Buch-Auszüge: "Malediven sind todlangweilig" - DER SPIEGEL
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Buch-Auszüge "Malediven sind todlangweilig"

In ihrem Buch "Wir hauen ab" schildern Bernd und Daniel Mansholt die Erlebnisse einer Weltumseglung und das Zusammenspiel ihrer Familie an Bord. SPIEGEL ONLINE veröffentlicht Auszüge.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Atlantik: Romantik auf dem Wasser

"Das Blau ist unbeschreiblich und viel schöner, als wir es uns vorgestellt haben. Lange stehen Su und ich an der Reling, starren ins Wasser des Atlantischen Ozeans und beobachten, wie die Strahlen der Morgensonne sich in der Tiefe verlieren. Eine lange Dünung aus West hebt und senkt das Boot sanft. Wie romantisch. Doch als die Kinder an Deck kommen, ist Schluss mit unserem Geturtel. Frühstück, Schule, Basteln und so weiter."

Panama: Kindesentführungen bei den Cuna-Indianern

"Die Kinder sind anstrengend. Mikey hat eine Phase, in der er mit Handpuppen spielt und diese sehr laut sprechen oder sogar kreischen lässt. Dazu kommt, dass Maria fast den ganzen Tag Kinderkassetten hören will. Sie ziehen sich zurück aufs Boot – denn von den Eindrücken an Land sind sie überfordert. Die Dorfkinder wollen pausenlos ihre weiße Haut berühren und die Frauen schnappen sich unsere Kleinen einfach, um sie in ihre Hütten zu schleppen."

Gatunsee, Panamakanal: Alligatoren und Brüllaffen

"Im Gatunsee geht es an einer wunderschönen Dschungellandschaft vorbei. Dicht verwachsenes Pflanzengewirr, Grün in Grün bis an die Wassergrenze. Wir sehen Alligatoren und hören das phänomenale und unglaublich laute Konzert der kilometerweit entfernten Brüllaffen. Myriaden von Stechmücken fallen über uns her, das heißt, sie versuchen es. Wir sprühen deshalb uns und die Kinder großzügig mit einem Moskitos abweisenden Gebräu ein, das in Mittelamerika sehr empfohlen wird."

Sorge um die Kinder

"El-Niño- und Piratenmeldungen, dazu die kolossalen Entfernungen auf dem Pazifik mit jetzt immer mehr zunehmendem Zeitmangel erzeugten in uns drei Großen einen Druck der Sorge um die hilflosesten Besatzungsmitglieder. Die Stimmung an Bord ist durchwachsen. Die Kleinen spüren die Anspannung und Nervosität der Großen. Sie sind lebhafter als sonst und wollen an allem teilhaben, wobei sie sich auf ihre Aufgaben nur schwer konzentrieren können."

Die Trennung der Familie

"Später, als wir den indischen Ozean passierten und im Piratengebiet am Horn von Afrika unterwegs waren, haben wir noch oft daran gedacht, wie richtig wir mit dieser Entscheidung lagen. Als Eltern hätten Su und ich uns immer wieder große Vorwürfe machen müssen, wenn wir anders gehandelt und aus falsch verstandenem Ehrgeiz unseren Törn wie geplant durchgeboxt hätten."

Stiller Ozean: Lauter Ozean

"Von wegen Stiller Ozean! Die Isobaren krümmten sich auf den Barografen wie seekrank, grünes Wasser kam über. Fliegendes Wasser und Salz überall. Wer es nicht selbst einmal erlebt hat, wird sich kaum vorstellen können, wie laut eine sich brechende Welle sein kann."

Pazifik: Zwischenmenschliche Probleme

"Manchmal knallte es wegen kleiner Unpässlichkeiten wie aufgestauter schlechter Laune beim Wachwechsel, mit der wir entweder nicht gut umgehen konnten, weil wir müde und erschöpft waren oder es einfach nicht schafften, sie zu ignorieren. Das waren keine ernsthaften Streits, und sie lösten sich wie Schaumkronen im Wind nach wenigen Augenblicken einfach in Nichts auf."

Malediven: Die ganze Wahrheit

"Malediven – das klingt toll und sieht auf den Luftaufnahmen im Prospekt paradiesisch aus, aber mal ehrlich: Es war todlangweilig. Sand und Palmen, Palmen und Sand. Und Palmen. Und Strand. Die hier lebenden Menschen schienen es ähnlich zu sehen, und die wenigen Einwohner von Uligamu waren in ihren offenen Häusern hauptsächlich mit dem Auskehren von hineingetragenen oder hineingewehten Sandkörnern beschäftigt. Wer nicht fegte, saß am Strand und fertigte aus Palmenblättern neue Besen ..."

Rotes Meer: Logbuch vom 28. Februar 2006

"Was für eine Nacht! Hier hat es aber mal so richtig gekachelt. Die Schleppangel wurde aus dem Wasser gerissen und hing zeitweise waagerecht neben dem Schiff. Fliegendes Wasser überall. Dazu ein Heulen und Pfeifen wie im Bremer Weserstadion beim Einlauf der Bayern."

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