Im Pick-up durch Amerika: Ab geht die "Lucy" - DER SPIEGEL
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Im Pick-up durch Amerika Ab geht die "Lucy"

Von Alaska nach Feuerland, durch Schnee und Eis, Wüsten und Dschungel: Der Münchner Michael Boyny und seine Frau haben sich zwei Jahre Zeit genommen, um Amerika zu erkunden. Mitgebracht hat er grandiose Fotos und die Erkenntnis, dass Reisende komische Menschen sind.
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Sie ist bildschön und robust, nur an kalten Morgen kommt sie ein wenig schwer in die Gänge: "Lucy" - ein US-Ford F250, Baujahr 1985, mit fest montierter Wohnkabine. "Es war ein bisschen so, als hätten wir auf eine Kontaktanzeige reagiert", erinnert sich Michael Boyny , der den Pick-up im Internet erstand. Boyny und seine Frau Sabine rüsteten die "alte Dame" auf. Im Sommer 2005 starteten die beiden Aussteiger in ihrer Heimatstadt München die acht Zylinder des Wohnmobils - und ab ging die "Lucy"!

Zwei Jahre waren die beiden mit ihrem Ford unterwegs. Ihre Reise führte sie durch 15 Länder kreuz und quer über den amerikanischen Kontinent - von Alaska bis Feuerland. Seine Erlebnisse hielt der Fotograf Boyny in Bildern von Land und Leuten und Tagebuchnotizen fest - und fasste sie in seinem Buch "Auszeit zu zweit" zusammen, das im Bucher-Verlag erschienen ist. Kleine Karten am Anfang der Reiseetappen-Kapitel zeigen die Route, mit Zitaten von Robert Frost, über Henry David Thoreau bis Octavio Paz werden die Leser eingestimmt.

Mit "Lucy" durchquerte das Ehepaar den heißesten, trockensten und tiefsten Flecken Nordamerikas - das Death Valley. Mit ihr fahren sie im Canyonland über 3000 Meter hohe Pässe zum Arches-Nationalpark. Und mit ihr geht es über die "gefährlichste Straße der Welt" hinunter in die Yungas, die tropisch-heißen Andentäler, ins bolivianische Tiefland. Von Tag zu Tag wird die "Hier-könnt-ich-leben-Liste" der zwei Münchner länger.

Die Aussteiger stellen fest, dass in Alaska die US-amerikanische Servicefreundlichkeit "im polaren Kälteschock erstarrt" zu sein scheint. Dass Königsberger Klopse besser schmecken als ecuadorianisches cuy, gegrilltes Hausmeerschweinchen. Und dass ein heiliger Vogel namens Quetzal mit bis zu einem Meter langen Schwanzfedern im Dickicht der Tropen schwer zu finden ist.

Der Autor schreibt mit Witz und viel Selbstironie. So führt eine Begegnung mit europäischen Urlaubern, irgendwo in Panama, Boyny zu der Erkenntnis: "Reisende sind komische Menschen: Sie geben ihren Autos Namen und tragen Khakihemden!"

Seine Erzählungen jedoch gehen wenig über die Tagebuchform hinaus. Genau werden Temperaturen, Kilometer, Ausgaben und Aktivitäten aufgezählt á la "wir bummeln, machen einen Spaziergang, essen und gehen früh schlafen" und die Menschen als "arm, aber stolz, freundlich und lebensfroh" beschrieben.

Doch die Fotos machen es wett. Mit seinen Landschaftsaufnahmen, Detailfotos und Porträts weckt Boyny das Fernweh. Und wer dadurch so richtig der Reiselust verfällt, wird auch die akribisch aufgeschriebenen Erlebnisse mit mürrischen Beamten, Erpressern und Dieben, mit Quetzals, Grizzlys und Blaufußtölpeln, mit der manchmal aufmuckenden "Lucy" und überwältigender Gastfreundschaft für die Verwirklichung von eigenen Plänen zu schätzen wissen.

peg/abl