Namibia: Camp-Hopping mit Cessna - DER SPIEGEL
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Namibia Camp-Hopping mit Cessna

So viel Landschaft und so viele Tiere in so kurzer Zeit wie möglich - auf einer Flugsafari kein Problem. Mit einer kleinen Cessna fliegen eilige Naturtouristen von Camp zu Camp, gehen vor- und nachmittags auf die Pirsch und dazwischen zum Relaxen an den Pool. Eine Luxustour im Nordwesten Namibias.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Windhoek - In der Senke des fast ausgetrockneten Flussbetts ist ein leises Rascheln im Gebüsch zu vernehmen. Der Springbock neben dem Strauch hebt kurz den Kopf, beschließt aber, sich beim Trinken nicht stören zu lassen. Zu sehen ist schließlich nichts. Doch plötzlich schießt ein gewaltiger Schatten mit Mähne aus dem Busch, der den überraschten Bock packt und hinter den Strauch zerrt. Ein lautes Brüllen, ein kurzes Knacken, dann ist es still, abgesehen von gelegentlichen Schmatzgeräuschen. Begegnungen mit Löwen können heftig sein in Namibia. Nicht nur für Springböcke.

Auch der Touristengruppe im Safari-Jeep, die zufällig Zeuge dieser Szene geworden war, ist der Schrecken in die Glieder gefahren. Für Gesprächsstoff abends im "Palmwag Rhino Camp" mitten in der trockenen Savanne des Damaralands im Norden Namibias ist jedenfalls gesorgt. Die Gegend ist nicht nur die Heimat hungriger Raubkatzen, sondern zugleich das Revier der seltenen Spitzmaul-Nashörner. Gut 100 dieser Zweitonner gibt es heute im Damaraland, vor zwei Jahrzehnten wurden keine 40 mehr gezählt. Wilderer hatten die einst üppige Population über Jahrzehnte dezimiert. Seit sie im Auftrag des Save-the-Rhino-Trusts vor Wilderern beschützt werden, geht es mit der Dickhäutertruppe wieder aufwärts.

Tiergeschichten am Lagerfeuer

Sehr zur Freude der Gäste. Gleich am folgenden Morgen, nach stundenlanger Jeep-Safari durch den Busch, vorbei an Buschhühnern und Zebras, Giraffen und Kudus, taucht auf einem Hügel über der Piste unvermittelt ein Nashorn auf - leider nur kurz. Wahrscheinlich stand der Wind ungünstig, meint Chris, der Guide. Denn die Kolosse sehen zwar sehr schlecht, können dafür aber umso besser riechen.

Der Kunene-Fluss an der Grenze zu Angola ist das nächste Ziel der Flug-Rundreise. Flug-Safaris sind die beste Art, so viel Namibia und so viele Tiere in so kurzer Zeit wie möglich zu sehen. Man fliegt mit einer kleinen Cessna von Ort zu Ort, übernachtet jeweils ein paar Tage in einem Camp und verbringt Vor- und Nachmittage mit ausgedehnten Pirschfahrten durchs Gelände. Dazwischen ist Zeit zum Relaxen am Pool oder in der Hängematte, für Lunch und Dinner in großer Runde, für Tiergeschichten am Lagerfeuer.

"Serra Cafema Camp" am Kunene

Am Kunene-Fluss liegt das "Serra Cafema Camp". Im Süden ist nichts als unendliche gelbe Sanddünen: Namibia, im Norden nichts als schroffe braune Felsen: Angola. Dazwischen lieg ein grüner Fluss mit dichtem Buschwerk am Südufer, in dem die sieben urigen Chalets des Camps versteckt sind, ein jedes ausgerüstet mit Himmelbett, Diwan, Moskitonetz und Panoramafensterfront mit Blick auf den Fluss, in dem dicke Baumstämme zu treiben scheinen. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sie sich als Krokodile, weshalb ein Bad im Fluss nicht wirklich zu empfehlen ist.

