Kulinarisches Capri: Insel mit Biss - DER SPIEGEL
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Kulinarisches Capri Insel mit Biss

Steile Klippen und nostalgischer Charme: Auf Capri lässt sich das italienische dolce vita in vollen Zügen genießen. Abseits von der Hektik des Festlands grillen Köche in romantischen Grotten erlesene Köstlichkeiten. Die Hotels bieten Panoramapools und edlen Komfort.
Von Thomas Migge
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"No, veramente no!" Vincenzo Ruggero schüttelt energisch den Kopf: "Frauen wie Rita gibt es heute nicht mehr, leider!" Dann setzt sich der Direktor des Hotels "Villa Brunella" die Halbbrille auf die Nase, um seinen Worten noch mehr Gewicht zu verleihen, und erzählt, wie Rita Hayworth im Juli 1950 mit ihrem damaligen Gatten Prinz Ali Khan gegen Mittag auf der Piazzetta erschien, ihre goldgefärbten Sandalen auszog, in die Menge der Paparazzi und Schaulustigen warf und mit nackten Füßen bummeln ging. Eine Mode war geboren, fortan spazierten die Damen von Welt barfuß durch Capri. "Tempi passati, vergangene Zeiten", schwärmt Vincenzo. "Jetzt geht es ruhiger auf Capri zu, aber auch das Intime hat seine Reize."

Wir unterhalten uns bereits angeregt, als er mich fragt, ob ich auf der Terrasse meiner Suite mit Blick auf den subtropischen Hotelgarten bleiben oder nicht doch lieber auf der Poolterrasse mit Aussicht auf Capris Hausberg Monte Solari einen Drink nehmen möchte. Diese Qual der Wahl gefällt mir! Die "Villa Brunella" ist aber auch zu verlockend, in acht Terrassen ist das kleine Hotel in den Hang des Monte Tuoro bis hoch zum Spazierweg Via Tragara gebaut; die Aussichten auf die Marina Grande vom Panoramarestaurant sind absolut unvergesslich. Eine solche Pracht würde man niemals vermuten, wenn man von der Piazzetta käme und nicht wüsste, dass sich hinter dem bescheidenen Eingang eines der komfortabelsten Häuser der Insel verbirgt.

Ganz klar: Capri ist ein Hort der Glückseligkeit. Weit weg sind Mafia und Korruption, Bandenkriege und Banküberfälle. An keinem anderen Ort Italiens finden sich auf so engem Raum so viele Juweliere wie in der schicken Via Vittorio Emanuele oder in der Via Capanelle. Schmuck im Wert von Hunderttausenden Euro liegt in den Auslagen - und die Türen sind weit geöffnet. Keine Alarmanlagen, keine Wachleute, kein misstrauischer Blick. Eine friedvolle Ruhe liegt allerorten über Capri. "Man ist hier unter sich", meint eine mit haselnussgroßen Saphiren geschmückte Signora aus Mailand, die zur Stammklientel des "Quisi" gehört. Die Kaffee- und Loungebar des Grandhotels "Quisisana" ist, weiß sie, "noch immer der ideale Treffpunkt für tout le monde".

"Quisisana" bedeutet viel Tradition und noch mehr Luxus mit nagelneuem Spa, Pools drinnen und draußen, einem Heer von livrierten Bediensteten und geräumigen Zimmern mit Blick auf das Meer und die Faraglionifelsen. Sommers lässt Chefkoch Gian Nicola Colucci im "La Colombaia" ein Degustationsmenu mit verführerischen Gerichten wie Maccheroni vom Grill mit Steinpilzen oder Bandfischfilet mit Birnenpüree und Kapern servieren. Man sitzt bei Kerzenschein und lauer Luft unter einem Vordach im Garten, wo der Jogurt aus Büffelmilch mit einer Gelantine aus Kaktusfeigen noch fantastischer schmeckt.

