Mount Everest: Inderin will über Ostgrat aufsteigen - DER SPIEGEL
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Mount Everest Inderin will über Ostgrat aufsteigen

Von den 14 bekannten Wegen zum Gipfel des Mount Everest wurde einer noch nie bewältigt: der riskante Aufstieg über den Ostgrat. Eine indische Bergsteigerin will das nun ändern.
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Neu-Delhi - Santosh Yadav hat den Mount Everest als weltweit einzige Frau schon zwei Mal bestiegen, doch jetzt steht sie vor einer noch größeren Herausforderung. Zusammen mit elf Kameraden will die Inderin den Gipfel in 8798 Meter Höhe über einen noch unerforschten Weg erreichen - über den Ostgrat. Vom Basislager aus schlagen die Bergsteiger Nägel in die Wände und befestigen Sicherungsseile; am kommenden Samstag will die Gruppe auf dem Gipfel stehen.

Jeden Tag diskutieren die drei Frauen und neun Männer nach dem Abendessen ihre Fortschritte und planen das weitere Vorgehen, mit dem sie Geschichte machen wollen. Seit George Mallory und Andrew Irvine 1924 erstmals versuchten, den Mount Everest zu besteigen, haben Bergsteiger den Ostgrat als eine nur in Gedanken vorstellbare Route beschrieben, die nicht zu bewältigen sei.

Tatsächlich haben Yadav und ihr Team schon mit einigen Rückschlägen fertig werden müssen. So begrub am 20. April eine Lawine in rund 6100 Meter Höhe zwei Mitglieder der Gruppe unter sich; beide wurden gerettet. Einen Tag später riss eine weitere Lawine fünf Seile aus der Wand, die zuvor in stundenlanger Arbeit befestigt worden waren.

"Das Fragezeichen ist immer da", gibt Yadav zu. "Aber da ist diese innere Stimme, die sagt: Wir können es schaffen." Die 33-jährige Bergsteigerin weiß, wovon sie spricht. Sie führte bereits 1999 eine Expedition über den Kangshung-Gletscher zum Gipfel. Es war erst die vierte Gruppe, die den Aufstieg auf diesem Weg erfolgreich bewältigte.

Die jetzt eingeschlagene Route ist jedoch weit schwieriger: das Gebiet ist unbekannt, die Hänge fast vertikal, lose Felsbrocken und Lawinen könnten für die Kletterer zu einer tödlichen Gefahr werden. Angesichts breiter Gletscherspalten muss die Gruppe Leitern mit hinaufnehmen. Die Felsvorsprünge sind auf dem Ostgrat zu schmal, um nachts ein Lager aufzuschlagen.

"Wir wussten, dass es schwierig sein würde, aber es kann klappen", sagt Yadav. "Der Berg macht mich stark." Schon in ihrer Heimat hat sie viele Regeln gebrochen. Sie ging als erste Frau ihrer Familie auf die Universität und wählte ihren Ehemann selbst aus. Yadav hat schon zahlreiche Berge bezwungen, den Saser Kangri, Mount White Needle, Abi Gamin und den Fujiyama in Japan, aber der Ostgrat ist für sie etwas Besonderes. "Er ist die größte Herausforderung für alle Bergsteiger", erklärt sie. "Wenn es gelingt, ist das eine einzigartige Errungenschaft."

Die Gruppe um Yadav ist nicht die einzige, die auf dem Mount Everest um Rekorde bemüht ist. Der 15-jährige Sherpa Temba Tsheri versucht zum zweiten Mal, als jüngster Mensch den Gipfel zu erreichen. Im vergangenen Jahr froren ihm bei seinem ersten Versuch fünf Finger ab. Eric Weihenmeyer aus dem US-Staat Colorado will als erster Blinder den Mount Everest besteigen, während Eric Simonson und sein Team das Rätsel lösen wollen, wer als erster den höchsten Berg der Welt bezwang. Noch immer ist nicht klar, ob Mallory und Irvine 1924 den Gipfel erreichten - 29 Jahre bevor Edmund Hillary und Sherpa Tenzing Norgay im Mai 1953 das Dach der Welt bestiegen.

Von Hema Shukla, AP