter Flug: Die 747 unter den Ballons nimmt Fahrt auf

Relaxter Flug: Die 747 unter den Ballons nimmt Fahrt auf

Foto: Michael Lindner
Pilot und Reiseleiter: David Acton erklärt den Gästen die Tierwelt am Boden

Pilot und Reiseleiter: David Acton erklärt den Gästen die Tierwelt am Boden

Foto: Michael Lindner
Frisch getauft: Sektfrühstück nach der Landung

Frisch getauft: Sektfrühstück nach der Landung

Foto: Michael Lindner
Der Chef: David Acton kutschiert die Gäste sicher über die Masai Mara

Der Chef: David Acton kutschiert die Gäste sicher über die Masai Mara

Foto: Michael Lindner


Flug ins Abenteuer
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Für eine Ballonfahrt über der Masai Mara heißt es, früh aus den Federn und Zelten zu kommen. Bereits in der tiefschwarzen Nacht verlassen Jeeps die weiter entfernt liegenden Camps und Lodges. Mit unschlagbaren Ortskenntnissen folgen ihre Fahrer den einsamen Pisten und wählen an den undefinierbaren Kreuzungen den richtigen Weg zum Little Governors' Camp (www.governorscamp.com ). Im Dunkel der Nacht blitzen die Augen streunender Hyänen, grasende Gnus grunzen monoton, und im Scheinwerferlicht leuchten Zebrastreifen auf.

Zu so nachtschlafender Zeit in der dunklen, kühlen Morgenstunde sind seine Fahrgäste noch nicht allzu gesprächig. David Acton kann es verkraften. Später, während der Fahrt, wenn er - Entertainment bewusst - über die Landschaft berichtet, hängen sie förmlich an seinen Lippen.

Mit dem dampfendem Kaffeebecher in der Hand, die Fliegerjacke noch über das weiße Pilotenhemd gezogen und dem Baseballcap mit der Aufschrift "Flying Beavers" aus seiner Zeit als Pilot in Kanada auf dem Kopf, betrachtet David versonnen, wie sich die regenbogenfarbenen Hüllen des Ballons allmählich mit Leben füllen. An diesem Morgen starten zwei in die Lüfte. David steuert den großen, "den 747 unter den Ballons", wie er sagt, mit zwölf Plätzen.

Die Leichtigkeit des Seins

Die Leichtigkeit des Seins

Mit den Kronenleinen versuchen die Helfer die Ballons so lange wie möglich in der Horizontalen zu halten, damit sich die Hüllen gleichmäßig mit warmer Luft füllen. Dann plötzlich gibt es kein Halten mehr, und alles muss schnell gehen.

David ist schon im Korb, heizt mit dem Brenner. Jeweils zwei Personen klettern in eine Abteilung, und noch ehe der Blick in die Runde schweifen kann, hebt der Ballon ab. Leicht wie eine Feder schwebt er in die Höhe. Lautlos, bis David den Gashebel öffnet, um weitere Meter zu gewinnen, dann fauchen die Flammen.

"Ich bin hier ziemlich mit meinem Ballon beschäftigt", sagt er den Passagieren, "und sehe nicht alles, was sich da unten bewegt. Also Augen auf und schön in die Runde blicken." Selbstverständlich ist David dennoch der Erste, der den Leoparden zwischen den Bäumen erspäht. Er weiß, wie selten das ist, und scheint sich mehr über den Anblick zu freuen als seine Gäste. Trotz der vielen Jahre ist jeder Flug über die Masai Mara und den Mara River für ihn wieder ein neues Erlebnis.

Nilpferde: Die Dickhäuter sind auf dem Weg zum Mara-Fluss

Nilpferde: Die Dickhäuter sind auf dem Weg zum Mara-Fluss

Foto: Michael Lindner
Heißluft-Airline: Mara-Ballon-Safaris

Heißluft-Airline: Mara-Ballon-Safaris

Foto: Michael Lindner
Durstiger Dickhäuter: Nilpferd am Mara-Fluss

Durstiger Dickhäuter: Nilpferd am Mara-Fluss

Foto: Michael Lindner
Aufmerksamer Beobachter: David Acton (l.) zeigt seinen Passagieren die Tierwelt

Aufmerksamer Beobachter: David Acton (l.) zeigt seinen Passagieren die Tierwelt

Foto: Michael Lindner
Nilpferd-Kolonie: Morgenbad im Mara-Fluss

Nilpferd-Kolonie: Morgenbad im Mara-Fluss

Foto: Michael Lindner
Gedeckte Tafel: Ein Frühstück erwartet die Reisenden

Gedeckte Tafel: Ein Frühstück erwartet die Reisenden

Foto: Michael Lindner
Frische Luft macht hungrig: Die Gäste greifen zu

Frische Luft macht hungrig: Die Gäste greifen zu

Foto: Michael Lindner
Geschütztes Frühstück: Speere an allen vier Ecken des Tisches halten die fliegenden Räuber fern

Geschütztes Frühstück: Speere an allen vier Ecken des Tisches halten die fliegenden Räuber fern

Foto: Michael Lindner
Hinflug: Mit der Swiss geht es nach Nairobi

Hinflug: Mit der Swiss geht es nach Nairobi

Foto: Michael Lindner


Impressionen der Masai Mara
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Die Hebel des Brenners fest im Griff, hat David die Augen auf die Landschaft gerichtet. Nach so vielen Flugstunden bilden Ballon und Fahrer eine Einheit. Fast auf Augenhöhe mit den Geiern schwebt der Ballon über den Mara. Gesäumt von üppiger Vegetation mäandert der Fluss durch die Graslandschaft Kenias.