Meerblick-Suiten und überdachte Balkone

Eine der schönsten Terrassen von Capri bietet das "white". Chef Manuele Cattaruzza kommt aus Pordenone im Nordosten Italiens, doch was er auf die Teller zaubert, könnte südländischer nicht sein. Seine Kartoffelgnocchi mit cremig-mildem Provolonekäse, Auberginenpüree und Tomaten von den Hängen des Vesuv sowie das Wolfsbarschfilet in einer mit Estragon gewürzten Kruste aus Venusmuschelfleisch schmecken ausgezeichnet. Cattaruzzas Restaurant gehört zum neuen, urban wirkenden Hotel "Capri Tiberio Palace" mit Meerblick-Suiten und überdachten Balkonen.

Capri hat keine Sandstrände, dafür aber ausgebaute Badeplätze mit ihren inseltypischen Restaurants. Die berühmten bagni waren stets Tummelplätze des internationalen Jetsets; reizvoll sind sie bis heute geblieben. Ein Badetag à la Capri könnte so aussehen: vormittags Sonnenbaden nahe den Faraglionifelsen im "La Fontellina", wo am Mittag einfache Pasta- und Fischgerichte serviert werden. Frühabends sollte man ein kleines Motorboot chartern, das an der malerischen Küste der Marina Piccola entlang zur "Canzone del Mare" schippert. Dieses seit den 50er-Jahren legendäre Strandrestaurant bietet einen großen Pool, eine wunderbare Terrasse am Meer und eine gute Küche. Livrierte Kellner servieren hausgemachte Antipasti und Pastavariationen.

Nach Capri sollte man nicht nur Stöckelschuhe und Badeschlappen mitbringen. Eine der schönsten Wanderungen führt über den Panoramaweg Via Tragara durch kleine Wälder, die immer wieder den Blick auf das Meer, auf herrliche Villen und die Küste freigeben, bis zum Aussichtsrestaurant "Le Grottelle". Romantischer geht's nicht, vor allem bei Vollmond, wenn das Meer und die Felsen silbrig-weiß schimmern. Gekocht und gegrillt wird in einer Felsengrotte; vor allem der pezzogna, ein lokaler Fisch aus den Tiefen des Mittelmeers, ist mit seinem zarten Fleisch eine Delikatesse.

Wasserbüffelfleisch und zartes Barschfilet

Capri ist nicht nur Capri, sondern auch Anacapri - der Ort ist bequem in wenigen Minuten mit einem inseltypischen offenen Taxi zu erreichen. Hier locken die Grotta Azzurra, die Blaue Grotte, und zwei wunderschöne Hotels. Das "Capri Palace" präsentiert sich in elegantem Ethno-Look. Einige cool gestylte Designzimmer in Grau- und Weißtönen bieten Abwechslung mit eigenem Garten und Minipool, aber die größeren Attraktionen sind eigentlich doch der traumhafte Hotelpool mit seinen mehrfarbigen Bisazza-Minifliesen und die Küche im orientalisch angehauchten Restaurant "Olivo".

Der Deutsche Oliver Glowig, der sich im Münchner "Acquarello" einen Namen gemacht hat, bereitet dort raffinierte mediterrane Gerichte. Fantastisch schmecken die kleinen penne mit Ragout aus Wasserbüffelfleisch und ein zartes Barschfilet in einer hauchdünnen Kruste aus Meeräschen. Besonders originell ist ein Meerbarbenfilet mit gratiniertem Knochenmark und kandierten Feigen in einer Sauce aus schwarzen Johannisbeeren.

Gegenüber dieser Luxusoase liegt Capris spektakulärstes Hotel, das "Caesar Augustus". Jedem Gast verschlägt es den Atem, wenn er, begleitet von der Musik eines Pianospielers, durch die elegante Halle schreitet und durch die Flügeltüren auf die großen Terrassen tritt. Der Blick reicht von der Küste Sorrents über Pompeji und den Vesuv, Neapel und Ischia bis in die Ferne mit den Inseln Ventotene und Ponza; er lässt sich in diesem Haus auch vom erstaunlichsten Panoramapool der Insel aus genießen.

Wer die schönsten Zimmer des Hotels reserviert, sollte allerdings schwindelfrei sein. Sie liegen gleich unter der Hauptterrasse, 300 Meter über dem Meer: die perfekte Verbindung von Luxus und Aussicht. Kein Wunder, dass der ägyptische König Faruk in den 1950er-Jahren mit Vorliebe ins "Caesar Augustus" kam, um das Dolce Vita in vollen Zügen zu genießen - monatelang.

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