Chile Abenteuer auf dem Höhepunkt
Der Weg von Deutschland aus ist weit: 16 Stunden Flug in die chilenische Hauptstadt Santiago. Weitere zwei Stunden mit einer kleinen Maschine in die Minenmetropole Calama im Norden des südamerikanischen Landes. Dann per Kleinbus eine Stunde bis in die einzige größere Siedlung weit und breit: San Pedro de Atacama. Im Moment der Ankunft - es ist bereits dunkel - sind selbst hartgesottene Weltreisende ergriffen: Der Sternenhimmel leuchtet so intensiv und hell, dass einem die Sterne auf den Kopf zu fallen drohen.
Unwirklich leuchtet das Hotel "Explora" in der Dunkelheit, mit seinen Lichtern sieht es aus wie ein Kreuzfahrtschiff. "Die Einheimischen nennen uns 'Titanic in der Wüste'", sagt Michael Purcell, der Hoteldirektor, als er die Ankömmlinge zu einem ersten Pisco Sour, dem chilenischen Nationalgetränk - Schnaps mit Eiweiß und Zitronensaft - an die Bar führt.
Hotels an den spektakulärsten Plätzen
Zwei Explora-Hotels gibt es in Chile: eins in der Atacama-Wüste, das andere in Patagonien. Luxus-Häuser mit ungewöhnlicher Architektur und nach ökologischen Gesichtspunkten gebaut. Inhaber ist ein chilenischer Milliardär. Für ihn sind exquisit gestylte Häuser ein Hobby, die er an den spektakulärsten Plätzen baut - im argentinischen Patagonien und hier in der Atacama-Wüste. Wer einen Aufenthalt bucht, bucht die Entdeckung der Umgebung gleich mit.
Enthusiastische junge Leute, die mindestens drei Sprachen sprechen, stehen bereit, mit den Besuchern die Natur zu erkunden, abseits der üblichen Pfade und genau auf die Wünsche und Bedürfnisse jedes Einzelnen zugeschnitten. Mathias und Pam, Flitterwöchner aus Boston, wollen vor allem eins: Mountainbike fahren. Das haben sie Marketa gleich gesagt, die sich als ihr Guide vorstellt. Die 23-jährige Tschechin spricht fünf Sprachen. Pam und Mathias genießen noch den atemberaubenden Ausblick beim Frühstück, bevor es losgeht: Am Horizont ragen die Vulkane der Anden bis zu 6000 Meter hoch auf. San Pedro liegt 2443 Meter über dem Meeresspiegel. Beim Anstieg zu einem Pass kommen die Biker dann ganz schön ins Japsen, die Luft ist dünn. Auch von hier ist das Panorama in seiner kargen Schönheit unübertroffen. Überragt wird das aufstrebende San Pedro vom kegelförmigen Vulkan Lican Cabur, der stolze 5916 Meter misst.
Mittags wartet im Hotel ein köstliches Menü auf die Ausflügler, dann ist Zeit zum Relaxen oder für ein kurzes Bad in dem eisigen Swimmingpool, der aus einer unterirdischen Quelle gespeist wird. Ein weiterer Ausflug, diesmal per Kleinbus, führt zum Salar de Atacama, einem ausgetrockneten Salzsee. Endlos schweift der Blick über die Salzkruste, am Horizont in der Ferne zu allen Seiten begrenzt durch Gebirgsketten. In den letzten Salzwasserpfützen tummeln sich prächtige rosa Flamingos und Fischreiher. Jede Minute verändert sich das Farbspiel auf den umliegenden Vulkanen, mal schimmern die Wolken am Abend rosa, mal lila, schließlich orange und tiefrot.
Am nächsten Morgen geht es sehr früh los, schon um halb sechs fährt der Kleinbus zu den Geysiren von El Tatio ab. Es ist stockdunkel, und die Mondsichel steht fahl am Himmel, während die Fahrt über steile Schotterpisten ständig bergauf führt. Als der Fahrer den mit 4380 Meter höchsten Punkt passiert, ist es hell.
Dekadenz in der Wüste
Auf dem Geysirfeld von El Tatio dampft es mächtig, die kalte Luft der Nacht sorgt für die hohen Rauchsäulen, immer wieder schießen aus den Thermalquellen kleine Wasserfontänen in die Höhe. Plötzlich ist die Sonne da und erwärmt im Nu die vorher eiskalte Luft. Zeit für das Frühstück, Fahrer und Guide haben inzwischen neben dem Wagen ein kleines Büffet aufgebaut. "That's desert decadence!", sagt Pam, Dekadenz in der Wüste.
Am nächsten Tag steht für die beiden Amerikaner die ultimative Herausforderung an: eine Vulkanbesteigung. Zuerst geht es mit dem Kleinbus Richtung bolivianische Grenze, dann auf einer Schotterpiste bis auf etwa 4500 Meter. Als Schneewehen den Weg versperren, müssen die Abenteurer zu Fuß weiter. Die Luft ist sehr dünn hier oben - nur mit tiefem, intensivem Aus- und Einatmen lassen sich Kopfschmerzen und andere Symptome von Höhenkrankheit vermeiden.
Nach dreieinhalb Stunden ist der Aufstieg geschafft: Euphorisch umarmen sich die Gipfelstürmer 5604 Meter über dem Meeresspiegel. Die glasklare Luft erlaubt einen unbegrenzten Blick hinüber nach Bolivien, Das Abenteuer Atacama hat buchstäblich seinen Höhepunkt erreicht.