Halbinsel Sinai: Begegnungen mit Haien - DER SPIEGEL
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Halbinsel Sinai Begegnungen mit Haien

Die Sinaihalbinsel im Roten Meer hat eine ebenso bedeutende wie wechselhafte Geschichte. Eines hat sich im Lauf der Zeit aber kaum verändert: Das Leben im Meer vor seinen Ufern.
Von Frank Schneider
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Blick aus dem Fenster des Düsenjets offenbart beim Landeanflug auf Scharm al-Scheich einen besonderen Kontrast. Hier die rötlich gefärbten und zerklüfteten Berge der Sinaihalbinsel, davor das tiefblaue Wasser, das die Farbe der Wüste in seinem Namen trägt: Das Rote Meer. Am südlichsten Punkt, dort wo der Golf von Suez und der Golf von Akaba zusammentreffen, hat sich auf dem Sinai praktisch aus dem Nichts ein Tauchermekka erhoben.

Der Ort verdankt seine heutige Form wohl alleine dem Unterwassersport. Vor kaum zwanzig Jahren campierten Urlauber noch in Zelten und sehr einfachen Hütten. Heute finden sich dort kleinere Hotels wie auch Häuser internationaler Hotelketten. Unweit des Hardrock-Cafés wartet amerikanisches Fastfood nicht minder internationaler Burger-Cafés auf die jüngere Kundschaft. Trotzdem hat das kleine Stadtzentrum Flair und längst ist der Ort in der Naama Bay auch für die ägyptische Regierung ein Aushängeschild.

Das Farbenspiel über dem Meeresspiegel findet darunter eine noch phantasievollere Fortsetzung. Kein Hotel ohne Tauchschule, und dennoch hat man in Scharm al-Scheich das Ausufern in eine gigantische Tauchfabrik vermieden. So ist denn auch der Hafen zwar nicht idyllisch, aber immerhin noch überschaubar. Keine Armada wie in Hurghada, aber auch keine einsamen Riffe wie im südlichen Ägypten. Vor dem Sinai erwartet den Taucher eine bunte Mischung.

Legendärer Ruf

Das Rote Meer als "Meer der Korallen" macht seinem Namen besonders am Ras Mohammed alle Ehre. Der Südzipfel der Halbinsel genießt bei Tauchern einen legendären Ruf. Von Schwämmen bunt bedeckte Riffwände, Weichkorallen in allen Farbschattierungen zwischen Weiß und Rot, davor Makrelen. Zudem bestehen hier auch gute Aussichten auf Begegnungen mit Großfischen wie Rochen oder Haien. Taucher wissen das zu schätzen, für viele ist so ein Erlebnis das Salz in der (Fisch-)Suppe.

Von Zeit zu Zeit präsentiert sich das Tauchareal am Ras Mohammed allerdings von einer höchst eigenwilligen Seite. Starke Strömungen machen dann das Tauchen dort zwar nicht unmöglich, fordern den Aquanauten jedoch Können ab. Unerfahrene Eleven müssen in diesem Fall auf den Sport verzichten. Es gibt aber genug Alternativen, wo auch nicht ganz so geübte Taucher eine Strömung nutzen können. Man springt dabei vom Boot ins Wasser und lässt sich am Riff entlang treiben, ohne einen Flossenschlag selbst zu tätigen.

Krasse Gegensätze zum lebendigen Spiel in Neptuns Reich offenbaren sich bei einem Ausflug ins wüstenartige Hinterland von Scharm. Mit klimatisierten Reisebussen werden Ganztagestouren zum biblischen Berg Sinai und zum nicht weniger legendären Katharinenkloster angeboten. Abends kann man die gewonnenen Eindrücke an der "heimischen" Hotelbar Revue passieren lassen.

Gras in Tüten

Eigenwillig präsentiert sich der Ferienort Dahab. Die "goldene" Stadt galt lange nicht nur als Urlaubsort für Gäste mit Hang zu alternativen Lebensstilen, sondern auch als Ziel für Aussteiger. Nicht nur böse Zungen behaupten, dass es in Dahab früher mehr Gras als im gesamten Rest Ägyptens gab - freilich nicht in Vorgärten, sondern gerollt "in Tüten". Diese Zeiten scheinen vorbei, dennoch präsentiert sich der Ort nördlich von Scharm immer noch sehr unkonventionell und ist nach wie vor ein beliebtes Reiseziel für junge Leute.

Die Strandpromenade wirkt nicht so adrett wie in Scharm al-Scheich und vor den Cafés wird auch heute nicht nur Handwerkskunst auf offener Straße angeboten. In jedem Fall wirkt das Ortszentrum von Dahab weit weniger kommerziell als Scharm al-Scheich. Wer in Scharm seinen Urlaub verbringt, hat meist auch Gelegenheit zu einem Abstecher nach Dahab.

Das blaue Loch

Ein Tauchplatz mit zweifelhaftem Ruhm: Das blaue Loch bei Dahab. An der Oberfläche getrennt vom offenen Meer bietet eine fast kreisrunde Öffnung einen Abstieg für Taucher mit Erfahrung. Vor allem aber ist Disziplin gefragt. Schon einige haben sich überschätzt und den Leichtsinn in dem senkrechten, natürlichen Schacht mit dem Leben bezahlt. Weit unten gibt es zwar doch eine Verbindung ins Meer, aber die Taucher müssen dort mit Strömungen rechnen. Und mit einer langen Aufstiegszeit mit zwingend notwendigen Pausen, die den Luftvorrat in den Pressluftflaschen unweigerlich gegen Null treiben. Mittlerweile ist der Zugang beschränkt und ausgebildeten Spezialisten vorbehalten.

Mit Nuweiba existiert weit hinter Dahab noch ein weiteres Tauchreiseziel am Sinai, aber Scharm al-Scheich ist mit seinen abwechslungsreichen Tauchspots zweifelsohne der Favorit auf der Halbinsel. Beste Reisezeiten sind das Frühjahr mit seinen guten Sichtverhältnissen oder ab Spätsommer, wenn die Wassertemperaturen besonders angenehm warm sind.

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