Langkawi-Archipel: Inseln der fliegenden Lemuren - DER SPIEGEL
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Langkawi-Archipel Inseln der fliegenden Lemuren

Endstation Tropenparadies: Aus Geldmangel endete die Segel-Weltreise eines Düsseldorfer Pärchens im malaysischen Langkawi-Archipel. Zwischen Palmenstränden und unberührter Natur gründeten sie einen Jachtverleih - jetzt sind ihre liebsten Kunden russische Touristengruppen.
Von Michael Lenz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die "Daddeldu" zieht leise ihre Bahnen zwischen den insgesamt 99 Inseln und Inselchen des malaysischen Langkawi-Archipels. Hoch oben am Himmel über der Segelyacht kreisen Seeadler, die Wahrzeichen der Inselgruppe, auf der Suche nach Beute. "Manchmal sehen wir auch Delphine", sagt Eva Zimmermann. Auf der "Daddeldu" ist die 48-Jährige mit ihrem Mann Gerd um die ganze Welt gesegelt.

Nun ja, fast. Bis Langkawi sind die beiden Abenteurer gekommen. Das Geld war knapp geworden. Und wie der Zufall es wollte, hatte jemand Interesse, die "Daddeldu" für einen Ausflug zu chartern. Daraus entstand nach und nach das Charterunternehmen "Blue Water Star Sailing", das im Royal Yacht Club in Langkawis Hauptstadt Kua beheimatet ist.

Als erfahrene Segler können die beiden präzise angeben, wo genau ihre Wahlheimat liegt: in der Andamansee, gut 200 Kilometer südlich von Phuket an der Einfahrt zur Meeresstraße von Malakka, 72 Kilometer entfernt vom indonesischen Sumatra. Bis zum Äquator sind es noch 800 Kilometer und nach Berlin 13.400 Kilometer. Mit einer der Expressfähren in Richtung Süden dauert die Fahrt von Langkawi nach Georgetown, das im Juli wegen seiner einzigartigen Kolonialarchitektur von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden ist, nur etwa drei Stunden.

Weiße Sandstrände unter Palmen, smaragdgrüne Reisfelder, blauklares Wasser, exotische Tiere – viele Touristen würden dem Paar bestätigen, dass Lankawi ein tropisches Paradies ist. Mit dem Kanu durch Mangrovenwälder voller seltener Vögel fahren, Adler füttern in freier Natur, Trekkingtouren durch den Regenwald, ein Besuch des Geoparks oder die Begegnung mit "fliegenden Lemuren" sind nur einige der Attraktionen der Insel. Die als Lemuren bezeichneten Tiere haben allerdings nichts mit den auf Madagaskar lebenden Feuchtnasenaffen zu tun - auf Langkawi wird die Art der Malaien-Gleitflieger so bezeichnet. *

Wochenendtrip per Billigflieger

Langkawi ist für Malaysier, Singapureaner und Thais ein beliebtes Ziel für Wochenendurlaube. Von Bangkok, Kuala Lumpur oder Singapur ist man per Billigflieger für wenig Geld in ein, zwei Stunden auf der tropischen Trauminsel. Von Deutschland aus lohnt der fast 13-stündige Flug nach Malaysia natürlich nur, wenn man Zeit für einen ausgedehnten Urlaub hat. "Viele verbringen erst einen Abenteuerurlaub auf Borneo und kommen dann für acht Tage oder so zum Ausspannen und Erholen zu uns nach Langkawi", sagt Jason Kruse, Manager des kleinen "Casa del Mar" in Langkawis touristischem Epizentrum Pantai Cenang.

Von jedem der 34 Zimmer des luxuriösen Boutiquehotels ist man in einer Minute am Strand. Sanft rollen kleine Wellen auf den goldgelben Sand. "Durch die vielen kleinen Inseln haben wir hier nie richtige Brecher", sagt Kruse. Kaum hat man sein zwei Meter langes orangefarbenes Strandtuch aus kuscheliger Baumwolle auf einer der Liegen unter Palmen ausgebreitet, serviert ein Kellner einen großen Krug Zitronenwasser. Das erfrischt in der tropischen Hitze und schont die Umwelt, denn Plastikflaschen hat Kruse vom Strand verbannt. "Früher haben wir 96.000 Plastikflaschen im Jahr entsorgen müssen. Durch die Krüge sparen wir etwa 40.000 Flaschen."

