Chinesische Mauer mit Zement vorm Verfall bewahrt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Chinesische Mauer: Bröckelbauwerk mit Zementdeckel

Foto: STR/ AFP

Aufregung um Sanierung Ein Fahrradweg? Nein, die Chinesische Mauer

Die Chinesische Mauer ist auf einer Strecke von acht Kilometern mit Zement übergossen worden. Was die Regierung Sanierung nennt, löst bei Fachleuten und im Internet Empörung aus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Schiefe Stufen, bröckelnder Stein und Pflanzen, die das Bauwerk überwuchern: Der Xiaohekou-Abschnitt der Chinesischen Mauer galt lange als einer der schönsten und wildesten des berühmten Bauwerks. Doch nun wurde dort ein acht Kilometer langes Stück Mauer restauriert - sehr zum Unmut vieler Betrachter. Fotos der Sanierung sorgen derzeit für Empörung im Internet.

So weit das Auge reicht, ist nun nur noch ein platter Zementweg zu sehen. Die Chinesische Mauer wurde mit einer Schicht aus verschiedenen Baumaterialien - offenbar Zement, Mörtel und Kalk - überzogen. Das Resultat wirkt ein wenig wie eine Fahrradpiste im Grünen.

"Die Mauer war stark beschädigt", sagt ein Verwaltungsangestellter des Kulturbüros in der Stadt Huludao. "Die Sanierungsarbeiten sollen dafür sorgen, dass die Mauer nicht auseinanderbricht oder in Teilen vom Regen weggespült wird."

Doch die Reparatur wird von vielen als Verschlimmbesserung wahrgenommen. Dong Yaohui, Vorsitzender der Great Wall Studies Society, nennt die Restauration "undurchdacht und grob". Er sorgt sich um das Ansehen des weltberühmten Kulturdenkmals.

"Brutale Behandlung"

Mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus kommentieren viele Internetnutzer die Fotos: "Das sieht aus wie die Arbeit von Leuten, die nicht einmal die Grundschule geschafft haben", schreibt einer. "Genauso gut hätten die Verantwortlichen die Mauer auch sprengen können." Ein anderer beklagt die "brutale Behandlung von Monumenten, die unsere Vorgänger uns hinterlassen haben" und fragt: "Warum reißen wir nicht auch gleich die Verbotene Stadt in Peking ab?"

Der Xiaohekou-Abschnitt in der Provinz Liaoning im Nordosten des Landes datiert von 1381 aus Zeiten der Ming-Dynastie. Insgesamt hat die Chinesische Mauer eine Länge von mehr als 21.000 Kilometern.

Besonders liebevoll behandelt wurde das Unesco-Welterbe in der Vergangenheit nicht. Abschnitte wurden von Bulldozern planiert oder geplündert. Über die Jahrhunderte seien knapp 2000 Kilometer Mauer verschwunden, schrieb im vergangenen Jahr die "Beijing Times" unter Berufung auf die staatliche Verwaltung der chinesischen Kulturgüter. Weitere 1200 Kilometer seien in einem schlechtem Zustand.

jus/AFP/AP