Honduras: Dornröschen der Karibik - DER SPIEGEL
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Honduras Dornröschen der Karibik

Nach langem Schlaf abseits der Urlaubsrouten ist Honduras touristisch erwacht. Ob ein Ausflug zu den Mayastätten, eine Bootstour zu den traumhaften Koralleninseln oder ein Besuch bei den Urvölkern im Dschungel: Hier hat die Karibik noch ihren ursprünglichen Charme.
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Wer beim Karibikausflug vor der Küste von Honduras keinen Walhai sieht, zahlt nur den halben Preis für die Exkursion. So wirbt die Tauchschule Subway Watersports auf der feinsandigen Palmeninsel Roatán, die zur Inselkette der Islas de la Bahía gehört. Besonders wohl fühlen sich die harmlosen Meeresriesen in der Umgebung des nahen Schwestereilands Útila. Tauchkurse und Faulenzen sind hier besonders preiswert und locken etliche Weltenbummler an.

Honduras ist nach langem Dornröschenschlaf nun touristisch hellwach. Früher war das zentralamerikanische Land meist nur wegen seiner berühmten Mayastätten von Copán an der Grenze zu Guatemala bekannt. Heute erkunden Urlauber auch die unzähligen kleinen Koralleninseln, begegnen Affen und Papageien in einem der vielen Naturreservate und sind in Dschungel und Savanne zu Gast bei Urvölkern wie Miskito, Pech und Tawahka.

Mit einem lauten "Hau Ruck" auf Deutsch, Spanisch und Englisch wird in Sambo Creek ein Ausflugsboot ins Meer gehievt. Fischerleute der Garifunas und Touristen feuern sich gemeinsam an. In dem Dorf unweit der Küstenstadt La Ceiba leben besonders viele Nachfahren des Mischvolkes aus Afrikanern und Ur-Kariben, das gegen die Sklaverei rebellierte. Die Garifunas sind stolz auf ihre Geschichte und Kultur. Sie sprechen neben dem landesüblichen Spanisch auch Englisch, was in Honduras eher selten ist.

Wohnt hier Robinson Crusoe?

Das Boot tuckert durch ruhiges, oft seichtes Wasser in Richtung der Inseln Cayos Cochinos. In den Grün- und Blauschattierungen tummeln sich Fische. Auch die Konturen von Seesternen sind zu erkennen. Fliegende Fische, mancherorts eine Delikatesse für Grill und Kochtopf, begleiten das Boot. Solch ein Fisch kann bis 20 Meter weit über das Meer hüpfen. Schon manchem Steuermann klatschte nachts auf hoher See ein Exemplar an die Backe.

Am Horizont erheben sich aus dem Meer Hügel in üppigem Grün sowie Stäbchen mit grüner Haube, umsäumt von einem hellen Band. Es sind kleine bergige Inseln mit exotischer Flora sowie flache Cayes, auf denen sich Palmen in den blauen Himmel mit Lämmerwölkchen recken. Die Strände sind fast weiß und lassen an Robinson Crusoe denken. Alles ist eingebettet von langen Korallenriffen. Verschwommen ist in der Ferne Roatán erkennbar.

Verstreut gibt es auf den Cochinos ein paar Häuser, Fischerhütten und kleine Ferienanlagen. Relaxen, Schnorcheln, Tauchen und Naturerkundung sind die Hauptbeschäftigungen auf der hügeligen Insel Cayo Grande. "Natur pur. Für mich ist es hier paradiesisch", sagt Peter Ried. Der 39-jährige Bremerhavener ist im "Plantation Beach Resort" hängen geblieben. In der kleinen Ökoanlage arbeitet er als Techniker und Berater.

"Nachhaltiger Tourismus ist ein Muss"

Eine Gästeherberge wird es sicher bald auf Chachaute geben. Ein paar Fischerboote, Kokospalmen, und Holzhäuschen mit Dächern aus Flechtwerk prägen das Bild. Selbstgemachten Kräuterlikör und Gebäck haben die Insulaner für Urlauber schon bereitgestellt. "27 Kräuter sind im Guifitty", sagt Señora Pabla stolz. So heißt ihr hochprozentiges Getränk. Ein kleines Mädchen streckt mit einem schüchternen Lächeln dem Gast ein Körbchen mit Backwerk entgegen. "Die Begegnungen zwischen Insulanern und Touristen sind behutsam und sehr freundlich", sagt Oscar Escobar. Der 35-Jährige Reiseunternehmer aus La Ceiba, bringt mit seinem Boot Urlauber nach Chachaute.

Von La Ceiba starten kleine Flugzeuge nach Palacios, das ebenfalls an der Karibikküste liegt. Die verschlafene Gemeinde ist ein Eingangstor in die Moskitia-Region und das Biosphären-Reservat des Rio Platano, eines der größten tropischen Regenwaldgebiete nördlich des Amazonas. Regionale Veranstalter arbeiten eng mit den hier lebenden Urvölkern zusammen. In einigen Dschungeldörfern gibt es einfache Quartiere, mancherorts Bootsverleih und Verkauf von Kunsthandwerk. "Nachhaltiger Tourismus ist ein Muss, um Umwelt, kulturelle, soziale Strukturen und Naturverbundenheit der Ureinwohner zu bewahren", sagt der Schweizer Rolf Baumgartner, Tourismuspionier der Region und Chef von Mesoamerica Travel in San Pedro Sula.

Ein König namens "18 Kaninchen"

Auch für viele Tauch-, und Dschungelurlauber ist ein Abstecher nach Copán ein Muss. Die Mayastätte im Westen ist sechs Busstunden von La Ceiba entfernt. Buntgefiederte Papageien dösen am Eingang, manche im Tickethäuschen. Nahe des historischen Ballspielplatzes mit steinernen Tribünen werkeln Einheimische an Stelen und tragen die grau-grüne Schicht der Verwitterung ab.

Während der Herrschaft von König "18 Kaninchen" und anderer Regenten haben Maya-Teams hier den Ball durch Steinringe geschleudert. In Copán sollen vor rund 1500 Jahren, in der Periode des Maya-Klassikums, etwa 20.000 Menschen gelebt haben. Die Bauherren hatten in Jahrhunderten eine Stadt über der anderen errichtet. Dann versank der Prunk im Dschungel. Forscher stießen erst im Jahr 1839 auf die steinernen Reste.

Bernd Kubisch, gms

Reisetipps für Honduras

Reisen nach Honduras

Anreise: Bei der Anreise nach San Pedro Sula oder Tegucigalpa sind ein bis zwei Stopps nötig. Bei Flügen über Miami oder Houston in den USA oder über Madrid wird das Ziel wegen des Zeitgewinns in der Regel am Abend des selben Tages erreicht. Von Honduras aus sind per Bus oder Flugzeug ohne große Grenzformalitäten Nachbarländer wie Guatemala oder Nicaragua erreichbar.

Klima: Reisezeit ist das ganze Jahr. Im Winter ist es weniger heiß, in den Tiefebenen werden dann zwischen 25 und 30 Grad gemessen. Das Hochland ist deutlich kühler. Von Juni bis November ist Regenzeit. Tage mit kräftigem Niederschlag wechseln mit Trockenperioden.