Puerto Vallarta Seilakrobatik durch Baumkronen
Puerto Vallarta - Die Luft in Puerto Vallarta an Mexikos Pazifikküste riecht nach Seetang. Durch die Banderas-Bucht kreuzt eine Piratenkogge unter voller Takelage, ein Kreuzfahrtschiff steuert gerade den Hafen an. Vor 40 Jahren war Puerto Vallarta ein verschlafener Fischerort. Doch dann begannen hier die Dreharbeiten für den Film "The Night of the Iguana" ("Die Nacht des Iguanas"), die Elizabeth Taylor, Richard Burton und etliche Journalisten ins Land brachten - und das Nest aus dem Dornröschenschlaf weckten.
Burton und Taylor verliebten sich in das Fischerdorf in der Sierra Madre, kauften sich dort ein Haus und gingen hier oft allein oder mit Freunden auf Tauchstation. "Villa Kimberly", das Haus der Stars, liegt in der Altstadt und steht heute Besuchern offen. Puerto Vallarta hat nichts mehr von der Verschlafenheit früherer Tage, der Ort ist nach Acapulco der am häufigsten von in- und ausländischen Touristen frequentierte Badeort an der mexikanischen Pazifikküste. Jährlich besuchen rund zwei Millionen Gäste die breiten, kilometerlangen Sandstrände.
Die Altstadt mit holperigem Kopfsteinpflaster und Häusern im spanischen Kolonialstil hat dennoch ihren Charakter bewahrt. Die Boutiquen und Kunstgalerien dort sind eine Fundgrube für Mitbringsel, noch mehr Schmuck, Stickereien, Tonwaren, Masken aus Papiermaché findet man auf dem Markt am Cuale-Fluss. Vom Markt bis zur Kirche der Heiligen Guadelupe ist es nur ein Katzensprung. Jedes Jahr wird hier vom 1. bis 12. Dezember das Fest der Schirmherrin Mexikos mit täglichen Prozessionen gefeiert.
Während morgens die Kinder in weißen Schuluniformen die Gasse zur Kirche mit Geschenken für die Heilige Guadelupe hinunterschreiten, folgen die Erwachsene in Kleidung aus ungebleichter Baumwolle mit bunten Stickereien am Spätnachmittag. Sie werden von jungen Männern begleitet, die in phantasievollen Azteken-Masken die Kirchenstufen hinauftanzen. Wie oft in Lateinamerika bestehen auch hier katholisches Ritual und indianische Riten nebeneinander.
Die Jugendlichen verweilen nach dem Kirchbesuch auf den Stufen und dem Vorplatz der Kirche und flanieren dann durch die Straßen. Familien mit Kindern laben sich währenddessen an langen Tischen, die auf dem Kopfsteinpflaster vor der Kirche aufgebaut sind.
Im Süden der Banderasbucht liegen abgelegene Fischerdörfer zwischen Bergen und Meer: Per Boot gelangen neugierige Touristen nach Las Animas, Yelapa und La Caletas, der vormalige Alterssitz von Hollywood-Regisseur John Huston. Die Fähren laufen vom Bootsteg am Playa Los Muertos zwischen 10 und 11 Uhr aus. Die Häuser an der gebirgigen Küste wirken wie Vogelnester, die an den Felsen kleben.
Während an den Felsen von Los Arcos eine Gruppe Wassersportler abgesetzt wird, die sich kurz darauf mit Flossen und Masken bewaffnet in die Fluten stürzt, schippert das Ausflugsboot bei kräftigem Gegenwind weiter zu der von Bergen umzingelten Bucht von Yelapa. Die Häuser des Fischerdorfs kann man an den Fingern abzählen. Dazu kommen ein paar Boote, eine Lagune, eine breite Landzunge mit zwei Hotels, eins davon mit strohgedeckten Maya-Hütten, einige einfache Restaurants - das ist es auch schon. Die meisten Ausflügler wandern zum 20 Minuten entfernten Wasserfall, andere genießen das Nichtstun am Strand.
Abwechslung dazu bietet eine "Baumkronentour" im Regenwald. Wie sich schnell herausstellt, sind die meisten Teilnehmer mehr am abenteuerlichen Teil der Unternehmung als an Fauna und Flora interessiert. Wie Fallschirmspringer werden die Teilnehmer in Gurte geschnallt, die Taille und Oberschenkel umspannen. Dann geht es durch den Regenwald bergauf, bis zuletzt eine fünf Meter hohe Plattform zu erklimmen ist, die sich wie ein Halsband um einen Baum schmiegt.
Nach den letzten Instruktionen über Sicherheit und Technik gibt es kein Zurück mehr: Der "Gleiter" flitzt über ein dickes Stahlkabel, gewinnt an Fahrt und fliegt durch die Baumkronen auf die nächste Plattform zu, wo ein anderer Urwaldführer das Signal zum Bremsen gibt. Wer nicht genug Fahrt bekommt oder zu früh bremst, muss sich aus eigener Kraft auf die Landeplattform hochziehen.
Der Flug durch die Wipfel lässt den Adrenalinpegel steigen, vor allem auf den letzten beiden Strecken, den längsten und abenteuerlichsten. Hoch in den Lüften wird der tief im Tal liegende Gebirgsfluss überquert - auf eine Felswand zusausend. Kurz vor dem Felsvorsprung, der die Plattform bildet, wird hart mit den Handgriffen gebremst. Dann geht es schon zur nächsten Felsplattform weiter. Die Fahrt folgt dem Fluss immer bergab - bis die Teilnehmer der "Baumkronentour" schließlich am Ausgangspunkt zurück sind.
Von Frauke de Looper, gms