Nach US-Anschlägen Terroropfer Karibik
Mexiko-Stadt - Die südlichen Nachbarn der USA bekommen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September bereits zu spüren. Betroffen ist vor allem der Tourismus. In Mexiko, Mittelamerika und vor allem in der Karibik wurden in den vergangenen zwei Wochen angesichts der zeitweiligen Unterbrechung des Flugverkehrs und einer neu erwachten Angst vorm Fliegen tausende Reservierungen storniert.
Die mexikanischen Badeorte am Pazifik und an der Karibik wurden von der Stornierungswelle zwar in der Nebensaison erwischt, die Rückgänge sind aber immer noch erheblich. In Baja California dürfte sich die Auslastung im September nach Auskunft der Hoteliersvereinigung von Los Cabos auf 20 Prozent halbieren. Im Pazifikbadeort Puerto Vallarta ging die Gästezahl nach Zeitungsberichten um 32 Prozent zurück, in Cancun an der Karibikküste um 14 Prozent.
Traditionell kommen gut 80 Prozent der jährlich 20 Millionen Touristen in Mexiko aus den USA. Trotz der dortigen wirtschaftlichen Abkühlung war die Besucherzahl im ersten Halbjahr 2001 nach Angaben des Tourismusministeriums noch um ein Prozent gestiegen. Das Ministerium empfiehlt jetzt US-Bürgern die Anreise per Auto als Alternative zum Fliegen und will noch stärker in Europa und Lateinamerika um Besucher werben.
Relativ stärker vom Tourismus abhängig und daher von den Ereignissen in den USA noch härter getroffen als Mexiko sind viele kleine Karibikinseln. Die karibische Staatengemeinschaft Caricom plant für Oktober einen Krisengipfel, um über die Folgen der Attentate vom 11. September zu beraten. Auf St. Lucia - mit ihren 150.000 Einwohnern - beispielsweise fürchten die Verantwortlichen für die Wintersaison ein Desaster. Es gebe kaum neue Buchungen, weil die Menschen Angst hätten vor dem Fliegen, heiß es.
Die Politiker der Karibik wollen jetzt das Ausland darauf aufmerksam machen, dass ihre Region eigentlich eine recht friedliche Weltgegend sei. "Wir verstehen, dass die Leute Angst haben zu reisen. Wir sehen dies als ausgezeichnete Gelegenheit, Dominica als sicheren Ort hervorzuheben", sagte der Tourismusminister der Insel Dominica (75.000 Einwohner), Charles Savarin. Ähnlich sieht es die Regierung des mittelamerikanischen Staates Costa Rica. Sein Land sei "ein Garten des Friedens", versicherte Tourismusminister Walter Niehaus.