Reisehorror Dollars wechselten die Besitzer
Der Flug nach Bogotá verlief reibungslos. Nach zwölf Stunden freuten wir uns aber auf den kurzen Anschlussflug nach Cartagena. In der kolumbianischen Hauptstadt gelandet, gingen wir mit unseren vorab in Deutschland rückbestätigten Flugtickets an den Schalter der nationalen Fluggesellschaft, um uns für den Weiterflug einzuchecken.
Die Schlange war etwa 50 Meter lang und die Abflughalle war ungefähr so voll wie ein Wies'nzelt nach dem Anstich. Als ich mich über Gepäckwagen, Kleinkinder und Großfamilien hinweg zum Schalter durchgekämpft hatte, wurde noch etwas klar: dass die Maschine zwar fliegen würde, nicht aber mit uns. Eine Angestellte der Fluggesellschaft erklärte mir vielmehr, dass unsere Buchungen nicht existierten. Hinweise auf die Faxe und Bestätigungen zeitigten nur ein Schulterzucken zur Folge.
Während der längeren Verhandlungen wechselten einige Dollarnoten die Besitzer, immerhin wurden wir so noch am späten Abend in die letzte Maschine nach Cartagena gebucht und kamen - nach einem turbulenten Flug in einer heruntergekommenen DC 10 - gegen ein Uhr nachts an. Cartagena ist um diese Uhrzeit ziemlich leer, ziemlich dunkel, und das Hotel, das wir aus München gebucht hatten, sah zwar im Internet gut aus, aber auf den kleinen grob aufgelösten Bilder muss ich die Kakerlaken wohl übersehen haben, die uns überfielen, nachdem uns der Nachtportier eingecheckt hatte.
Am Rückflugtag standen wir wieder am Flughafen und warteten auf den Aufruf unserer Maschine. Und warteten. Und warteten. Und warteten noch etwas länger. Schließlich erfuhren wir: Eine Sportmaschine war auf der einzigen Landebahn des Flughafens verunglückt, und lag mit gebrochenem Fahrwerk auf der Bahn. Der Treibstoff musste zuerst abgepumpt werden, bevor das Flugzeug geborgen werden konnte.
Unglücklicherweise war der Fahrer des Pumpwagens nicht auffindbar. Aus diesem Grund mussten alle Maschinen, auch unsere, auf einen 50 Kilometer entfernten Flughafen umgeleitet werden. Man werde das Problem schnell in den Griff bekommen, und alle Anschlussflüge würden bequem erreicht werden, wurde uns versichert. Nun wurden die bereits eingecheckten Koffer wieder ausgeladen und drei Busse bereitgestellt, mit denen man die Passagiere von drei Maschinen zum Ausweichflughafen bringen sollte.
Die Busfahrt zu dem Ausweichflughafen war eine ganz eigene Erfahrung, selbst die Hartgesotteneren unter uns hatten während der Fahrt nicht immer die Ruhe weg: Die Busfahrer überholten sich abwechselnd - auf einer schmalen Landstraße, auf der neben Autos auch Eselskarren unterwegs waren.
Als wir nach zwei Stunden den Ausweichflughafen erreichten, war zu erfahren, dass während unserer Busfahrt das Benzin aus dem verunglückten Sportflugzeug abgepumpt worden war, die Landebahn geräumt und bis auf eine einzige Maschine alle anderen vom Ausweichflughafen weg wieder nach Cartagena umgeleitet worden waren.
Hier hingegen regierte jetzt das Recht des Stärkeren: "Schnell sein" war plötzlich gefragt, Bordkarten hatte zwar niemand, stattdessen aber das Gepäck in der Hand - man rannte zu dem Flugsteig, an dem die einzige noch verfügbare Maschine stand. Wir rannten über das Rollfeld, schleuderten förmlich dem Ladepersonal die Koffer entgegen und stiegen die Treppen in die Maschine hoch. Die Hälfte der Passagiere fand freilich keinen Platz und musste wieder aussteigen.
Das Ende der Geschichte: Der Flug nach Bogotá verlief reibungslos, doch die Maschine nach Europa war bereits weg. So kamen wir zu einem Aufenthalt in Bogotá - auf Kosten der Fluggesellschaft. Das Goldmuseum ist übrigens wunderschön.