Donnerstag, 22. Mai Im Windschatten des Militärs
Seit dem 5. Mai versuchte die indisch-nepalische Militärexpedition einen ihrer Bergsteiger auf den Gipfel zu bringen. Gestern versprach der Wetterbericht aus Delhi beste Gipfelchancen. Ein Sturm verhinderte jedoch einen Gipfelerfolg. Nicht einmal der Weg vom Südgipfel konnte durch die Sherpa versichert werden. Der indische Deputy-Leader Mayor Manda musste sich eine halbe Stunde lang vom Hauptquartier zusammenstauchen lassen: Ein Gipfelerfolg muss her.
Trotz den schlechten Wetterprognosen blieben sechs Sherpa und einige indische und nepalische Kletterer am Südsattel, um einen Erfolg zu erzwingen. Ein Großteil der Bergsteiger zog sich ins Camp 2 zurück. Ein Teil der irischen, französischen und eines internationalen Teams pokerte ebenfalls und blieb auf dem 8000 Meter hohen Lager 4. Im Windschatten der Inder konnte ein Teil dieser Teammitglieder einen Erfolg verbuchen. Die Iren konnten für zwei ihrer sechs Mitglieder sowie zwei der Sherpa einen Erfolg nach Dublin funken. Die Franzosen hatten drei Gipfelerfolge mit einem Sherpa und der einzige Kunde des kommerziellen Anbieters Peak Performance konnte mit drei Sherpa den Gipfel besteigen. Dazu gab es noch einen unbestätigten Erfolge von zwei Amerikanern.
Gegen Ende der Saison sind etwas mehr als 30 Erfolge bei knapp 250 ausgegebenen Permits für den Everest nicht besonders viel. "Da haben wir wohl eine Gipfelchance verpasst", sagt Tom Zwahlen, technischer Leiter der deutsch-schweizerischen Jubiläumsexpedition. Der Bergführer hat sich mit dem Rest des Teams in das Lager 2 zurückgezogen, um auf das versprochene Gipfelwetter am kommenden Montag zu warten. Andere Teams wie die Südafrikaner haben inzwischen aufgegeben. Sie werden ins Basislager zurückkehren.
Viel Zeit bleibt den Bergsteigern nicht mehr. Am 30. Mai werden die so genannten Icefall-Doctors den Khumbu-Eisbruch schließen. Dann wird die Saison beendet sein.
Pemba Dorje Sherpa stört das ganze Gerede um Wettervorhersage und Eisbruch nicht. Er brach heute Abend um 17 Uhr auf, um den Geschwindigkeitsrekord von Babu Chiri zu brechen, der bei knapp unter 17 Stunden liegt. Der 25-jährige Sherpa aus Rolwaling will in zwölf Stunden vom Basislager aus den Gipfel erreichen.