Grand Cayman: Mit dem Teufel im Paradies - DER SPIEGEL
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Grand Cayman Mit dem Teufel im Paradies

Auf der Karibikinsel Grand Cayman liegen gut und böse nah beieinander: Für Hollywood ist sie das Paradies, für Steuerfahnder die Hölle. Sogar der Teufel hat hier ein Domizil.
Von Helge Sobik
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zu viel Sonne schadet. Ivan Farrington ist der Beweis dafür: Er rennt selbst bei brütender Mittagshitze im roten Teufelskostüm mit auf die Stirn geschnallten Filzhörnchen herum und lässt sich von Touristen vor seinem feuerroten Holzhaus knipsen. Viel erkennt er dabei nicht, denn der Teufel ist stark kurzsichtig und verzichtet im Dienst auf die nötige Brille, um den Eindruck des Kostüms nicht zu trüben.

Der Mittsechziger ist, wie sich das für einen Teufel gehört, im Örtchen Hell aufgewachsen und hat das zum Beweis sogar im Pass stehen: "Born in Hell". Sein Holzhaus steht in einer Kurve an der Straße von George Town zum äußersten Nordzipfel der Karibikinsel Grand Cayman . Im Hof duftet es nach tropischen Früchten und Blüten, nach Kokosnuss und Parfüm.

An Ivan Farrington kommt kein Tourist vorbei auf der Insel, die zwischen Jamaika und Mexiko liegt. Der Mann, der zwei Jahrzehnte lang zur See gefahren ist und anschließend Mahlzeiten in den Schulen auf Grand Cayman verkauft hat, jobbt seit 15 Jahren als liebenswürdiger und leicht durchgeknallter Teufel im Paradies auf 19 Grad 18 Minuten nördlicher Breite und 81 Grad 23 Minuten westlicher Länge.

1985 kaufte er das einstige Postamt seines Heimatortes, strich es knallrot an und baute es zum Höllen-Souvenirshop um. "Devil's Hangout" nennt er seine Hütte, an der inzwischen jeder Rundfahrt-Bus hält. Wer etwa dem heimischen Finanzamt einen Gruß aus der Sonne schicken will, kann hier seine Postkarte direkt beim Teufel erstehen und mit dem "Greetings from Hell"-Sonderstempel verzieren lassen.

Banken und Briefkastenfirmen

Auf den Caymans wird keine Einkommensteuer erhoben, und zollfrei einkaufen kann man hier obendrein. Die Inseln sind vergleichsweise sauber, gepflegt und vor allem überdurchschnittlich wohlhabend. Grand Cayman hat im internationalen Banken-Business einen klangvollen Namen als Finanzoase: 500 Bankniederlassungen gibt es auf Grand Cayman, Repräsentanzen von knapp 400 Versicherungen, dazu rund 20.000 Briefkastenfirmen und die weltweit größte Dichte an Faxanschlüssen.

Die touristische Zielgruppe passt zur Bankenpräsenz: Menschen mit prall gefüllter Brieftasche und einem Stapel platinfarbener Kreditkarten. Der Idealtypus hat so viel Geld, dass es ihn nicht schert, es großzügig unter Edel-Restaurants und Autoverleihern, Luxushotels und Bootsvermietern zu verteilen. Daran jedenfalls orientieren sich offenbar die Preise.

Immerhin wollen auch Reiche manchmal sparen und zeigen überdies gern wichtige Kärtchen aller Art vor. Deshalb wurde die "Cayman Islands Privilege Card" erfunden - eine Rabattkarte, die man kostenlos vom Verkehrsamt bekommt und mit der eine Fülle von Dienstleistungen auf der Insel ein paar Prozent günstiger zu haben sind.

Strände im Hollywood-Format

Vorwiegend Amerikaner tummeln sich auf der Hauptinsel, die nur sechs Kilometer breit und rund 30 Kilometer lang ist. Gab es früher nur die Verbindung ins knapp 80 Flugminuten entfernte Miami, so schweben heute täglich mehr als ein Dutzend Jets vor allem aus diversen US-Großstädten auf dem Owen Roberts Airport am Stadtrand von George Town ein. Die Europäer dagegen beginnen gerade erst, die Caymans mit ihren Traumstränden von Rum Point bis Seven-Mile-Beach und ihren erstklassigen Tauchgründen als Urlaubsziel für sich zu entdecken.

Mit Sehenswürdigkeiten ist die Insel nicht gesegnet. Wer hier Urlaub macht, lässt sich die Sonne auf die Haut brennen, surft, segelt oder tanzt mit PS-starken Jet-Skis über die 28 Grad Celsiuswarmen Wellen. Immerhin ist Grand Cayman bereits zu internationalen Leinwand-Ehren gekommen: Viele Szenen der Verfilmung des Grisham-Romans "Die Firma" mit Tom Cruise und Gene Hackman wurden am Seven-Miles-Beach gedreht.

Fischtee aus dem Pappbecher

Es riecht nach Fisch in zahllosen Zubereitungsvarianten. Gekocht. Gebraten. Frittiert. Geräuchert. Von irgendwo oberhalb des Seven-Miles-Beach wehen die Schwaden heran: Claudette Bercher ist die Verursacherin. Ihre Holzhütte mit dem Namen "Heritage Kitchen" ist dicht umlagert von Einheimischen.

Meisterköchin Claudette jongliert in der engen Hütte zwischen Herdplatten, Töpfen und Feuerstellen, serviert zum Frühstück, zum Mittag- und zum Abendessen Fisch in rauen Mengen: Red Snapper, Doraden und Dolphin, der nur den Namen mit Flipper gemein hat. Wer sich zuprosten will, tut das mit "Fischtee" aus dem Pappbecher, einer Fischsuppe, die auf den Caymans getrunken statt gelöffelt wird. Claudette ist berühmt dafür.

Wer hingegen etwas für die Reisekasse tun will, geht tauchen: 300 korallenbewachsene Wracks aus Freibeutertagen liegen rund um die Caymans auf dem Meeresgrund - darunter so manches Schiff, auf dem noch Schätze vermutet werden. Wer den Aufwand scheut, findet in der Hauptstadt George Town, die so gar nicht wie eine Bankenmetropole wirkt, gleich mehrere Geschäfte, die "jahrhundertealte" Münzen mit "Echtheitszertifikat" anbieten - angeblich aus gesunkenen Piratenschiffen. Und teuer natürlich.

Wer dagegen tauchen will, ohne nass zu werden, steigt ins U-Boot. Mehrmals täglich geht das Touristen-U-Boot "Atlantis" von George Town aus auf Tauchfahrt, sinkt bis zu 50 Meter tief und bietet durch riesige Panzerglas-Bullaugen den besten Blick auf farbenfrohe Fischschwärme. Auch Claudette Berchers Herz würde höher schlagen: alles zum Greifen nah, was man für einen guten Fischtee braucht.

Informationen: Cayman Islands Department of Tourism, c/o MSI, Johanna-Melber-Weg 12, 60599 Frankfurt am Main, Tel. 069-6032094.