Edmonton: Wo die Champions zu Hause sind - DER SPIEGEL
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Edmonton Wo die Champions zu Hause sind

Berühmt machten die kanadische Stadt das weltgrößte Einkaufszentrum und eine Eishockeymannschaft. Doch man sollte auch einen Blick hinter diese Erfolgsgeschichte werfen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Endlich hatte man mehr zu bieten, als nur Kanadas nördlichste Metropole zu sein. Als Edmontons Eishockey-Mannschaft "Edmonton Oilers" in den achtziger Jahren zum Triumphzug in der Liga ansetzte, verlieh sich Kanadas nördlichste Metropole den Titel "Stadt der Sieger". Das Motto prangt seitdem in großen Lettern auf einem Schild, dass Neuankömmlinge in der Stadt begrüßt.

Auf den ersten Blick erscheint Edmonton als typische Großstadt amerikanischen Stils. Graue Bürotürme im Stadtzentrum und drumherum ausgedehnte Wohnviertel mit Vorstadtidylle. Wie viele andere Städte auf dem nordamerikanischen Kontinent ist die ist die kanadische Stadt im Schachbrettmuster angelegt. Durchnummerierte Aveneues durchteilen die Metropole von West nach Ost, die Streets verlaufen von Norden nach Süden.

Doch die Natur hat diesem Schachbrettmuster einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Der North Saskatchewan River durchzieht die Stadt und hat einen riesigen 7400 Hektar großen natürlichen Stadtpark geschaffen. Neben Jogging- und Wanderwegen beherbergt dieses Flusstal einen Golfplatz, das Baseballstadion der Edmonton Trappers und das Kinsmen Sports Centre mit zahlreichen Schwimmhallen.

Hoch über diesem Flusstal thront am südlichen Rand der Innenstadt der Kuppelbau des Provinzparlaments. Von dort können Besucher auf einen Stadtteil blicken, der sich vom eher tristen Zentrum wohltuend unterscheidet. Rund um die Universität liegt Stathcona. Einst ein eigenständiger Ort wurde Strathcona schon vor langer Zeit von der großen Metropole eingemeindet. Doch seinen speziellen Charakter hat der Stadtteil bewahren können. Rund um die 82. Avenue, hier nennt man sie die Whyte Avenue, prägen viele alte Wohn- und Geschäftshäuser, Fußwege mit Klinkersteinen, altmodische Straßenlaternen, Cafés und kleine Geschäfte die Atmosphäre. Zahlreiche Festivals lassen den ehrwürdigen Stadtteil mehrmals im Jahr aufleben. Besonders das Fringe Festival für Amateur- und Straßentheater im August lockt viele Touristen in die malerischen Gässchen.

Östlich von Stathcona liegt "Little Berlin". So haben die vielen deutschen Einwanderer, die dort ein neues Zuhause gefunden haben, ihren Stadtteil getauft. Deutsche stellen hinter Ukrainern und Engländern immerhin den größten Anteil der ausländischen Bevölkerung in Edmonton. Und das hinterlässt im Stadtbild seine Spuren. Neben Bäckerein, die noch mit Brot aus der Heimat locken, preisen Schlachterein echte deutsche Wurstwaren an. Im krassen Gegensatz dazu ist am östlichen Rand der City die chinesische Kommune stetig größer geworden und hat dort ein typisches Chinatown etabliert.

Eine Reise in die Vergangenheit der im späten 18. Jahrhundert als Handelsposten für Pelze gegründeten Stadt bietet der Fort Edmonton Park. In wieder aufgebauten Häusern aus verschiedenen Epochen können die Besucher in das Leben der ersten Siedler eintauchen. Natur pur ohne Holzfäller-Romantik finden Touristen bereits 50 Kilometer außerhalb der Stadtgrenzen. Dort liegt der Elk Island Nationalpark, Kanadas ältestes Wildtier-Reservat. Drei Autostunden westlich von Edmonton trifft man im Japser National Park schon auf die eindrucksvollen Ausläufer der Rocky Mountans.

Das genaue Gegenteil dieser prächtigen Natur-Kulisse ist die West Edmonton Mall. Der Konsumtempel ist mit 500.000 Quadratmetern der größte seiner Art auf der ganzen Welt und muss jetzt, nachdem die "Edmonton Oilers" nicht mehr an vergangene Erfolge anknüpfen, für Superlative in der Stadt sorgen.

Ein paar neue, der lang ersehnten Rekorde, sollten allerdings im August in der Stadt aufgestellt werden. Dann nämlich findet in Edmonton die Leichtathletik-WM. Immerhin die erste ihrer Art in Nordamerika. Da hat die Stadt also doch wieder einen Sieg davon getragen.