Flusskreuzfahrt Traum eines Zaren
St. Petersburg/Moskau - Den Glanz des Zarengoldes und das Leuchten des Bernsteins noch vor Augen, stehen die Passagiere der "Viking Lomonosov" an der Reling. Langsam löst sich das Kreuzfahrtschiff von der Kaimauer in St. Petersburg und lässt die in der Abendsonne liegenden Paläste, Brücken und Boulevards hinter sich. Hier auf der Newa beginnt eine 1200 Kilometer lange Flussschiffreise, die nach elf Tagen in Moskau enden wird.
"Peter der GroÃe hatte vor 300 Jahren den Traum, St. Petersburg an der Ostsee über Flüsse, Seen und Kanäle mit dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer zu verbinden", erzählt an Bord die Reiseführerin Nadja Smoljakowa. Vor 50 Jahren macht der Wolga-Moskau-Kanal so eine Schiffsreise möglich. Heute fahren bis zu 100 Passagierschiffe zwischen Mai und Oktober auf dem "Wasserweg des Zaren" - wahlweise beginnend in Moskau oder St. Petersburg.
Nadja, Studentin in Tübingen und aufgewachsen in St. Petersburg, kennt sich zwischen den 300 Brücken und Kanälen im "Venedig des Nordens" ebenso gut aus wie im prunkvollen Katharinenpalast in Puschkin (Zarskoje Selo) oder in der Sommerresidenz Peterhof (Petrodworez). Ihre Kollegin Julia lotst die Gruppe mit so viel Geschick durch die Eremitage, dass die Kreuzfahrer gar nicht merken, dass sie fünf Kilometer durch die weltberühmte Kunstsammlung laufen. Abends steht noch ein Ballettbesuch auf dem Programm - "Schwanensee" natürlich.
Golubzy, Plow und Pelmini
Beinahe lautlos gleitet die "Viking Lomonosov" - ein in Boizenburg an der Elbe gebautes Schiff mit Platz für 200 Passagiere - durch die einsame nordische Waldlandschaft Russisch-Kareliens. Es geht auf den Ladoga- und den Onegasee, die gröÃten Binnengewässer Europas. Bei gemütlichem Tempo von 25 km/h führt die Fahrt über Kanäle und Stauseen, über die Wolga und den Wolga-Moskau-Kanal.
Das Bordprogramm ist mit Kaviar- und Wodka-Verkostung, Shows, Film und Tanz kurzweilig. Man trifft sich in der Bar oder zieht sich in den Leseraum zurück. Und manchmal macht der russische Himmel dem Namen des Sonnendecks tatsächlich alle Ehre. Zu den Mahlzeiten serviert werden typisch russische Gerichte wie Golubzy (Kohlrouladen), Plow (Reis mit Lamm und Gemüse) oder Pelmini (Maultaschen) sowie feinste europäische Küche.
Auf dem Wasserweg durch 17 Schleusen überwindet das Schiff einen Höhenunterschied von insgesamt 162 Metern. Im WeiÃen See (Beloje ozero) gleitet es an der 500 Jahre alten zerfallenden Kirche von Krokhino vorbei. Sie erinnert ebenso wie der aus der gestauten Wolga emporragende Glockenturm von Kalyazin an die Zerstörung von 700 Dörfern, die für Stalins "GroÃen Wolgaplan" in Stauseen versanken.
Bei Goritzy sind 1500 kostbare Ikonen im Kirillo-Belozerskij-Kloster ausgestellt. Jaroslawl, eine lebhafte alte Handelsstadt an der Wolga, gehört bereits zum "Goldenen Ring" um Moskau. In der prachtvollen und reich mit Fresken bemalten Prophet-Elias-Kirche kann man den Klang orthodoxer Männergesänge genieÃen. Vor Uglitsch glänzen die blau-goldenen Zwiebeltürme der Dmitrij-Blut-Kirche schon von weitem wie aus einer Märchenwelt über die Wolga. Es ist die letzte Station, ehe Kapitän Ivan Puchkov den Moskauer Flusshafen ansteuert - und die Fahrt auf den Spuren eines Zaren-Traums ihr Ende findet.
Von Karin Ridegh-Hamburg, gms
Die bei Viking River Cruises gebuchte Tour kostet mit An- und Abreise per Flugzeug und Ausflugspaket mit deutschsprachiger Betreuung ab 1590 Euro. Veranstalter wie Phoenix Reisen, Nicko Tours und Olympia Reisen fahren ab Moskau über Oka, Wolga und Moskau-Kanal auch ausschlieÃlich die alten russischen Städte im Goldenen Ring an.
Moskau kann man sich per Schiff auch von Süden her über Don und Wolga nähern. Auch auf den Flüssen Kama und Wolga von Perm am Ural nach Astrachan am Kaspischen Meer verkehren Passagierschiffe. Transocean Tours aus Bremen wird vom Jahr 2006 an ebenfalls wieder mit einem komplett gecharterten Schiff dabei sein. Rar dagegen sind wegen der kurzen eisfreien Saison die Reisetermine auf den sibirischen Flüssen Lena und Amur, wichtigster Anbieter ist Olympia.