Wer weniger Luxus braucht, findet viele bezahlbare Strandhotels in Pantai Cenang. Der Strand ist für alle offen, ob Rucksacktourist oder Luxusurlauber. Gute Mittelklasseherbergen mit Zimmern um die 20 Euro pro Nacht sind in dem beschaulichen Pantai Cenang der Standard. Langkawi ist eben noch nicht vom Massentourismus entdeckt, aber alle Annehmlichkeiten des 21. Jahrhunderts wie Geldautomaten, ein internationaler Flughafen, exzellente Straßen und Internet mit schnellen Verbindungen sind selbstverständlich.

Den besten Überblick über Langkawi bietet der höchste Berg der Insel, der Mat Chinchang. Hinauf geht’s vom Oriental Village aus bequem mit einer Seilbahn, die sanft über den grünen Dschungel zu den drei Aussichtsplattformen in fast gut 800 Meter gleitet. Die Aussicht reicht vom Mat Chinchang über die Wälder und Berge, die Wasserfälle, Strände, Inseln und Buchten Langkawis - bei sehr klarem Wetter bis zum thailändisch-malaysischen Festland. Nur für absolut schwindelfreie Zeitgenossen geeignet ist die Sky Bridge, eine in einem weiten Bogen gespannte, 125 Meter lange Brücke 700 Meter über dem Meeresspiegel, die an nur einem einzigen Metallmast hängt.

Seafood zu Schnäppchenpreisen

In den Fischrestaurants von Pantai Cenang sind Hummer, Krabben und frische Fische zu Preisen zu haben, für die man in deutschen Fischrestaurants kaum einen Dillstengel bekommen würde. Dank der Steuerfreiheit Langkawis sind Bier, Wein und Cocktails billig. Und das, obwohl Malaysia ein mehrheitlich islamisches Land ist. Eva Zimmermann sagt: "Die Moslems hier sind sehr nette und tolerante Menschen."

Inzwischen managen die beiden Düsseldorfer von Motorjachten bis zur Superluxusyacht "Lili Marleen" eines schwerreichen Malaysiers zwölf Boote in Langkawi. Damit können Gruppen, Einzelurlauber oder Flitterwöchler einen Tag oder auch nur ein paar Stunden durch den Archipel kreuzen.

Lieblingskunden der Zimmermanns sind Russen. "Die haben Geld ohne Ende", grinst Eva und erzählt die Geschichte von der russischen Familie, die eines der Boote über ein Luxushotel für einen Tagesausflug charterte. "Wir hatten 7000 Ringgit als Preis genannt. Das Hotel riet uns, höher zu gehen. Wir haben dann 10.000 Ringgit - knapp 2000 Euro - verlangt und das Hotel hat noch 4000 als Kommission draufgeschlagen", erinnert sie sich und erzählt lachend: "Den Russen hat die Tour richtig gut gefallen. Aber sie haben uns später gesagt, sie hätten noch am Morgen der Segelpartie überlegt, abzusagen. Der Preis sei ihnen zu niedrig vorgekommen, getreu der Annahme, was billig ist, taugt nichts."

Doch man muss kein russischer Neureicher sein, um mit den Zimmermanns auf Segeltour gehen zu können. Tagesausflüge in der Gruppe strapazieren auch das Reisebudget eines Rucksacktouristen nicht über Gebühr. Wo immer es den Gästen gefällt, stoppt Skipper Gerd die Yacht zur Badepause. Rein geht’s ins herrlich warme Wasser um eine Runde zu schwimmen. Das Urlaubsleben auf Pulau Langkawi ist eben von einer herrlichen Leichtigkeit.

*Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Angabe in einer früheren Textversion korrigiert, dass es auf Langkawi Lemuren gibt. Auf der malaysischen Insel wird allerdings eine Art der Riesengleiter so bezeichnet. SPIEGEL ONLINE bittet, diese Ungenauigkeit zu entschuldigen.