Florida Keys: Perlenschnur des tiefen Südens - DER SPIEGEL
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Florida Keys Perlenschnur des tiefen Südens

Muscheln, Schnecken, Hummer oder Shrimps - Seafood wird in den Keys groß geschrieben. Nicht nur auf dem Teller, auch live können Touristen das Meeresgetier genießen: Leuchtend gelbe Hamletbarsche schwimmen vor die Schnorchelbrille, Delfine und Seekühe geben sich die Ehre.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Key West - Es gibt schlechtere Schicksale, als ein Pelikan in den Florida Keys zu sein. Ente in Oslo beispielsweise. Deutlich ungemütlicher da. Die Insellandschaft im äußersten Südosten der USA jedoch bietet das ganze Jahr hindurch angenehme bis hochsommerliche Temperaturen, azurblaues Wasser und jede Menge Fische. Dazu viel Grün und elegante Yachten zum Abhängen. Diese Mischung finden auch Touristen anziehend. Massenandrang aber hat schon so manches Traumziel zum Alptraum werden lassen. Deswegen setzen die Verantwortlichen auf den Florida Keys verstärkt auf Eco-Tourism - auf aktive Urlauber mit Umweltbewusstsein also.

Seven Mile Bridge: Für die längste Brücke in den Florida Keys wurden insgesamt 546 Betonpfeiler in den Meeresboden gerammt

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Foto: GMS

Umweltbewusstsein wird in den USA allerdings ein wenig anders verstanden als in Deutschland. In den Florida Keys und in Key West wird immer noch viel Plastik verteilt: Der Hamburger kommt in Styropor, ebenso der Kaffee und selbst der Cocktail an der Pool-Bar. Auch jeden Tag auf das Florida Reef hinauszufahren ist für die Amerikaner kein Widerspruch. "Nur das, was wir lieben, schützen wir", sagt Carol Shaughnessy vom Tourismusverband Key West.

"Angucken ja, aber nichts anfassen bitte und nichts einsammeln", lautet denn auch die Anweisung des Skippers der Key Divers in Key Largo an die Reisegruppe. Wer müde wird, möge nicht seine Beine hängen lassen und mit den Flossen den Sandgrund und damit die Fischbrut aufwirbeln, sondern sich auf den Rücken legen. Aber schon wenig später treiben unerfahrene Schnorchler in der Strömung auf die Korallen zu, stoßen sich erschrocken daran ab und verscheuchen dabei ein paar leuchtend gelbe kleine Hamletbarsche.

Spezialität "Conches": Schnecken gelten als Wahrzeichen der Keys

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Foto: GMS
Pelikane an Bord: Nicht das schlechteste Schicksal

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Foto: GMS
Pelikan: "Bring Your own catch"

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Foto: GMS
Islamorada: Die Bewohner der Florida Keys sind einen relaxten Lebensstil gewohnt

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Foto: GMS
Luxuriöse Anwesen in Duck Key: Woanders stehen Autos vor den Häusern, auf den Keys sind es Boote

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Foto: GMS
Meeresfrüchte á la carte: Muscheln, Schnecken, Krabben, Shrimps oder Seefisch - die Auswahl fällt schwer

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Foto: GMS


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Das Florida Reef ist in keinem guten Zustand. Es hat unter den schweren Stürmen der vergangenen Jahre gelitten, Motorboote und Touristenscharen machten das Ganze nicht besser. Seit Jahren bemühen sich Umweltschützer um das Ökosystem Korallenriff: Sie versenken Schiffswracks als neue Behausungen oder richten Schutzgebiete ein. Aber immer wieder pflügen in dem seichten Wasser Motorschrauben durch Seegraswiesen. Und so robust es auch aussieht - das anmutige Grün ist sehr empfindlich.

Auf den Florida Keys gibt es neben dem Meer und den Fischen eine Menge zum Verlieben. Die Delfine im "Dolphin Research Center" etwa, einer nicht kommerziellen Pflegestation für Delfine und Heimat von "Flipper". Auch die Seekühe sind nett, oder die Seeschildkröten - und vor allem die ziemlich entspannten Bewohner der Keys. Sie nehmen sich gerne Zeit für ein Pläuschchen, fahren bevorzugt mit Booten zu ihren Verabredungen und haben eine Leidenschaft fürs Angeln.

