Grönland Und ewig lockt das Eis
Ilulissat/Grönland - Es ist sicherlich eine der unwirtlichsten und lebensfeindlichsten Regionen der Welt. Und dennoch lassen sich jedes Jahr Tausende von Urlaubern von der atemberaubenden Schönheit der Eisberge und Gletscher in der arktischen Landschaft Grönlands faszinieren. So bietet der Kangia-Fjord vor der Küste der westgrönlandischen Stadt Ilulissat Besuchern einen dramatischen Einblick in die gewaltigen Kräfte der Natur. Riesige Eisblöcke brechen mit ohrenbetäubendem Donnern vom Sermeq-Kujalleg-Gletscher in das Wasser des Fjords, der zum Unesco-Welterbe gehört. Von dort treten die Eisblöcke ihre stille, 20 Kilometer lange Reise hinaus ins Polarmeer an.
Das Naturspektakel können Touristen entweder gemütlich eingehüllt in wärmende Decken von Kuttern aus verfolgen, die zwischen den massiven Eisblöcken herummanövrieren. Oder aber sie buchen einen Hubschrauberflug und betrachten die endlose Gletscherlandschaft im der luftigen Überblick.
Grönland: Eisiger Meeresschmuck
Doch das Land im Nordatlantik ist in seiner Ausbreitung nicht zu unterschätzen. Grönland misst von Nord nach Süd über 2600 Kilometer, hat eine Fläche von über zwei Millionen Quadratkilometer und ist damit die größte Insel der Welt - rund viermal so groß wie Frankreich. 85 Prozent der Fläche sind vom ewigen Eis bedeckt. Geografisch zählt Grönland zu Nordamerika. Politisch ist die Insel ein halbautonomer Teil von Dänemark. Rund 30.000 Touristen besuchen Grönland jedes Jahr. Die überwiegende Mehrheit sind Dänen, danach Norweger und Schweden, Deutsche, Franzosen und Briten.
Das besondere Reiseziel
"Grönland zieht Leute an, die einmal etwas wirklich anderes ausprobieren wollen", berichtet Hans Peter Poulsen vom grönländischen Tourismusamt. "Massentourismus gibt es hier nicht." Das Reisen nach und in Grönland ist freilich ein teurer Spaß. Auf der Insel gibt es keine Straßen, die die wenigen Ortschaften und Siedlungen miteinander verbinden. Man muss also mit Flugzeug, Hubschrauber, Hundeschlitten oder Boot unterwegs sein. In Sisimiut und Ilulissat werden Urlaubern Hundeschlittenfahrten angeboten.
In Ilulissat - der Name bedeutet in der Sprache der Inuit Eisberg - kommen auf 4400 Einwohner 6000 Schlittenhunde. Es ist die drittgrößte Stadt Grönlands und das wichtigste touristische Zentrum. Abenteuerlustige Grönland-Urlauber können bei ihrem Aufenthalt in einem Kajak zwischen Eisbergen herumpaddeln oder im Winter in einem Iglu-Dorf übernachten. Das Iglu-Dorf in Kangerlussuaq ist von Dezember bis Anfang April geöffnet. Wer sportlich ist, kann auch auf der 3200 Meter dicken Eiskappe herumwandern, die Grönland unter sich begraben hat.
Eisbären sind selten
Der besonderen Fauna der eisigen Landschaft können Naturfreunde auf Fotosafaris näher kommen. An Land treffen sie auf Moschusochsen und Rentiere; an Bord von Schiffen beobachten sie Wale und Seehunde - allerdings sind die Chancen, einem Eisbären zu begegnen, verschwindend gering. Die Riesen sind in Grönland so selten, dass selbst die meisten Einwohner ihren Lebtag noch keinen gesehen haben.
Grönland kann immerhin mit dem Nachbau der "ersten christlichen Kirche in Nordamerika" aufwarten. Der Wikinger Erik der Rote, der Grönland ("Grünland") vor über 1000 Jahren mit seinen Gefolgsleuten besiedelte, baute die winzige, nur drei Meter lange Holzkirche mit Grasdach neben seinem Hof in Qassiarsuk. Sein Sohn Leif Eriksson war vermutlich der erste Europäer, der von Grönland aus kommend in Amerika landete - 500 Jahre vor Kolumbus.
Die Kultur der grönländischen Ureinwohner präsentiert das Nationalmuseum in der grönländischen Hauptstadt Nuuk, rund 600 Kilometer südlich von Ilulissat. Dort sind gut erhaltene Inuit-Mumien, Kajaks und anderen Artefakte ausgestellt. Einen Abstecher wert ist auch die Ortschaft Sisimit am Polarkreis mit seinem den Inuit gewidmeten archäologischen Museum. Die auch als Eskimo bekannten Bewohner Grönlands sind Nachkommen von Einwanderern aus Sibirien, die vor rund 4000 Jahren auf die Insel am Polarkreis kamen.
Von Jan Olsen, AP