Great South Pacific Express: Dekadenz auf Schienen - DER SPIEGEL
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Great South Pacific Express Dekadenz auf Schienen

Zum Kängurufilet ins Zugrestaurant, mit dem Hubschrauber zum Great Barrier Reef und zum Tee wieder ins Luxusabteil: Zwischen Regenwald und Riff verspricht der Great South Pacific Express Luxus auf australische Art.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zugfahren in Australien ist eine langwierige Angelegenheit - das Land ist riesig, die Strecken scheinbar endlos, die Züge langsam. Die Fahrt von Perth nach Sydney dauert über 60 Stunden. Züge wie der Indian Pacific oder The Ghan leben mehr vom Mythos ihres Namens als von der tatsächlichen Qualität ihres Angebots.

Doch es gibt auf den Schienen Down Under auch ein echtes Juwel: den Great South Pacific Express, der vom Luxus-Veranstalter Orient Express betrieben wird und die Ostküste entlang fährt. Seit 1999 ist die Kuranda Station im Hinterland des tropischen Touristenzentrums Cairns würdige Kulisse für den ersten nostalgischen Luxuszug des fünften Kontinents. Von Cairns aus startet der Zug zur 1680 Kilometer langen Reise nach Brisbane, der Hauptstadt von Queensland.

Gezogen von zwei klobigen Diesselloks rollt der Great South Pacific Express langsam ein. Die goldenen Lettern glänzen auf der bordeauxrot und beige lackierten Außenhaut der Waggons. Gerade mal 7,5 Quadratmeter misst eines der 27 State Compartments mittlerer Kategorie. Doch auf derart engem Raum eine solch gelungene Mischung aus historischer Eleganz und moderner Funktionalität hinzukriegen, dürfte den Australiern so schnell niemand nachmachen.

Der Zug hat leise rumpelnd Kuranda verlassen, und das Aussichtsdeck im letzten Wagen entwickelt sich schnell zum Treffpunkt. Hier steht Lester, ein Aborigine des lokalen Stammes der Tjupkai, in lockerer Runde mit einigen Passagieren zusammen und erklärt die Grundbegriffe des Didgeridoo-Spielens.

Während der Zug später mit kaum 60 Stundenkilometern durch die Dunkelheit schlingert, wird im Restaurantwagen das Dinner serviert. Kerzenschein, schweres Kristallglas, Silberbesteck und edles Geschirr schaffen das richtige Ambiente. Zartes Kängurufilet auf Fenchel, frisches Filet von der Regenbogenforelle und Passionsfrucht-Creme Brulée mit frischen Beeren werden heute gereicht.

Sasha, die Stewardess, hat inzwischen das Abteil in ein Schlafzimmer verwandelt. Doch mit der Nachtruhe ist das so eine Sache: Die alten Schienen mit Holzschwellen lassen den Zug unruhig dahinrollen. Rechtzeitig zu den Olympischen Spielen wurde deshalb der Fahrplan geändert. Nun hält der Zug nachts für fünf Stunden.

Nach dem Frühstück steht am nächsten Morgen eines der größten Naturwunder der Welt auf dem Programm: das äußere Great Barrier Reef. Per Hubschrauber fliegen die Gäste von einem nahe gelegenen Flugplatz über leuchtend türkisblaues Wasser und schneeweiße Strände, bis der Pilot auf einer im Riff verankerten Landeplattform aufsetzt.

Ein Boot liegt schon bereit, um die Ausflügler abzuholen und sie auf die reservierte "Reef World II"-Plattform am Hardy Reef zu bringen. Hier lockt das kristallklare Wasser zu Touren mit dem verglasten Boot oder zu Schnorchelausflügen. Ein üppiges Meeresfrüchtebüffet sorgt für Stärkung, bevor im goldenen Licht des Nachmittags der Rückflug angetreten wird.

Eine stilvolle Tea Time im Abteil und ein üppiges Dinner mit einer unnachahmlich dekadenten Schokoladenkomposition zum Dessert beschließen den Tag. Australien mag groß sein, doch im Great South Pacific Express wird die Vielfalt und der Luxus des Landes in wenige Stunden gepackt.

Informationen:

Der Great South Pacific Express fährt mehrfach pro Monat zwischen Cairns und Brisbane in beiden Richtungen (je nach Abteil zwischen 2550 und 4220 Mark pro Person). Ab Januar 2001 sind auch zwei- bis viertägige Arrangements zwischen Sydney und Brisbane buchbar (ab 1620 Mark).
Während der Olympischen Spiele fährt der Zug rund um Sydney.

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