Rocky Mountains Eintauchen im Champagner-Puder
Jasper - William Cornelius Van Horne erkannte schon früh das große touristische Potenzial der kanadischen Rocky Mountains: "Wenn wir die Landschaft nicht zu den Leuten bringen können, dann bringen wir die Leute eben in die Landschaft", sagte der einstige Vizepräsident der Canadian Pacific Railway und begann im späten 19. Jahrhundert mit dem Bau von Eisenbahnlinien durch den unerschlossenen Westen des Landes.
In Jasper halten auch heute noch die Züge der Transkanadischen Eisenbahn, die Toronto mit Vancouver verbindet. Kaum jemand reist indes mit dem Zug an. Die meisten Besucher mieten sich am Flughafen in Calgary einen Jeep oder nutzen die stündlichen Busverbindungen des Jasper-Banff-Connectors über den Icefields Parkway nach Jasper.
Der Icefields Parkway ist die 230 Kilometer lange Teilstrecke des Highway 93, der den Banff Nationalpark mit Jasper verbindet. Wer es eilig hat, kann die Strecke in gut drei Stunden bewältigen. Doch um die Naturschönheiten entlang der Panoramastrecke zu genießen, sollten Besucher mindestens einen vollen Tag einplanen. Schneebedeckte Nadelwälder ziehen sich vom Highway bis hinauf an die Flanken der fast 3500 Meter hohen Berge und laden immer wieder zum Fotografieren ein. Auch ein Stopp am Mount Columbia, dem mit 3747 Metern höchsten Berg Albertas, sollte nicht fehlen. Hier befindet sich das Columbia Icefield, die größte Gletscherformation südlich von Alaska.
Bergziegen, Bergschafe und Wapiti-Hirsche
Im Winter sind zwar manche Straßen zugeschneit und Pässe geschlossen, mit Langlaufskiern, Schneeschuhen, Motorschlitten oder auf organisierten Touren lässt sich die Landschaft aber dennoch erkunden. "Ohne den sommerlichen Rummel", wie Jimmy, der Busfahrer, betont. Sogar Tiere können während der kalten Jahreszeit beobachtet werden: Bergziegen, Bergschafe und die kapitalen Wapiti-Hirsche kommen in die Täler hinab, nur die Bären halten Winterschlaf.
Die Landschaft rund um Jasper hat im Winter ihren eigenen Reiz. Lake Annette und Lake Edith, Patricia und Pyramid Lake tragen dann einen dicken Eispanzer, auf dem Schlittschuhläufer ihre Runden drehen. In den Pausen gibt es heiße Schokolade oder eine Bratwurst. Über die zugefrorenen Seen gleiten aber auch die Langläufer. Insgesamt gibt es mehr als 300 Kilometer gespurte Loipen.
Eine der beliebtesten Strecken ist der 18 Kilometer lange Moab Lake Trail. Die auch für Anfänger gut geeignete Loipe weist kaum Steigungen auf, eröffnet aber immer wieder schöne Ausblicke auf die Berglandschaft. Für geübte Läufer empfiehlt sich der Evelyn Creek Loop. Auf der zwölf Kilometer langen Strecke sind einige schwierige Steigungen und Abfahrten zu meistern.
Die meisten Touristen kommen allerdings wegen der Abfahrten nach Jasper. Durchschnittlich vier Meter trockenen Schnees fallen jeden Winter, von den Kanadiern "Champagner-Puder" genannt. Marmot Basin, 20 Minuten von Jasper entfernt, besitzt 84 Pisten aller Schwierigkeitsgrade und eine Liftkapazität von 12.000 Skifahrern pro Stunde. Pisten-Rowdies kennt man hier ebenso wenig wie lärmende Après-Skihütten oder Warteschlangen an den Liften.
Ein besonderer Luxus ist das Heli-Skiing. Auf den Berggipfeln türmt sich der Schnee noch höher, und die Landschaft ist unberührt. Profis können hier durch den Tiefschnee schwungvoll zu Tal wedeln, und Anfänger, die vielleicht nicht jede Piste elegant meistern, fallen zumindest weich.
Mit dem Hundeschlitten durchs Idyll
Wer will, kann in Jasper auch eine Pferdeschlittenfahrt oder eine Hundeschlittentour buchen. Ungeduldig zerren die Tiere am Geschirr, das Startsignal "Go!" können sie kaum erwarten. Kraftvoll jagen sie dann die Bergwege entlang und versetzen Besucher in die Zeit der Trapper, als Hundeschlitten das übliche Fortbewegungsmittel waren.
Schuhe mit besonders dicken Sohlen verpasst Fremdenführer Joe den Touristen, die sich für eine Eiswanderung im Maligne Canyon angemeldet haben. "Viele bekommen bei der Wanderung durch die enge, eisbedeckte Schlucht kalte Füße. Da ist eine gute Ausrüstung besonders wichtig." Die Tour durch die tiefste Schlucht des Jasper National Park führt in ein vereistes Labyrinth. Wasserfälle sind hier zu bizarren Eissäulen erstarrt, Eis umkleidet Kalksteinwände und Höhlen. Für Profis sind die eisigen Wände ein ideales Klettergebiet.
Den Abend können Reisende in rustikalen Blockhütten verbringen, die manchmal einsam gelegen sind und dennoch Komfort bieten. Auch Marilyn Monroe hat diese Romantik am Kaminfeuer angeblich zu schätzen gewusst, als sie 1953 zu Dreharbeiten für den Film "River Of No Return" ("Fluß ohne Wiederkehr")nach Jasper kam.
Detlef Berg, gms