Catering an Bord: Schmalhans wird Küchenmeister - DER SPIEGEL
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Catering an Bord Schmalhans wird Küchenmeister

Seit Beginn der Wirtschaftsflaute im Frühjahr, vor allem aber seit den Terroranschlägen in den USA am 11. September müssen die Fluggesellschaften mit spitzerem Bleistift rechnen. Da sie am Treibstoff nicht und am Personal nur bedingt sparen können, rückt die Bordverpflegung ins Blickfeld.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn es um die Verpflegung an Bord geht, schwelgen Fluggesellschaften gern in großen Zahlen: 22 Tonnen Räucherlachs werden zum Beispiel allein von den Passagieren der British Airways jedes Jahr verzehrt. Cathay Pacific verweist auf 850 Tonnen Hühnchen, 110 Tonnen Kopfsalat und 20 Tonnen Teebeutel. Gulf Air kontert mit 88 Tonnen Reis. Rekordhalter in allen Disziplinen ist aber LSG Sky Chefs mit Hauptsitz in Neu-Isenburg: Im Jahr 2000 hat der weltweit größte Airline-Caterer rund 260 Fluggesellschaften mit insgesamt 427 Millionen Mahlzeiten beliefert. Da kamen dann allein an deutschen Flughäfen 140 Tonnen Lachs oder 1391 Tonnen Käse zusammen.

Im Jahr 2002 könnten es jedoch ein paar Scheiben weniger sein. An LSG Sky Chefs seien etliche Kunden mit dem Wunsch herangetreten, bei den Mahlzeiten etwas abzuspecken, sagt Firmensprecherin Alexandra Konrad. Der Geschmack hat darunter vorerst nicht zu leiden: "Zumeist werden ganze Komponenten weggelassen, etwa das Joghurt oder die Nüsse."

Keine Nüsschen mehr zum Film gibt es etwa für Economy-Passagiere auf Langstreckenflügen der Lufthansa. "Wir haben uns um solche Einsparungen bemüht, die für den Kunden kaum zu merken sind", sagt Lufthansa-Sprecherin Katrin Hassenstein in Frankfurt.

Auf inneramerikanischen Routen von American Airlines wurden dagegen schon komplette Mahlzeiten gestrichen. So gibt es in der Economy Class künftig erst ab einer Flugzeit von mehr als vier Stunden ein Menü, sonst nur Getränke und einen kleinen Snack. In der Economy Class der österreichischen Lauda Air werden weniger verschiedene Zeitschriften vorgehalten. Auf kürzeren Strecken gibt es zudem keine Kopfhörer mehr und keine heißen Tücher. "Die Maßnahmen stammen aber schon aus der Zeit vor dem 11. September", so Sprecherin Jutta Rasche-Reichert.

Auch Lauda-Mutter Austrian Airlines arbeitet derzeit an einem Konzept, wie sich beim Catering in der Economy Class Einsparungen erzielen lassen. Keine Änderungen sind dagegen in der "Grand Class" der österreichischen Gesellschaft vorgesehen, und auch die Lufthansa hält an ihrem Konzept "Connaisseurs on Board" für die First und die Business Class fest. Während der Wettbewerb in der "Eco" vor allem über den Preis ausgetragen wird und der Standard der Bordverpflegung immer weiter sinkt, will der verwöhnte Geschäftsreisende auch im Flugzeug nicht von seinen Essgewohnheiten abrücken - Abgepacktes aus der Großküche gehört üblicherweise nicht dazu.

Viele Fluggesellschaften sind deshalb in den vergangenen Jahren dazu übergegangen, ihre Menüs mit klingenden Namen aus der großen weiten Welt der Edelgastronomie zu schmücken. Bei Cathay Pacific etwa werden die Köche der Restaurants Chiu Chow, Shanghai und Jade Garden aus Hongkong aufgeboten.

An Bord von Austrian Airlines lassen sich Kreationen des Wiener "Zwei-Haubenkochs" Christian Petz kosten. Für die neue Speisekarte der Concorde zeichnet British Airways zufolge Attila Dogudan, Gründer des Wiener Restaurant-Konzerns DO & CO, verantwortlich. Als nach eigenen Angaben einzige Fluglinie der Welt kann Lauda Air in der Business-Class mit leibhaftigen Köchen an Bord aufwarten; auch sie haben zuvor eine Schulung bei DO & CO erhalten.

Die Lufthansa startete vor zwei Jahren ihr Gourmet-Programm: Auf Interkontinentalflügen sorgen veritable Drei-Sterne-Köche für die Menüauswahl; auf kontinentalen Strecken wiederum werden unter dem Motto "Taste Europe" Spezialitäten aus regionalen Küchen serviert. "Das Besondere bei der Lufthansa ist, dass die Spitzenköche das komplette Menü entwerfen, von der Vorspeise bis zum Dessert. Bei anderen Airlines ist es meist nur der Hauptgang", sagt LSG-Sprecherin Konrad.

Am Anfang sei es gar nicht so leicht gewesen, prominente Namen für das Programm zu gewinnen. Inzwischen stehen die Interessenten bei der Lufthansa Schlange, schließlich bringt eine Teilnahme auch kostenlose Werbung für das eigene Restaurant.

Trotz der gegenwärtigen Finanzkrise soll den Köchen ihre Freiheit erhalten bleiben: "Es wird höchstens etwas genauer darauf geachtet, dass sie nicht übers Ziel hinausschießen", sagt Alfred Rigler, bei LSG Sky Chefs verantwortlich für den Bordservice der Lufthansa. Insgesamt erwartet Rigler aber schon, dass jetzt viele Fluggesellschaften ihren Bordservice grundsätzlich überdenken. Auf der Suche nach einem möglichst unverwechselbaren Auftreten sei häufig an den Bedürfnissen des Passagiers vorbei geplant worden: "Es gibt bei der LSG Sky Chefs zum Beispiel 100 verschiedene Sorten Brötchen. Jede Fluggesellschaft arbeitet das Thema individuell ab."