Hurghada: Es war einmal... - DER SPIEGEL
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Hurghada Es war einmal...

Früher dümpelten im ägyptischen Hurghada nur ein paar hölzerne Fischerboote im Hafen. In der Nähe war ein vornehmes Hotel für ebenso vornehme Badeurlauber, aber das Ende dieser Art Einsamkeit war schon abzusehen.
Von Frank Schneider
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eines Tages erschienen ein paar neue Feriengäste aus Europa, blickten hinaus aufs Meer und begannen alsbald mitsamt den mitgebrachten Gerätschaften unter dessen türkisblauer Oberfläche zu verschwinden. Es war die Geburtsstunde des Tauchtourismus am Roten Meer.

Drei Jahrzehnte später wirkt der alte Kern des ehemals armen Fischerdorfes Hurghada wie eingemauert. Ein paar schmucklose Häuser stehen noch, wirken aber umgeben von Souvenirläden und Kneipen alles andere als beschaulich. Dafür reihen sich um so mehr mondäne Hotelpaläste mit europäischen Standards längs der Küste kilometerweit aneinander, mittlerweile insgesamt weit über hundert.

Täglich strömen neu ankommende Urlauber - 750.000 pro Jahr - aus den Fliegern. Hurghada ist längst zur Stadt geworden. Mit modernen Krankenhäusern, Shopping-Malls, Restaurants und (fast) allem, was dazu gehört. Und auch wenn kaum ein Drittel der Urlauber hier taucht, gibt es doch jede Menge Tauchbasen.

Die Tauchboote fahren jeden Tag einer Armada gleich hinaus. Erfahrene Taucher meiden Hurghada deswegen und weichen nach Süden aus. Auch weil die Sünden der Vergangenheit nachhaltige Spuren hinterlassen haben: Anker wurden auf die Korallen geworfen und zerstörten Teile einiger Riffe so nachhaltig, dass sich die Natur an manchen Stellen bis heute nicht erholen konnte.

Tauchanfänger hingegen sind hier gut aufgehoben. In den Hotels finden die ersten Stunden des Tauchkurses im Swimming-Pool statt, und für den Neuling ist die Unterwasserwelt auch dann faszinierend, wenn sein Schiff mit mehreren anderen am Riff vertäut liegt. Wer schon etwas höhere Ansprüche an das Erlebnis Tauchen stellt, nutzt Hurghada dagegen nur als Ausgangspunkt für eine Tauchkreuzfahrt zu den Wracks im Norden. Oder er fährt mit dem Auto von hier aus gleich nach Safaga oder gar noch weiter.

Bis der Tourismus in Hurghada boomte, war das 50 Kilometer entfernte Safaga der größere Ort am Roten Meer. Schon lange ein bedeutender Fährhafen, gewann Safaga erst später an touristischer Bedeutung. Auch dort findet sich das ein oder andere Hotel weltweit operierender Ketten, aber rein zahlenmäßig ist das Bettenangebot bei weitem nicht mit dem Hurghadas zu vergleichen. So ist denn auch vielen Riffen vor der Küste Safagas ein ähnliches Schicksal wie denen im Norden erspart geblieben. Sie sind zwar auch nicht mehr jungfräulich, aber ein schädlicher Run auf sie wie vor Hurghada ist weitgehend vermieden worden.

Ankerschäden sind vor Safaga nicht ganz ausgeblieben, aber man hat aus den Fehlern Hurghadas gelernt. In die Schlagzeilen geriet Safaga, als vor einigen Jahren mit dem Untergang der Salem Express ein schweres Schiffsunglück beinahe 1000 Menschenleben forderte. Nach einer langen Ruhephase wird das Wrack der Fähre heute von den meisten ansässigen Tauchbasen angelaufen.

Taucher dürfen und können jedoch nicht in die versiegelten Innenräume in rund 30 Metern Tiefe vordringen, schließlich konnten nicht alle Opfer geborgen werden. Auf dem Meeresgrund, direkt neben dem Schiff, liegen Rettungsboote und machen die ganze Dramatik des Ereignisses deutlich.

Da zieht es dann doch mehr Taucher an die teils steil abfallenden Riffe. Die Chance, einem Hai oder großen Rochen zu begegnen, ist in Safaga größer als in Hurghada. Die mit bunten Weichkorallen bewachsenen Riffwände zaubern eine besondere Atmosphäre in die Unterwasserwelt, und wenn nach dem Auftauchen nicht ganz so viele Schiffe nebeneinander liegen, ist es auch ganz schön.

Mit dem Ausbau Hurghadas hat der "Umzug" erfahrener Taucher nach Safaga eingesetzt. Echten Tauch-Freaks bieten einige Basen wie das Orca Dive Center seit geraumer Zeit das Tech-Tauchen, einer speziellen Form sicheren Tieftauchens, an.

Der Tauchtourismus indes schleicht wie eine unsichtbare Wanderdüne am Ufer des Roten Meeres weiter nach Süden. Marsa Alam, vor wenigen Jahren noch kaum mehr als ein Wüstencamp, ist der nächste Stützpunkt. Im Frühjahr 2001 soll dort ein eigener Flughafen die Autofahrt von Hurghada überflüssig machen. Die Zelte am Wasser sind längst komfortablen Hotels gewichen.

Die bislang letzte Bastion Richtung Süden ist die kleine Stadt El Quseir mit nur wenigen Hotels. Der Hafen ist Ausgangspunkt für mehrtägige Touren an noch weiter südlich gelegene Riffe. Die sind wirklich noch kaum betaucht und in ursprünglichem Zustand. Früher oder später aber wird die Taucherkarawane auch von hier weiterziehen. Wohin das letztendlich führen wird? Keine Frage: bis zur Grenze zum Sudan. Dort kann man unter Wasser auf den abenteuerlichen Spuren von Hans Hass oder Jacques Cousteau wandeln. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Reisetipp

Auf dem Markt in Hurghada gibt es recht günstig Safran. In vielen Bars werden Wasserpfeifen, die Shishas, mit verschiedenen Aromarichtungen angeboten. Ausflüge nach Luxor werden von den meisten Hotels organisiert. Die Fahrten mit klimatisierten Reisebussen oder einem Taxi dauern den ganzen Tag.

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