Chinas Alter Sommerpalast: Umstrittener Wiederaufbau
Historische Stätte China eröffnet Nachbau des Alten Sommerpalastes
Ein paar Überreste der Originalanlage sind im Norden Pekings noch zu sehen: Der Alte Sommerpalast, einst 350 Hektar groß und mit rund 150 prunkvollen Gebäuden ausgestattet, ist heute eine Grünfläche mit ein paar Ruinen. Doch jetzt wurde das historische Prachtbauwerk rund tausend Kilometer entfernt, in Dongyang, wieder zum Leben erweckt: Ein Teil der in Originalgröße nachgebauten Anlage ist nun für Besucher geöffnet.
In der ostchinesischen Provinz Zheijang konnten sie am Sonntag den ersten Teil der insgesamt rund 413 Hektar großen und 4,3 Milliarden Euro teuren Nachbildung des kaiserlichen Parks der Hauptstadt besichtigen. Die Verwaltung der Anlage in Peking hatte sich vergeblich gegen die Kopie gewehrt. Im vergangenen Monat drohte sie mit rechtlichen Schritten, sollte der Nachbau "geistige Eigentumsrechte" verletzen.
Der Alte Sommerpalast, eine weitläufige Parklandschaft im Westen Pekings, wurde im 18. Jahrhundert für die Kaiser der Qing-Dynastie errichtet - zum Teil basierend auf Entwürfen italienischer und französischer Jesuiten-Missionare. Doch schon nach rund hundert Jahren wurde er 1860 von britischen und französischen Truppen zerstört und geplündert, als sie zum Ende des Zweiten Opiumkriegs Peking besetzten. Heute können in der Hauptstadt nur noch die Ruinen besichtigt werden.
Der Ruhm der Vergangenheit
Nun lässt der private Filmkonzern Hengdian die Anlage zu 95 Prozent auf einem Studiogelände wieder auferstehen. "Ich möchte den Ruhm der Vergangenheit präsentieren, um den Patriotismus der jungen Generation zu verstärken. Sie sollen mehr erfahren über die Kreativität unserer Vorfahren", sagte Xu Wenrong, der Initiator des Projekts, der Zeitung "China Daily".
Das Verwaltungsbüro des Originals kritisiert den Nachbaupark: Die Anlage sei "einzigartig und kann nicht kopiert werden", meldete es und fügte hinzu, "Bau und Entwicklung der Anlage sollten von staatlichen Organisationen geplant werden, jeder Nachbau sollte gewissen Standards entsprechen".
Xu Wenrong versicherte hingegen, es gebe keinen Interessenkonflikt mit dem echten Palast. Der Nachbau stelle "klassische Architektur nach, um die Geschichte jüngeren Generationen nahezubringen", sagte er der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Auf dem Studiogelände stehen bereits Nachbildungen aus Pekings Verbotener Stadt.
Der Eintritt zu der neuesten Attraktion kostet umgerechnet 40 Euro. Die ersten Besucher zeigten sich allerdings wenig begeistert. "Hier gibt es nur leere Räume", beschwerte sich einer von ihnen bei Xinhua. "Ich fühle hier keine Geschichte, irgendetwas fehlt."