Big Island Hawaii von seiner feurigen Seite
Hilo - Das typische Hawaii gibt es ohnehin nicht, schließlich sieht es auf jeder der acht größeren Inseln - zusammen ungefähr so groß wie Schleswig-Holstein - anders aus. Da ist zum Beispiel Oahu mit der turbulenten Hauptstadt Honolulu, da ist das Garten-Eiland Kauai und da ist die größte Insel, die der Gruppe den Namen gab: Hawaii, auch Big Island genannt.
"Kein fremdes Land auf der ganzen Welt hat den gleichen tiefen, starken Charme wie dieses, kein anderes Land könnte mich so sehnsuchtsvoll und flehentlich verfolgen", schwärmt der amerikanische Schriftsteller Mark Twain über Hawaii. Besonders Big Island mit seinen aktiven Vulkanen hatte es ihm angetan: "Ich habe den Vesuv gesehen, aber das war nur ein Spielzeug, ein Kindervulkan, ein Suppentopf im Vergleich zu diesem..."
Der Mauna Loa ist mit 4169 Metern über dem Meer einer der höchsten der Inselgruppe. Der Kilauea im Inselsüden, mit 1243 Metern um einiges kleiner, gilt dennoch als größte Attraktion der Insel: Er ist seit seinem Ausbruch im Januar 1983 ein Lava spuckender Dauerbrenner.
Praktischerweise sind seine Eruptionen in den vergangenen Jahrzehnten nie explosionsartig erfolgt, sondern immer in Zeitlupe. Der Kilauea ist damit der einzige Vulkan weltweit, auf dem immer Lavaströme aus der Nähe besichtigt werden können, und zwar weitgehend gefahrlos.
Der Kilauea ist auch das Zentrum des Volcanoes National Park im Süden des Eilands, nicht weit entfernt von der Inselkapitale Hilo. Der Krater wird umrundet vom Crater Rim Drive, für den Besucher mit dem Auto ungefähr eine Stunde benötigen. An gekennzeichneten Stellen ist der Abstieg in den eigentlichen Krater möglich - eine Wüste aus Staub, Steinen und Brocken.
Einen Zwischenstopp sollten Touristen auch an den Sulphur Banks einlegen. Einige Meter unter der Erde kommt regelmäßig Grundwasser mit der glühenden, rund 1000 Grad heißen Lava in Kontakt und verwandelt sich in heißen Schwefeldampf, der aus Erdspalten emporsteigt.
Nur ein paar Meter außerhalb des Kraters verwandelt sich die Mondlandschaft in einen Dschungel. Mitten im Urwald bietet sich ein gut ausgeschilderter Rundgang durch die Unterwelt Hawaiis an: die Thurston Lava Tube, ein kilometerlanger unterirdischer Lavatunnel.
Wer Big Island besuchen will, fliegt am besten von Honolulu aus. Hawaiian Airlines und Aloha Airlines starten mehrmals täglich nach Hilo. Für selbst organisierte Touren ist auf Big Island ein Mietwagen unerlässlich, weil es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt. Wer die Insel von oben sehen will, kann eine Hubschrauber-Tour buchen, die allerdings mit mindestens 99 US-Dollar pro Nase für 45 Minuten zu Buche schlägt.
Das reizvollste Hotel der Insel ist das "Volcano House" mitten im Nationalpark, 1846 errichtet und gemütlich-rustikal eingerichtet. Hier wird auch einheimischer Weißwein serviert, der ganz in der Nähe produziert wird.
Ein Trip nach Big Island wäre nicht komplett ohne einen Abstecher zum Green Sand Beach. Der Strand besticht gleich mit zwei Superlativen: Er ist der südlichste der USA, und er besteht aus vulkanischem Stein, der in der Sonne grün schimmert. Einziges Problem: Es gibt keine Straßen. Wer den grünen Strand sehen will, muss rund zwei Stunden zu Fuß laufen.
Gregor Garbassen