Brian Head: Utahs unbekanntes Skirevier - DER SPIEGEL
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Brian Head Utahs unbekanntes Skirevier

Es ist halb vier Uhr nachmittags, und der Schnee unterhalb des Brian Head Peak glüht rot. Ein einsamer Snowboarder gleitet gelassen durch den Tiefschnee. In weiten Schwüngen, ein elegantes Muster im Schnee hinterlassend, in Redrock Country.
Von Ole Helmhausen
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Fernglas holt die Szene heran. Das, was da um die Stiefel herum wie Löwenzahn in alle Richtungen stiebt, ist also Utahs legendärer "Champagne Powder". Staubtrocken, über den heißen Wüsten Nevadas gebacken, ist der Schnee, durch den der Glückliche zu Tale gleitet. Ohne kräftezehrende Hüftschwunge, das ist offensichtlich, und in voller Kontrolle seines Brettes. Nach ihm kehrt wieder Ruhe ein am Hang, minutenlang. Dann kommt ein zweiter, zehn Minuten später ein dritter. Das war's auch schon für diesen Nachmittag.

Salt Lake City und die olympischen Winterspiele finden Lichtjahre entfernt statt. Beziehungsweise vier Autostunden weiter nördlich, was aber darüber hinwegtäuscht, dass Welten liegen zwischen Brian Head und den olympischen Stätten von Park City und Deer Valley.

Hier antiquierte Sessellifte aus den achtziger Jahren, dort ultramoderne Hochgeschwindigkeitsquads. Hier zünftige Kneipen mit Namen wie "Bump'n Grind", wo der Barkeeper schon mal eine Lokalrunde schmeißt, und eine partyfreudige Szene, in der Brian Head längst als "Baha Utah" firmiert, dort feine Austernbars mit Frackzwang.

Brian Head, das lieber Steaks statt Sushi isst und Skivergnügen pur ohne modischen Schnickschnack bietet, ist das Alter Ego der trendigen Ressorts rund um Salt Lake.

Das Brian Head Ski Resort im Südwesten Utahs wird von Olympia verschont bleiben. Und das ist ganz gut so, findet Craig McCarthy. "The money is in the bunny", zitiert der PR-Chef den alten Spruch der amerikanischen Skindustrie. Denn Wintersport-Resorts verdienen von jeher mit Ski-Novizen ("bunnies") am meisten. 80 Prozent der 53 Abfahrten von Brian Head sind für Anfänger und Fortgeschrittene. Was das Skirevier auf dem Markagunt-Plateau zu einem Ziel für Familien macht. So ist der zum Resort gehörende Navajo Peak komplett für Anfänger reserviert. Wer länger als drei Minuten am Lift wartet, der hat Pech.

Skierfahrene Mamas und Papas brauchen sich jedoch nicht zu langweilen. Denn die übrigen 20 Prozent haben es in sich. Sie liegen unterhalb des Brian Head Peak (3350 Meter), sind mit schwarzen Diamanten oder Doppel-Diamanten als schwer bis extrem schwer gekennzeichnet. Einige sind nur mit der "Peak Express Snowcat" erreichbar. Abfahrten mit Namen wie "Wild Ride" und "Last Chance" bedürfen keiner näheren Erklärung.

Das Spielerparadies Las Vegas mit seinen Shows und Casino ist nur drei Autostunden entfernt. Die beste Show allerdings stammt von Mutter Natur, ist gratis und findet vor Ort statt. Denn das Brian Head Ski Resort liegt als Einziges der 14 Skireviere Utahs im so genannten Redrock Country. Rote Sandsteintürme und -zinnen mit schneeweißen Hauben sorgen für Kodak-Momente, vor allem spätnachmittags, wenn die untergehende Sonne selbst den Schnee rot anmalt.