Zum Baden gibt es einen Pool, zum Relaxen eine Lounge mit Strohdach, Kamin, Bar und zentralem Esstisch, um den sich abends Gäste und Guides zum Dinner versammeln. Und zum Austausch von Geschichten, die hier einmal nicht um wilde Tiere kreisen, sondern um die Himbas. Sie sind eines der letzten Nomadenvölker Afrikas, das zu beiden Seiten des Kunene weitgehend noch so lebt wie vor Jahrhunderten. Die Männer kümmern sich ums Vieh, die Frauen um Haushalt, Kinder und die paar Touristen, die ihnen begegnen.

Nomadenvolk der Himba

Rings um das Camp gibt es einige Himba-Dörfer, die zeitweilig bewohnt werden. Ihre Hütten bauen sie in Iglu-Form aus Ästen und Kuhfladen. In der Dorfmitte wird Nacht für Nacht das Vieh zusammengetrieben, hinter einen Zaun aus spitzen Holzpfeilen, der es vor Raubkatzen schützen soll. Die Himbas kleiden sich traditionell. Sie laufen barfuß und barbusig durch die Wüste. Ein Lendenschurz ist oft das einzige Kleidungsstück, das sie tragen. Dazu kommt Schmuck aus Ziegenohren und Knochen.

Sobald sich ein Safari-Jeep mit Touristen nähert, kommt Leben ins Dorf: Auf Decken werden Schnitzereien aus Holz und Schmuckstücke aus Straußeneierschale ausgebreitet, und lautstark unterbieten sich die Himba-Damen mit ihren Preisen, denn die Vorzüge des Bargelds weiß man inzwischen auch hier zu schätzen.

Das Siedlungsgebiet der Himbas wird im Süden begrenzt durch den Etosha-Nationalpark. "Etosha" bedeutet in der Buschmann-Sprache "der große weiße Platz", was sich auf die Etosha-Pfanne bezieht, jenen ausgetrockneten Salzsee in der Mitte des Parks, der einer der schönsten und artenreichsten Afrikas ist. Und einer der größten: Mit 22.270 Quadratkilometern ist er halb so groß wie die Schweiz.

Mickriger Holzzaun vor tierischem Treiben

Wer will, kann im Park wohnen, in einem der drei staatlichen Camps. Rundherum gibt es einige deutlich luxuriösere, aber auch deutlich teurere Camps, beispielsweise "Ongava", das direkt jenseits des Südtors liegt und über eine eigene Landebahn verfügt. Wer hier wohnt, muss nicht stundenlang auf Safari im Park gehen, um wilde Vierbeiner zu sehen. Man betreibt hier einfach Tier-Fernsehen vor Ort. Denn das "Ongava Tented Camp" ist dank eines nahe gelegenen Wasserlochs ein beliebtes Ziel der einheimischen Tierwelt.

Von morgens bis abends geben sich Kudus und Antilopen, Zebras und Impalas keine 30 Meter von der Camp-Terrasse entfernt ein Stelldichein. Hin und wieder ist auch ein Nashorn unter den Besuchern, manchmal gar ein Löwe. Spannend ist der Ort nicht nur auf Grund der Artenvielfalt, sondern vor allem wegen der Tatsache, dass man nur durch einen mickrigen Holzzaun vom tierischen Treiben getrennt ist.

1500 Elefanten sollen im Etosha-Park leben. Trotzdem ist es nicht einfach, welche zu Gesicht zu bekommen. Stundenlange Jeep-Fahrten über die Pisten sind die Regel, bevor sich einer von ihnen blicken lässt. Erste Hinweise sind frische Elefantenhaufen: Auf der Straße dampft im Abstand von 20, 30 Metern einer neben dem anderen. Keine fünf Minuten später ist ein stattlicher Elefantenbulle zu sehen, neben sich zwei Elefantenkühe und ein Baby - reichlich Stoff für die nächste Tiergeschichten-Runde am abendlichen Lagerfeuer.

Von Gregor Garbassen, gms