Cayo Hueso", Insel der Knochen

Dabei waren die Anfänge eher grausig: Als die Spanier das erste Mal an der Südspitze Floridas landeten, waren die Strände dort mit Knochen übersät - wohl Überbleibsel zweier Indianerstämme. "Cayo Hueso", Insel der Knochen, nannten die Ankömmlinge damals das heutige Key West. Die Spanier bleiben trotzdem. Um das Jahr 1800 herum war die Ansiedlung die größte und reichste Stadt Floridas.

Die Keys werden in drei Abschnitte unterteilt: die Upper Keys mit Key Largo, die Middle Keys mit Marathon als Hauptinsel und die Lower Keys, die in Key West enden. Obwohl auch die Dry Tortugas noch dazu gehören - aber die sind nicht mehr über die Straße zu erreichen. Key Largo ist vor allem beliebt bei Tauchern, Hochseefischern und anderen Wassersportlern. Kurz nach Marathon, mit 7000 Einwohnern für die Keys ein großer Ort, beginnt die berühmte "Seven Miles Bridge", die auf Big Pine Key führt, der Heimat der seltenen kleinen Key-Rehe. Die alte Brücke, die vor einigen Jahren ersetzt wurde, läuft parallel zu der Neukonstruktion und verfällt malerisch.

Wer sich einen Strand sucht, muss in das ruhigere Islamorada fahren. Sand ist generell rar an den Ufern der Keys. Dort machen sich eher Mangroven breit. Die meisten Hotels in der Gegend haben jedoch künstliche Strände aufgeschüttet. Das mit dem Umweltbewusstsein klappt auf Lignumvitae Key besser - was auch auch an den Millionen Moskitos dort liegen könnte. Die meisten Besucher entscheiden sich sofort für den Rückzug - keine Zeit, herumzumüllen.

Wer sich aber von Botaniker Mike über das Eiland vor Islamorada führen lässt, erfährt, dass es auf seinen 280 Hektar Land 17 so genannte Champions zu bieten hat - die jeweils größten Bäume und Sträucher ihrer Art. Außerdem wachsen wilde Orchideen auf Lignumvitae Key, einige davon rupft Mike erbarmungslos aus: "Aus Afrika, die sind hier falsch." Über die schnurgerade lange Steinmauer aus dem 16. Jahrhundert, die quer über die Insel geht, zerbrechen sich Archäologen den Kopf, auch über ihre Erbauer. Dann entzücken zutrauliche Waschbären, die dort von Beeren und Krabben leben, die Besucher. Aber schließlich finden die Moskitos doch den Weg durch die Kleidung - da nützt auch Mikes Charme nichts mehr, man will nur noch weg.

Seafood wird in den Keys groß geschrieben

Abends werden die Stichwunden gepflegt und zum Trost Hummer und ein Schluck kühler Weißwein bestellt. Das Luxustier ist auf den Keys nicht so teuer: Rund zehn Euro (etwa 8,50 Euro) kostet ein gegrillter Hummer mit Pommes Frites und Krautsalat. Überhaupt wird Seafood in den Keys groß geschrieben: Muscheln, Schnecken, Krabben, Shrimps oder Seefisch - die Auswahl fällt schwer. Der Nachtisch dagegen ist schnell ausgesucht: Lime-Pie, ein köstlicher Zitronencremekuchen.

Und dann sind da noch die Conches: Das Fleisch der großen Schnecken, deren Gehäuse das Wahrzeichen der Keys sind, werden zu leckeren Fleischbällchen verarbeitet. Pur wird es nie gereicht. "Zu schleimig", erläutert die Bedienung. Leider schmeckten die Conches den Key-Bewohnern und ihren Gästen so gut, dass sie überfischt wurden und nun importiert werden müssen. Für die Keys ist das ein Desaster - nennen sich die Einwohner doch augenzwinkernd selbst "Conches". Also Nachschub tut Not: In Key West werden derzeit erste Aufzuchtversuche unternommen.

Sicher nicht schleimig sind die Krabben. Pur schmecken sie am besten, aber auch mit Meerrettich- oder Knoblauchsoße. Vom 6. August bis 31. März wird Hummer gefangen, vom 15. Oktober bis 15. Mai Krabben. Wer möchte, kann in den Restaurants auch den eigenen Fang für einige Dollar gegrillt bekommen. "Bring Your own catch" nennt sich das Ganze. Die Pelikane wären aber auch dankbare Abnehmer.

Von Hilke Segbers, gms