Kanada: Von der blauen Seele - DER SPIEGEL
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Kanada Von der blauen Seele

Den stolzen Beinamen "La Belle Province" trägt Kanadas größte Provinz nicht ohne Grund. Québec im Nordosten des amerikanischen Kontinents fasziniert durch landschaftliche Schönheit. Auf der vierfachen Fläche Deutschlands leben nur 7,5 Millionen Einwohner.
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Montreal - "La Belle", die Schöne, wird auch oft als frankophile Insel auf dem anglo-amerikanischen Kontinent beschrieben. Sprache, Geschichte und Kultur sind hier von Frankreich geprägt. "Es braucht aber niemand zu befürchten, dass er bei uns pausenlos Französisch sprechen muss", sagt mit einem Augenzwinkern Roselyne Hébert von Tourisme Québec in Montreal. "In den großen Städten ist Englisch überhaupt kein Problem, und auch sonst wird es zumindest verstanden."

Der mächtige Sankt-Lorenz-Strom mit seinen unzähligen Inseln ist die Lebensader des südlichen Québecs. An seinen fruchtbaren Ufern siedelten einst die Indianerstämme der Irokesen und Huronen, auf ihm drangen auch die europäischen Entdecker tief in das Herz des Kontinents vor.

Frachtschiffe und Ozeanriesen können auf dem insgesamt 3000 Kilometer langen "St. Lawrence Seaway" in westlicher Richtung bis zu den Großen Seen fahren, in östlicher Richtung wird der Strom zum Golf und erreicht den Atlantik. Naturfreunde erkunden ihn am besten per Schiff. Dafür sollten mindestens drei bis fünf Tage reserviert werden - nur so lassen sich Seevögel, Robben, Wale und andere Flussbewohner in Ruhe aus der Nähe betrachten.

An eine besonders schicksalhafte Reise erinnert das "Musée de la Mer", das Museum des Meeres, in dem Städtchen Pointe-au-Père bei Rimouski. Es ist dem Andenken der "Empress of Ireland" gewidmet. Der Ozeanriese der Canadian Pacific Line kollidierte 1914 auf der Fahrt von Québec City nach London mit einem Frachter und sank, 1012 Passagiere kamen dabei ums Leben.

Eine Seeboje markiert heute die Stelle, an der das Wrack liegt. Bei guter Sicht ist sie von der Kuppel des Leuchtturms von Pointe-au-Père aus zu erkennen. Das schmucke Bauwerk aus dem Jahr 1859 zählt zu den höchsten Leuchttürmen Kanadas und steht heute unter Denkmalschutz. Den wahrlich atemberaubenden Blick auf den Sankt Lorenz gibt der Turm allerdings nur demjenigen frei, der die 128 Stufen zu seiner Kuppel erklimmt.

Nicht weit von Pointe-au-Père beginnt bereits die Gaspésie, eine Halbinsel von der Größe der Schweiz. Zu den Hauptattraktionen zählt der Parc de la Gaspésie, eines der schönsten Naturschutzgebiete Kanadas. Hier erhebt sich auch der Mont Jaques Cartier, von dessen Gipfel in 1268 Metern Höhe der Wanderer einen freien Blick weit ins Land hinein hat. Im alpin-arktischen Klima des Hausbergs von Québec gibt es unter anderem Elche, Karibus und Virginia-Hirsche zu bewundern.

Höhepunkt eines Ausflugs in die Gaspésie ist der Percé Rock, ein von Wind und Meer abgeschliffener, 438 Meter langer Felsen vor der Küste des Fischerdörfchens Percé. Hier wird der Sankt-Lorenz-Strom zum Golf - auch wenn mancher Besucher zunächst glaubt, er schaue direkt auf den Ozean. Vielleicht bleibt Zeit für einen Bootsausflug zur Ile Bonaventure. Hier sind in der größten Kolonie Nordamerikas etwa 60.000 Basstölpel zu Hause, denen sich Vogelfreunde bis auf wenige Meter nähern können.

Jeden Frühling und Herbst legen die Schneegänse an den Ufern des Sankt-Lorenz-Stroms Rast ein und erholen sich von ihren Flügen zwischen der Arktis und der amerikanischen Ostküste. Der Anblick von Zehntausenden der "Snowgeese", die sich majestätisch in die Lüfte erheben, ist ein Erlebnis, das niemand so schnell vergisst.

Von Stefanie Dorn, gms