Concorde: Zeitreise im Schatten der Terrorkrise - DER SPIEGEL
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Concorde Zeitreise im Schatten der Terrorkrise

Der "schönste Vogel der Welt" fliegt wieder: Air France und British Airways nehmen ihre Concorde-Flüge wieder auf. Nach den Anschlägen vom 11. September werden Hummer und Seezunge an Bord des Überschalljets allerdings ohne Silbermesser serviert.
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Paris - Die Concorde-Chefpiloten Edgard Chillaud und Mike Bannister lassen es sich am Mittwoch nicht nehmen, den schnellsten Passagierjet der Welt von Paris beziehungsweise London nach New York zu fliegen. Neben Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta ist der französische Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot an Bord der Concorde Fox-Bravo, die um 10.30 Uhr vom Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle abhebt. Die Abflugroute wurde geändert. Sie führt nicht mehr über Gonesse, wo am 25. Juli 2000 eine brennende Concorde auf ein Hotel stürzte.

Die Katastrophe mit 113 Toten, darunter 97 Deutsche, schien das Schicksal des in den sechziger Jahren konzipierten Jets zu besiegeln. Doch Industrie und Politik hielten an dem Stolz französisch-britischer Ingenieurskunst fest. Als Konsequenz aus dem Unfallszenario wurde der elegante Deltaflügler umgerüstet und erhielt Anfang September seine Zulassung zurück.

Die Concorde war immer mehr als ein Flugzeug, sie ist ein Symbol: Der britische Premierminister Tony Blair fliegt ebenfalls am Mittwoch mit einer gecharterten Concorde zu Gesprächen mit US-Präsident George W. Bush nach Washington. Eine Atlantiküberquerung in knapp vier Stunden, Ankunft in New York nach Ortszeit früher als der Abflug, bevorzugte Abfertigung, exzellenter Service, kein Jetlag und eine große Chance, im gleichen Flugzeug mit einem Prominenten zu sitzen: Dieser Traum vom etwas anderen Fliegen hat seinen Preis. 8100 Euro (15.800 Mark) kostet der Hin- und Rückflug regulär bei Air France, bei British Airways sind gar 11.000 Euro (21.500 Mark) fällig.

Einst verhinderte die Ölkrise, dass der pfeilförmige Jet mit der typischen Klappnase ein wirtschaftlicher Erfolg wurde. Heute ist es der Einbruch der Passagierzahlen auf der Nordatlantikroute, die der Concorde bei ihrem Comeback-Versuch zu schaffen macht. Die Hälfte der Passagiere waren bisher Amerikaner, berichtet Air France. Dennoch glaubt die Fluglinie an den wirtschaftlichen Erfolg. Denn sie muss lediglich ein Drittel der 92 Plätze verkaufen, damit die Concorde in den schwarzen Zahlen fliegt.

British Airways und Air France äußern sich zuversichtlich über die Buchungszahlen für die ersten Flüge. Luxusreisen verkauften sich auch in Krisenzeiten sehr gut, heißt es in Paris. Das bestätigt auch Anja Tabarelli von der Cunard-Reederei, die früher bis zu 3000 Tickets jährlich für ihre betuchte Kreuzfahrt-Kundschaft buchte und damit einer der weltweit größten Einzelabnehmer für Concorde-Plätze war. Ihre Klientel sei "weltgewandt und nicht ganz so ängstlich", sagt die Marketingchefin für den deutschsprachigen Raum. Cunard verhandelt derzeit mit Air France und British Airways über einen Wiedereinstieg im nächsten Frühjahr.

Auch beim Golfreisen-Anbieter Faust in Hamburg ist man grundsätzlich daran interessiert, den Überschalljet wieder zu chartern. Zwar verhielten sich die Leute eher abwartend, sagt Marketingmitarbeiter Jörg Arnecke. "Aber wir planen lange voraus. Irgendwann ist das aus den Köpfen wieder raus."

Das Plastikbesteck im Luxusambiente allerdings wird die Reisenden daran erinnern, dass nicht nur der Concorde-Absturz, sondern auch die Anschläge in den USA die Luftfahrt verändert haben.

Von AP-Korrespondent Uwe Gepp