"Guevaratour" Auf den Spuren des Che
Vallegrande - Er kämpfte für die kleinen Leute dieser Welt, heute wandeln nostalgische Wohlstandsbürger auf seinen Spuren in bolivianischen Bergen. Das Dorf La Higuera, wo Ernesto Guevara, genannt Che, am 9. Oktober 1967 von bolivianischen Soldaten erschossen wurde, ist Ziel einer Reisestrecke mit dem lockenden Namen "Guevaratour".
Mehr als 200 Kilometer führt der Weg, der in Santa Cruz beginnt, durch den Buschwald. Streckenweise bewegen sich die Touristen mit Geländewagen vorwärts, früher schlugen sich die Guerilleros mühsam mit Macheten den Weg frei. "Unser Ziel ist es, die Gedankenwelt des Che über einen organisierten Tourismus zu verbreiten, der die örtliche Bevölkerung respektiert", sagt Edil Peña Rojas, Mitglied der "Che-Stiftung" und Chef der Führer auf der "Ruta del Che", der Straße des Che.
Rund 2000 Touristen aus aller Herren Länder machen sich jedes Jahr auf den beschwerlichen Weg, der die Wanderungen Guevaras mit seiner Handvoll treuer Gefolgsleute nachzeichnet. Über Stock und Stein führt der Weg, die 240 Kilometer lange Busreise dauert mindestens zehn Stunden und kostet fünf Dollar. Wer den Trip in einem Kleinflugzeug unternehmen will, muss das Zehnfache hinblättern.
Nervenkitzel am Ort der Bluttat
"Wir wollen nicht, dass der Tourismus den Reichen vorbehalten bleibt", versichert Peña Rojas, der auch den günstigen Tarif der örtlichen, extrem einfachen Übernachtungsmöglichkeiten von zehn Dollar hervorhebt. Es gehe schließlich auch um die Bewahrung des "revolutionären Erbes" in Vallegrande, wo der legendäre Guerillero zunächst gefangengenommen worden war.
Neben hehren Revolutionsidealen gehört aber auch der Kitzel am Ort der Bluttat zum Programm, und so ist der Höhepunkt der Rundreise schließlich ein Besuch der Dorfschule von La Higuera, wo Che erschossen wurde, und des Waschhaus im Krankenhaus von Vallegrande, wo sein Leichnam zur Schau gestellt wurde.
Die beiden Dörfer gleichen zweifellos Wallfahrtsorten, mit den unzähligen Graffiti und kleinen Zettelbotschaften, die an Schule und Waschhaus angebracht sind. Die Einwohner der Region nennen den Mann, dessen Konterfei noch heute Jugendzimmer in aller Welt schmückt, bedenkenlos "Santo Ernesto". An einen Bergfelsen, der seinem berühmten Barett gleicht, haben sie einen Stern angebracht.
"Che-Coca" aus Rum und Coca-Cola
Nur wenige erinnern sich, dass die Bewunderung nicht immer so groß war. "Er kam her, um uns zu helfen, aber wir haben ihn verraten", bedauert der 84 Jahre alte Schneider José Mujica. Geholfen hat ihnen der erschossene Guerillero, der zeitlebens an schweren Asthma-Anfällen litt, schließlich doch. Die "Ruta del Che" schafft nach Angaben der Nichtregierungsorganisation CARE Arbeitsplätze für 15.000 Menschen.
Aber nicht alle Verehrer des bärtigen Revolutionärs, der als kubanischer Minister gerne dicke Zigarren rauchte, finden dieses Erbe des Che angemessen. "Das ist mir peinlich, dass man den Che benutzt, um Geld zu machen", sagte Ramón Alfredo García, ein kubanischer Arzt, der als freiwilliger Helfer nach La Higuera gekommen ist.
Und die Che-Stiftung versichert nachdrücklich, sie wolle eine "Kommerzialisierung" des revolutionären Erbes verhindern. Dennoch gibt es im Restaurant "Santa Clara" in La Higuera eine "Che-Coca" aus Rum und Coca-Cola zu trinken. Und zwischen all den Zetteln und Grußbotschaften an das argentinische Idol findet sich auch die Visitenkarte eines Reisebüros.
Philippe Zygel, AFP