Samstag, 17. Mai Ruhe vor dem Gipfelsturm
Morgens um 5 Uhr steigt die Sonne über die Spitze des Pumori. Der Vollmond steht noch über einer Bergkette, während der formschöne Siebentausender erleuchtet wrid. Frank Everts, Eckhard Schmitt und Alex Eberdörfer haben keine Augen für den wunderschönen Morgen im Basislager. Auf den Altaren brennen Wachholdersträucher und verbreiten einen süßlichen Geruch über den Zelten. Die Götter sollen auch den letzten Bergsteigern, die heute aufsteigen, im Eisfall gnädig sein.
Auch die beiden Deutschen und die Schweizer gelangten ohne Probleme zu ihren Teamkameraden in das Lager 2. "Uns geht es allen gut", funkte Tom Zwahlen, der technische Leite der Expedition, ins Basislager. Morgen will das Team bis etwa um 14 Uhr ins Lager 3 aufgestiegen sein. Normalerweise ist es keine allzu lange Strecke in das dritte Hochlager auf 7300 Metern Höhe. Aber Filmen und Fotografieren kostet Zeit.
Über dem Basislager des Mount Everest liegt jetzt eine eigentümliche Stille. Die Küchen-Sherpa liegen in der Sonne oder spielen Rara, ein tibetisches Würfelspiel. Auch die letzten Bergsteiger und Kletter-Sherpa sind jetzt ausgeflogen. Die verbliebenen Basecamp-Bewohner können die Küchencrews mit links versorgen.
Die Stimmung ist im ganzen Lager zuversichtlich. Die Basecamp-Manager funken ihren Bergsteigern beruhigende Wetterdaten für die kommende Woche hoch. Es soll zwar wieder jeden Nachmittag schneien, doch der Monsun ist das noch lange nicht. Morgen soll auch ein Team der BBC ins Basecamp einrücken. Die Filmcrew will relativ schnell in Lager 2 aufsteigen, um dort für das Jubiläumsjahr Material zu drehen. Das englische Filmteam kommt spät, vielleicht zu spät. Denn Ende nächster Woche werden sich nicht mehr viele Bergsteiger über dem Eisfall tummeln.