Freitag, 9. Mai: Es geht los - DER SPIEGEL
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Freitag, 9. Mai Es geht los

Als die Entscheidung fällt, ändert sich die Stimmung plötzlich. Die Tage der Unentschlossenheit und des Wartens sind vorbei. Heute Morgen kam Ngawang Thiele, der Sirdar der Expedition, ins Mannschaftszelt und besprach mit dem Team: Morgen geht es los.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Morgen steigt der erste Teil des Teams zum Lager 2. Am kommenden Dienstag und Mittwoch wollen die vier Bergsteiger ihren lang gehegten Traum verwirklichen - den Gipfel des 8848 Meter hohen Mount Everest.

Die Wettervorhersage ist immer noch nicht ganz eindeutig. Hält das Wetter oder hält es nicht. Für Ngawang Thiele ist die Sache hingegen eindeutig: Der tibetische Kalender stimmt. Seine Familie zu Hause feiert für ihn in diesen Tagen die Puja-Zeremonie. Deshalb steigt er heute mit seinem Team auf, um für das deutsch-schweizerische Team das Lager 4 vorzubereiten und um in Lager 2 auf das Team zu warten. Der Sirdar will, dass sich die Bergsteiger in zwei Teams aufteilen. Er selbst will mit der zweiten Mannschaft gehen.

Nun ist Packen angesagt. Konzentriert laufen die Bergsteiger heute zwischen dem Vorratszelt und dem eigenen Zelt hin und her. Eigentlich ist schon alles vorbereiten. Eigentlich schon alles gepackt. Doch es scheint die Everest-Anwärter zu beruhigen, noch einmal alles hin- und herzuräumen. Gegen Abend steigt die Anspannung. Die letzten Telefonate vor dem Aufstieg werden geführt, die letzten E-Mails geschrieben. Eine vertraute Person wird eingeweiht, wo bestimmte Dinge im Zelt liegen, falls wider Erwarten doch etwas schief gehen sollte.

Doch grundsätzlich ist jeder froh, dass es endlich losgeht, dass die vier Wochen im Basislager endlich beendet sind und die Gedanken auf das Ziel, den Gipfel, hinsteuern. Angst hat niemand, doch die Ungewissheit, wie der eigene Körper in der Höhe reagiert, wie das Wetter sich entwickelt, ist groß. Morgen um 4 Uhr geht es los, und dann wird sich zeigen, ob alles gut zusammenläuft. Schließlich scheitert ein Großteil der Gipfelversuche - viele bereits vor dem Gipfeltag, viele auch am Gipfeltag.