Mosambik Robinson-Crusoe-Insel mit Internetanschluss
Quilálea - Quilálea könnte eine jener Südseeinseln sein, von denen Schlechtwetter-geplagte Europäer so gerne träumen: weißer Sandstrand, blauer Himmel, wiegende Palmen, klares Wasser, bunte Fische. Doch Quilálea liegt nicht in der Südsee, sondern vor Mosambiks Nordostküste, in einem der artenreichsten Gewässer der Welt. Das Eiland im Quirimbas-Archipel ist das neueste Juwel in der noch jungen Tourismusindustrie des einstigen Bürgerkriegslandes, das zehn Jahre nach Friedensschluss mit weitgehend unberührten Naturparadiesen lockt. Nach Jahrzehnten der Isolation poliert das Land am Indischen Ozean an seinem verblassten Image als einem der interessantesten Tourismusziele im südlichen Afrika.
Quilálea stellt die Top-Klasse einer Entwicklung dar, die Mosambik bisher fast nur zwei Arten von Urlaubern bescherte: Rucksacktouristen und Luxus-Reisende, für die das Beste gerade gut genug ist. Beide teilen sich bislang die Naturschönheiten des Küstenstaates, der mit seiner 2500 Kilometer langen Küste, idyllischen Buchten, einsamen Inseln und Korallenriffen ein interessantes Ziel für Taucher, Schnorchler, Sonnenanbeter, Abenteurer und Weltenbummler ist.
Die 35 Hektar große und Malaria-freie Privatinsel Quilálea ist bis auf das Hotelpersonal unbewohnt und vermittelt Robinson-Crusoe-Atmosphäre mit Internet-Anschluss und Satellitentelefon. Bei Übernachtungspreisen ab 450 US-Dollar (460 Euro) pro Person werden den Gästen in den neun Villen alle Annehmlichkeiten geboten, die ein moderner Robinson so braucht - Champagner allerdings exklusive.
Exotik und Historie liegen vor der Haustür für den, der die Unterwasserwelt bereits ausgiebig erforscht hat. Arabische Händler, die afrikanische Bevölkerung und die portugiesischen Kolonialherren haben der Nachbarinsel Ibo und der vorgelagerten Hafenstadt Pemba mit ihrer Hotel-Infrastruktur kulturell und architektonisch ihren Stempel aufgedrückt.
Auch die Deutschen, die im Ersten Weltkrieg aus ihrer benachbarten Kolonie Deutsch-Ostafrika - dem heutigen Tansania - abzogen, sind vielerorts noch präsent: auf Quiláleas Nachbarinsel Quirimbas etwa, wo die Familie Gessner zu Beginn der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts eine Kokosnuss-Plantage anlegte. Joachim Gessner, der heute die Plantage leitet, gehört der private Flugplatz, über den nicht seefeste Urlauber per Flugzeug nach Quilálea einschweben.
Quilálea liegt im gerade von der Regierung ausgewiesenen Nationalpark Quirimbas, der neben dem gleichnamigen Insel-Archipel auch Teile der Provinz Cabo Delgado mit ihren Tafelbergen umfasst. Der World Wide Fund for Nature (WWF) ist einer der Partner, die auf eine ökologisch unbedenkliche Entwicklung achten. Gleiches gilt für den 1400 Quadratkilometer großen Bazaruto-Archipel im Süden von Mosambik, der als eines der letzten Rückzugsgebiete der vom Aussterben bedrohten Dugong-Seekühe gilt. Der Archipel wird zunehmend von Südafrikanern für den Tourismus erschlossen. Hütten in Naturstein und Reet bestimmen die Architektur.
Von Johannesburg aus gehen täglich Flüge nach Vilanculos, der dem Archipel vorgelagerten Verwaltungshauptstadt. Sie galt einst als eine Art Badewanne der portugiesischen Kolonialherren. Heute berät Klaus Daweke im Auftrag des Deutschen Entwicklungsdienstes hier die kommunale Verwaltung. "Wir kriegen jetzt sogar aus den Niederlanden ein Hovercraft für bis zu 40 Passagiere, damit die Urlauber nicht mehr umständlich die kleinen Flieger für den Weg auf die Insel nehmen müssen", kündigte der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Ende September an. Seine Landsleute aus Deutschland sind bisher selten unter den Urlaubern, die über Südafrika einreisen.
So kommt gelegentlich eine Studienreisegruppe, oder es sind ein paar neugierige Studenten, die sich im Baobab-Backpacker für wenig Geld in Strandnähe einquartieren. Die meisten von ihnen sind mit schmalem Budget unterwegs und kommen per Bus aus Johannesburg. Die Überlandbusse verkehren regelmäßig, die Straßen sind schmal, aber entlang der Küste auch ohne Geländewagen durchaus befahrbar.
Unterwegs geht es an Xai-Xai vorbei, einem anderen Badeort, der in Europa zuletzt vor allem mit den verheerenden Überschwemmungen in Mosambik in den Jahren 2000 und 2001 in Verbindung gebracht wurde. Die meisten Flutschäden sind dort jedoch längst beseitigt. Auch die Hauptstadt Maputo stößt zunehmend auf Urlauber-Interesse - nicht nur wegen der schnellen Erreichbarkeit von Johannesburg aus per Straße (fünf bis sechs Stunden) oder Flugzeug (eine Flugstunde). Auch die Bahnverbindung zwischen Südafrikas Hauptstadt Pretoria und Maputo soll demnächst renoviert und dann auch für den legendären Luxuszug "Blue Train" befahrbar sein. Der historische Bahnhof der Stadt wurde noch von Eiffelturm-Erbauer Gustave Eiffel entworfen. An Unterkünften besteht in Maputo kaum Mangel: Die Palette reicht vom preiswerten Backpacker's über das neue Holiday Inn bis zum Fünf-Sterne-Hotel Polana, das der Aga Khan gerade übernahm.
Anders als in Südafrika müssen Urlauber in Mosambik allerdings an Malaria-Vorbeugung denken und ein Visum beantragen, das verhältnismäßig unproblematisch auch an der Grenze ausgestellt wird.
Von Ralf E. Krüger, gms