Montréal: Metropole am Sankt-Lorenz-Strom - DER SPIEGEL
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Montréal Metropole am Sankt-Lorenz-Strom

In Montréal, der zweitgrößten frankophonen Stadt der Welt, bestimmt die französische Sprache das öffentliche Leben und die lebendige Kulturszene. Die Bewohner sind vor allem im Sommer in Feierlaune.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Trotz einer restriktiven Sprach-Gesetzgebung, zum Beispiel dürfen Geschäfte und öffentliche Einrichtungen keine englischsprachigen Namen tragen, entsteht durch das Miteinander von anglophonen und frankophonen Einwohnern Montréals eine für nordamerikanische Verhältnisse besonders angenehme Atmosphäre.

Besonders im Sommer zeigen sich die Montréaler in Feierlaune. Beim internationalen Jazz-Festival und beim zweisprachigen Comedy-Spektakel "Juste Pour Rire - Just For Laughs" drängen sich Hunderttausende in den Straßen der Innenstadt. Auch Besucher mit einem schmalen Geldbeutel kommen nicht zu kurz - eine Vielzahl der Shows findet kostenlos auf Bühnen im Freien statt.

Einen angenehm beruhigenden Blick auf das Treiben in der Stadt bietet sich vom 233 Meter hohen Mont-Royal, einem erloschenen Vulkan, der sich als grüne Oase am Nordrand des Zentrums erhebt. Neben den Hochhäusern des Finanzbezirks sind von der Aussichtsplattform am Chalet du Mont-Royal der breite Sankt-Lorenz-Strom, die Hafenanlagen und die zahllosen Kirchen der Stadt zu sehen.

Den besonderen Charakter Montréals und einen Teil seiner 350-jährigen Geschichte können Besucher am besten in der zum großen Teil aus dem 18. Jahrhundert stammenden Altstadt erleben. In den kleinen Steinhäusern von Vieux-Montréal , oder "le Vieux", wie die Einheimischen sagen, haben sich zahllose kleine Geschäfte, Boutiquen, Cafés und Restaurants einquartiert. Von der zentralen Place Jaques Cartier unweit des Rathauses, des Hôtel de Ville, führen kleine Gässchen mit Straßenmusikern und -malern in die architektonische Vergangenheit Montreals.

Nur wenige Schritte entfernt liegt der Alte Hafen , dessen vier Quais seit einigen Jahren nach und nach in einen Erholungspark umgestaltet werden. Neueste Attraktion in diesem Jahr ist das iSci-Center , eine interaktive Wissenschaftsausstellung auf knapp 20.000 Quadratmetern, die in einer umgebauten Lagerhalle untergebracht ist.

Am Nord-Ende des alten Hafens lohnt ein Besuch des 1922 erbauten Uhrturms. Er bietet einen schönen Blick auf die angrenzenden Inseln im Sankt-Lorenz-Strom, den Parc des Îles. Zuvor müssen allerdings 192 Stufen überwunden werden.

Auf der Île Sainte-Hélène und auf der Île Notre-Dame, die größtenteils künstlich angelegt wurden, fand 1967 die Weltausstellung statt. In den Parkanlagen auf den Inseln finden sich noch heute Überreste der Expo, etwa die kugelförmige Struktur des amerikanischen Pavillons. Im Inneren der Stahlkonstruktion von Buckminster Fuller befindet sich heute ein Umweltinformationszentrum, die Biosphère. Ein weiteres Muss für Montréal-Touristen ist der Olympiapark , der den Rahmen für die Spiele von 1976 bot.

Im 80.000 Besucher fassenden Stadion, auch "Big O" genannt, spielen heute Baseball- und Football-Profiteams. Das Olympiagelände kann man heute auch vom schiefen Olympiaturm beobachten, der wegen Finanzproblemen allerdings erst zehn Jahre nach den Spielen fertig gestellt wurde.

Vom Olympiagelände aus führt die Autoroute 40 nach Québec City. Knapp drei Stunden dauert die Fahrt auf der vierspurigen Straße. Auf halber Strecke lohnt ein kurzer Zwischenstopp im industriell geprägten Trois-Rivières. Neben der kleinen, aber hübschen Altstadt ist vor allem die Eisenhütte Forges du Saint-Maurice bemerkenswert, die 1730 als erste große Anlage zur Eisengewinnung in Nordamerika errichtet wurde.

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