Rocky Mountains: Der "beste Schnee der Welt" - DER SPIEGEL
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Rocky Mountains Der "beste Schnee der Welt"

Kaum irgendwo sonst ist der Schnee so pulvrig, so leicht und so trocken wie in den Wasatch Mountains, einem Westausläufer der Rocky Mountains. Stolz preisen die Einwohner die Winterpracht auf den Nummernschildern ihrer Autos als "Greatest Snow on Earth", als besten Schnee der Welt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Meterhoch türmt sich im Winter der Schnee im US-Bundesstaat Utah. Weil er so weich und trocken ist, können daraus zwar keine Schneemänner gebaut werden, aber er ist ein wunderbarer Stoff für die Skipisten. Die Einheimischen nennen den Schnee "Champagne Powder", was ein wenig verwundert, sind sie doch zu 70 Prozent Mormonen. Und die trinken - zumindest offiziell - weder Champagner noch anderen Alkohol.

Insgesamt gibt es in Utah 14 Wintersportorte, die als Resorts bezeichnet werden. Sie sind keine gewachsenen Siedlungen, sondern wurden fast durchweg für Touristen hochgezogen - was keineswegs ein Minuspunkt ist: Die Resorts liegen an malerischen Standorten im Gebirge, sind aber trotzdem gut erreichbar - die Entfernung zu Salt Lake City beträgt jeweils nur 45 bis 60 Autominuten. Die Skiorte verfügen außerdem über moderne und schnelle Liftanlagen und Gondeln, an denen man sehr viel seltener Schlange stehen muss als in den Alpen.

Nach mehreren Anläufen bekam Salt Lake City für dieses Jahr endlich die Olympischen Winterspiele zugesprochen. Dass Utah deshalb den kompletten Winter überlaufen sein wird, ist dennoch kaum zu befürchten, zumal nur zwei Prozent der Skipisten und Lifte des Staates für die Medaillenkämpfe reserviert sind und die Spiele ohnehin nur vom 8. bis 24. Februar dauern.

Die Region Deer Valley liegt im Schatten des 2917 Meter hohen Empire-Canyon-Gipfels. Mit strengen Bauvorschriften wurde das 1981 eröffnete Resort auf den Charme eines Tiroler Bergdorfes getrimmt. Eines der Holzhäuser sieht aus wie direkt aus Österreich eingeflogen: Das "Goldener Hirsch Inn" ist ein Imitat des 500 Jahre alten Schwesterhotels in Salzburg mit Möbeln im Alpenbarock und Personal im Dirndl. Stilvoll wohnt man auch in der "Stein Eriksen Lodge": Das skandinavisch eingerichtete Luxushotel gehört dem aus Norwegen eingewanderten gleichnamigen Riesenslalom-Olympiasieger von 1952.

Die Leser des US-Magazins "Ski" bewerteten Deer Valley mehrfach als führend, was Pistenpflege, Service und die Gourmet-Gastronomie betrifft. In den gehobenen Restaurants des Resorts werden auf den Speisekarten auch Elch und Hirsch angeboten. Uniformierte Pagen begrüßen die WIntergäste am Parkplatz oder an der Busstation und tragen mit einem Lächeln im Gesicht deren Skiausrüstung zum Hang. In Europa ist das undenkbar.

Snowboarder haben in Deer Valley Pistenverbot, die 88 Abfahrten sind allein den Skifahrern vorbehalten. Während der Winterspiele finden hier die Slalom-Rennen der Damen und Herren statt. Die schönsten Slalompisten sind jedoch nicht die präparierten Abfahrten, sondern die Espen- und Birkenwälder. Die dürren Bäume stehen so weit auseinander, dass geübte Fahrer bequem zwischen ihnen durchsausen können. Anders als in Europa ist das Fahren quer durch den Wald in Utah erlaubt, sofern nicht Lawinenwarnschilder es verbieten.

Leider gibt es in Utah - wie überall in den USA - so gut wie keine Einkehrhütten an den Pisten, sondern höchstens einen Fast-Food-Tresen im Schnee, der Cheeseburger und Cola statt Gerstelsuppe und Glühwein feilhält. Auch eine spaßige Après-Ski-Szene, wie man sie aus Europa kennt, sucht man über weite Strecken vergeblich. Fündig wird man allenfalls in Park City: Kein anderer Wintersportort in Utah hat so viele Restaurants und Bars zu bieten wie die alte Bergarbeiterstadt, deren Hauptstraße mit ihren Fassaden aus dem 19. Jahrhundert aussieht wie aus dem Wilden Westen.

Ein guter Start ist in Park City "The Claimjumper Steak House", wo saftiges Büffelsteak für saftige 30 Dollar auf der Karte steht. Für die späten Stunden sind die "No Name Bar" und "Mother Urbans Ratskeller" mit Hefeweizen im Ausschank und Live-Bands auf der Bühne Treffpunkt der Club-Szene.

Park City hat auch bei prominenten Amerikanern einen guten Ruf. Schauspieler Tom Hanks wurde hier ebenso auf den Pisten gesichtet wie Arnold Schwarzenegger und Ex-Präsident Bill Clinton. Das Skigebiet hat 100 Pisten, darunter viele leichte, aber auch schwierige mit so verheißungsvollen Namen wie "Widowmaker" (Witwenmacher). Park City gilt als Utahs Boarder-Mekka - kein Wunder also, dass hier alle olympischen Snowboard-Wettbewerbe stattfinden.

Nichts für Angsthasen ist Snowbird: In keinem Skigebiet Utahs sind die Abfahrten steiler. Selbst die als leicht eingestuften blauen Pisten sind nur etwas für Fahrer mit starken Knochen. Einen Preis für das schönste Dorf wird Snowbird dagegen sicher nicht gewinnen - mit seinen funktionalen Betonhotels ähnelt der Ort eher einer Plattenbausiedlung. Daran ändert auch das Oktoberfest nichts, das hier alljährlich mit Blasmusik und deutschem Bier gefeiert wird.

Ein weiterer Wintersportort in den Bergen bei Salt Lake City ist Solitude. Obwohl das Resort erst in jüngster Zeit aus dem Boden gestampft wurde, vermittelt es mit seinen Holzbalkons und Erkern fast europäischen Charme. Außerdem ist es, weil es so neu ist und kaum Stammgäste hat, nie überlaufen. Die Pisten sind durchweg gut präpariert und sehr gut ausgeschildert. An zwei Tagen pro Woche können die Gäste auch nach Einbruch der Dunkelheit bergab fahren, weil die Pisten dank Flutlicht fast taghell erleuchtet sind.

Und dann ist da noch Sundance. Auch wenn hier mit acht Metern pro Saison nicht der meiste Schnee fällt, gilt der Ort als glamouröseste Adresse in Utah. Das Resort im Western-Stil gehört dem Schauspieler Robert Redford, der es 1969 kaufte und mit viel Geschmack und Fingerspitzengefühl umbauen ließ.

Sundance hat nur vier Lifte und deshalb wenig Besucher. Am Abend bleibt viel Zeit für einen Abstecher in die zum Resort gehörende "Owl Bar", die garantiert die bestsortierte in Utah ist. Allein zehn Sorten Margarita und 25 Sorten Whisky stehen auf der Karte. Der Tresen ist eine Attraktion: Er ist ein Original aus Wild-West-Zeiten mit echten Einschusslöchern echter Cowboys. Und außerdem sitzt hier manchmal Mister Redford persönlich auf einem Barhocker und erholt sich von einem harten Tag auf der Piste.