In seinem schlammigen Wasser baden Flusspferde. Spielerisch tauchen die bis zu drei Tonnen schweren Dickhäuter mal auf, mal ab. Aber am schönsten ist ihr Anblick, wenn sie unerwartet flink, den Bauch lustig schaukelnd, von einem Tümpel zur nächsten Flussbiegung laufen. Von dem urtümlichen Anblick sollte sich niemand verleiten lassen: Flusspferde sind aggressive und erfolgreiche Angreifer.

Wie im Zeitraffer ist die Sonne aufgegangen. Sonnenaufgänge in Afrika sind ein spektakuläres, aber kurzes Schauspiel. Rosarot bis bläulichlila färbt sich der Horizont und taucht alles in einen warmen Ton - nicht lange, dann steht die Sonne mit ihrer vollen Kraft über dem Land. Im Ballon sorgt eine angenehme Brise für erfrischende Kühle.

Mit den Winden in der Masai Mara hat es eine besondere Bewandtnis. "Das ist eine harte Gegend zum Fliegen", sagt David. "Hier wehen heftige Winde, mehr als woanders." Ballonfahrten fallen deshalb erheblich kürzer aus, als in kälteren Regionen mit beständigerem Aufwind. Eineinhalb Stunden Fahrt sind schon eine gute Leistung.

Neue Sichtweisen

Neue Sichtweisen

Größere Anstrengungen und knifflige Manöver sind David nicht anzumerken. Geschickt wendet er das Gefährt, damit auch die Teilnehmer auf den hinteren Plätzen freien Blick haben. "Ballon fahren ist wie Fahrrad fahren, wenn du es einmal kannst, verlernst du es nicht." Die Alpen und das Himalaja-Gebirge könnten den Junggesellen fliegerisch reizen, aber die nächsten zwei bis vier Jahre will er noch in Kenia bleiben.

Vor uns liegt nun die unermessliche Weite der Graslandschaft. Rund 1,4 Millionen Weißbartgnus, 500.000 Zebras und 200.000 Thompsongazellen sowie Elenantilopen, schätzt Jonny Baxendales von der Mara Conservancy, erreichten in diesem Jahr auf ihrer Wanderung von der Serengeti das Masai-Mara-Tierreservat.

Wie unzählige braune Flecken sind sie von dem Ballon aus in der Ferne zu sehen. Immer wieder sammeln sich große Herden, um gemeinsam den Mara-Fluss, die größte Barriere auf ihrer Wanderung nach frischem Grün, zu überwinden. Mehr und mehr Tiere finden sich zusammen, und keines möchte das Erste bei der manchmal tödlichen Flussüberquerung sein. Doch irgendwann fasst sich eines ein Herz, dann preschen die ersten, bald die nächsten Tiere vor.

Mit großem Anlauf stürzen sie sich in den Fluss, wobei die Zebras meist die Anführer sind. In ihrer Hast kommen nicht alle mit dem Leben davon. Knochenbrüche und Ertrinken sind an der Tagesordnung, auch hungrige Krokodile warten schon. Die Migration der Tiere ist ein ergreifendes Schauspiel.
David Acton zeigt uns Termitenhügel, die in Afrika einfach gigantisch sind. Kaum hat David sie erwähnt, scheinen sie aus der Graslandschaft förmlich emporzuwachsen. "Forscher haben herausgefunden, dass sich unter der Masai Mara so viele Termiten befinden, dass sie zusammen mehr wiegen als alle Tiere zusammen, die auf diesem Gebiet leben." Eine unglaubliche Vorstellung.

Von oben sind nun auch die Autos der Helfer zu sehen. Es kann nicht mehr lange bis zur Landung dauern. David gibt Anweisungen, wo sie den Tisch für das Champagnerfrühstück aufbauen sollen.

Pilotin Aly im zweiten Ballon ist derweil etwas vom Weg abgekommen. Ballonfahrer haben keinen Einfluss, wohin sie der Wind trägt. Und auch nicht so richtig auf die Landung, für die David nun Instruktionen gibt: "Dreimal wird der Korb aufsetzen, bitte gut festhalten, dann kommt die Entscheidung: Steht er oder kippt er. Also erst auf mein Okay aussteigen." Eins, zwei, drei ... der Korb steht, das erste Mal in den letzten acht Wochen.


Flug- und Reiseinformationen:
Eine Ballonfahrt in der Masai Mara kostet 385 US-Dollar pro Person. Buchungen über Destination Kenia (www.desken.com ), Bush Legends (www.bushlegends.de ) oder direkt im Little Governors' Camp (www.governorscamp.com ) Auf Grund der frühen Abfahrtszeiten ist es ratsam, die Ballonfahrt mit einer Übernachtung im Camp zu verbinden.