Mesa Verde: Kühler Stein und alte Mauern - DER SPIEGEL
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Mesa Verde Kühler Stein und alte Mauern

Rund 4000 Ausgrabungsstätten vermitteln im US-Nationalpark Mesa Verde einen Einblick in das Leben früher Indianerkulturen - ganz so, als wären die Steinbehausungen erst vor kurzem verlassen worden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

An einem schweißtreibenden Tag im Spätsommer ist der Nutzen der Wohnlage für jedermann sofort spürbar. Geschützt durch ein mächtiges Felsdach herrschen in der alten Indianersiedlung von Mesa Verde angenehme, fast schon kühle Temperaturen. Und auch der Blick ist vom Feinsten: Er öffnet sich weit in einen grünen Canyon, über dem Raubvögel kreisen. Die Anasazi, die Vorfahren der Pueblo-Indianer, wussten, warum sie ihre kleinen Häuser in die Bergspalten zwängten.

Der heutige Nationalpark Mesa Verde, spanisch für "grüner Tafelberg", liegt in der südwestlichen Ecke des US-Bundesstaates Colorado. In diesem Sommer entkam er gerade noch einer Katastrophe. Buschfeuer rückten nahe an die berühmten Felsenhäuser heran, konnten dann aber auch Dank aufkommenden Regens gelöscht werden.

Es wäre ein großer Verlust gewesen - nicht nur für Geschichtsforscher, sondern auch für Besucher aus aller Welt, die hier einen unvergleichlichen Eindruck in die frühen Indianerkulturen Nordamerikas erhalten. Viele der Siedlungen aus dem 12. und 13. Jahrhundert wirken, als seien sie eben erst aufgegeben worden.

Der Geist ihrer Bewohner weilt noch immer an Ort und Stelle. Mesa Verde mit seinen Felsenwohnungen, da ist sich die US-amerikanische National Geographic Society sicher, gehört zu den 50 Zielen auf dieser Erde, die man in seinem Leben einmal gesehen haben muss.

Mehr als 4000 Ausgrabungsstätten der Anasazi - der Name ist abgeleitet von dem indianischen Wort für "die Alten" - sind im Nationalpark zu sehen. Erreicht werden kann der Park über den Highway 160 zwischen den Städtchen Cortez und Mancos im US-Bundesstaat Colorado.

Die berühmteste Ruine ist sicherlich "Cliff Palace" am Chapin Mesa, mit mehr als 200 Unterkünften nahezu eine frühe Reihenhaussiedlung. Die rechteckigen Wohnräume und die für Zeremonien genutzten, kreisrunden "Kivas" sind mit großer handwerklicher Fertigkeit hochgemauert worden. Stündlich werden Führungen durch "Cliff Palace" angeboten.

In der Nähe befindet sich auch das Chapin Mesa Museum, es liefert weitere Informationen über die Kultur der Anasazi, die nach ihrer Blütezeit um 1300 plötzlich aus der Region verschwanden. Bis heute ist nicht klar, warum.

Ebenfalls sehenswert und nicht so überlaufen wie die Topattraktion ist das "Long House" am Wetherill Mesa, im westlichen Teil des Parks. Die steile Serpentinenstraße dorthin bietet wunderbare Ausblicke über das weite Land.

Das Gebiet ist benannt nach dem Cowboy Richard Wetherill, der mit seinem Kollegen Charles Mason 1888 auf der Suche nach verlorenen Rindern im dichten Schneetreiben als Erster auf "Cliff Palace" gestoßen war. Das Long House, die zweitgrößte Siedlung des Parks, ist nur während der Sommermonate zugänglich und erfordert einen kleinen, für Untrainierte etwas anstrengenden Fußmarsch.

Der rund 210 Quadratkilometer große Park lässt sich zu Fuß, besser aber noch mit dem Wagen durchqueren. Das Visitor Center hält Karten bereit. Auch werden geführte Halb- oder Ganztagestouren angeboten.

Wer in Mesa Verde übernachten möchte, kann den Morefield-Campingplatz mit 425 Zelt- und Stellplätzen aufsuchen, er liegt sechs Kilometer hinter dem Parkeingang. Von Mitte April bis Ende Oktober hat die Far View Lodge geöffnet, sie ist das einzige, schlichte Hotel. Der Park selbst ist ganzjährig zugänglich, der Eintritt kostet zehn US-Dollar pro Auto.

Frank Rumpf, gms