Mit der Sonne durch Jordanien Schulunterricht mal anders
In Amman müssen wir die Weichen stellen und überlegen, in welche Richtung wir weiterfahren können. Die saudischen Behörden haben nun signalisiert, dass wir durchs Königreich fahren dürfen, aber erst nach dem Wochenende (das hier Freitag und Samstag ist) dürfen wir die Pässe stempeln lassen. Somit bleibt etwas Zeit, um uns auf diese Wüstenstrecke gut vorzubereiten. Dubai, unser nächstes Etappenziel, hat momentan bescheidene Temperaturen von "nur" 40 Grad Celsius. Das freut uns. Denn die einzige Aircondition auf dieser 3000 Kilometer langen Strecke werden offene Türen und kalte Wickel um den Kopf sein. Und vielleicht mal ein tiefgekühltes Hotel für die Nacht.
Unsere Solarzellen auf dem Anhänger liefern momentan etwas weniger Strom als noch in der Türkei, trotz des wolkenlosen Himmels. Dies liegt an der zunehmend kürzeren Sonnenscheindauer hier im Süden. Heute werfe ich wieder mal einen Blick auf unser Stromkonto. Trotz des miserablen Sommerwetters daheim wurden bisher von der Solaranlage auf dem Dach des Swisscom-Gebäudes in der Schweiz über 1271 kWh fürs Solartaxi ins öffentliche Netz eingespeist, von denen wir bisher gut 370 kWh übers Netz in die Batterie geladen haben. Unsere Energiebilanz stimmt.
Kampagne für Solarkollektoren
Damit auch Jordaniens Umweltbilanz stimmt, hat uns der jordanische Umweltminister Khalil Irani gestern eingeladen. Ihn interessiert das Einspeisungsgesetz, wie es in Deutschland schon seit dem Jahr 2000 funktioniert und nun in über 30 Ländern übernommen wurde. Er möchte, dass jeder Jordanier Solarzellen auf dem Dach installieren kann und dafür mehr Geld erhält, als der Stromkonzern momentan zu zahlen bereit ist. Thomas erklärt ihm, dass dies über einen allgemeinen Aufschlag von etwa 0,8 Cents pro kWh auf dem Strompreis bezahlbar wäre.
Irani erzählt uns, dass hier in Jordanien erst 14 Prozent der Häuser Warmwasser mit Solarkollektoren herstellen. Als wir ihn nach den Kosten fragen, ruft er schnell seine Mutter vom Handy aus an. Denn sie habe erst kürzlich eine Anlage auf dem Dach installiert. Als wir erfahren, dass die Kollektoren mitsamt Warmwassertank 400 Euro kosten, ist schnell ausgerechnet, dass sich so eine Anlage unter der jordanischen Sonne bereits in einem Jahr, spätestens in zwei Jahren, amortisiert hat! Der Umweltminister fasst zusammen: "Die Technologie ist da, aber die Leute wissen nicht, dass sie mit herkömmlicher Ölheizung sehr viel Geld verschwenden. Wir machen nun eine Kampagne, um die Öffentlichkeit für die solare Warmwasserheizung zu sensibilisieren."
Seit Deutschland haben wir keine Schule mehr besuchen können, denn überall waren Sommerferien. Hier in Jordanien hat die Schule am vergangenen Mittwoch wieder begonnen, und so besuchen wir die katholische Rosary-Schule, die ihre Aula gleich mit 200 Schülern füllt, die von uns Fremden mit diesem komischen Auto wissen möchten, wie es denn funktioniert. Die Schüler folgen unserem Vortrag und der anschließenden Fahrdemonstration gebannt. Es ist mucksmäuschenstill, und die Zuhörer stellen am Schluss interessante Fragen, zum Beispiel, ob wir denn auch ein viersitziges Solarauto bauen könnten. Auf meine Bemerkung hin, das Fahrzeug sei so leicht zu fahren, dass es selbst Kinder fahren könnten, meldeten sich gleich zahlreiche Freiwillige, die ich aber zugunsten der Intaktheit meiner Karosserie leider enttäuschen musste.
Teamwechsel: Rudi und Sören statt Heinz und Katja
Heinz und Katja haben hier in Amman das Flugzeug bestiegen und sind wieder nach Hause geflogen. Dafür sind gestern Rudi und Sören pünktlich angekommen, um das Team zu vervollständigen. Nein, nicht per Flugzeug. Die beiden sind mit einem alten Mercedes, Baujahr 1981, unterwegs vom Nordkap nach Australien und haben in einem 72-stündigen Höllenritt die Strecke von Luzern nach Amman hinter sich gebracht, ohne auch nur einmal den Motor auszuschalten, außer natürlich beim Tanken. Sören ist ein Anhalter, der eigentlich in Finnland nur ein paar Stunden mitfahren wollte und bislang einfach noch nicht ausgestiegen ist. Er freut sich und kann es kaum glauben, wohin es ihn verschlagen hat.
Die letzten beiden Tage in Jordanien werden wir in den Nationalparks im Süden und in Petra verbringen.