Sankt-Lorenz-Strom II: Ursprüngliche Küsten - DER SPIEGEL
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Sankt-Lorenz-Strom II Ursprüngliche Küsten

Östlich des Ortes Tadoussac wird die Nordküste des Sankt-Lorenz-Stroms immer schroffer. Im Landesinneren wird der Wald nur von riesigen Stauseen unterbrochen. Gegenüber, am Südufer, liegt die Gaspé-Halbinsel.
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Hügelig und dünnbesiedelt - so zeigt sich die Nordküste, oder die Côte-Nord , östlich des Städtchens Tadoussac. Am Cap-de-Bon-Désir bietet der Meeressäuger-Naturpark noch einmal die Chance, einen Blick auf einen Wal zu erhaschen. Die Fahrt am Fluss entlang überrascht immer wieder durch grandiose Ausblicke. Die nächste größere Stadt ist Baie-Comeau, etwa 410 Kilometer von Québec City entfernt.

Einige Kilometer vor Baie-Comeau lohnt ein Abstecher zum Staudammkomplex Manic-Outardes  der Elektrogesellschaft Hydro Québec. Die Straße 389, angelegt für den Bau der Staudämme führt 200 Kilometer ins Landesinnere, zu den Dämmen Manic Deux, Trois und Cinq - Manic Quatre wurde nie gebaut.

Besonders der 1970 fertig gestellte Daniel-Johnson-Damm von Manic Cinq beeindruckt durch seine kühne Bauweise. Die beiden angeschlossenen Kraftwerke Manic Cinq und Manic Cinq-A haben zusammen eine Kapazität von zusammen 2600 Megawatt. Alle Dämme und Kraftwerke können kostenlos besichtigt werden.

Zurück im industriell geprägten Baie-Comeau lohnt bestenfalls ein Besuch der Reynolds-Aluminiumhütte. Besser ist es jedoch, die Nordküste mit einer Fähre über den Sankt-Lorenz-Strom  zu verlassen. Nach zwei Stunden auf dem Schiff gelangt man so ans 60 Kilometer entfernte Südufer. Dort liegt die Gaspé-Halbinsel.

Die Gaspé-Halbinsel , in Quebec "Gaspésie" genannt, ragt nördlich von New Brunswick in den Sankt-Lorenz-Strom. Das Gebiet ist nur im schmalen, zerklüfteten Küstenstreifen besiedelt. Die dichten Wälder im Landesinneren werden lediglich durch eine einzige Straße unterbrochen. Die Gaspésie ist touristisch wenig erschlossen, dennoch gibt es beinahe in jedem Ort ein kleines Motel.

Auf der hügligen Küstenstraße 132, die etwa 900 Kilometer rund um die Halbinsel führt, macht Autofahren Spaß - Kurven und Hügel en masse, dabei wenig Gegenverkehr. In den kleinen Dörfern der Gaspésie kommen vor allem die Liebhaber der maritimen Küche auf ihre Kosten, neben kleinen Seafood-Imbissbuden gibt es auch gehobene Küche, etwa das exklusive Restaurant "Au Coin de la Baie" im Ort Métis-sur-Mer.

In Matane , dem Eingangstor der Gaspésie, ist ein Besuch an der Lachstreppe Pflicht. Hinter einer Glasscheibe kann ab Anfang Juni die Wanderung der Lachse den Rivière Matane hinauf beobachtet werden. Östlich von Matane, im Ort Sainte-Anne-des-Monts, bietet sich eine der wenigen Möglichkeiten ins Innere der Gaspésie zu gelangen. Die Straße 299 führt in den Parc de la Gaspésie, eine weitgehend unberührte Landschaft aus Seen, Bergen und Wäldern. Höchster Gipfel im Park ist der 1270 Meter hohe Mont Jaques Cartier, in seiner Umgebung sind mehrtägige Wandertouren möglich. Im Park lebt eine Karibuherde, die südlichste in ganz Kanada. Bei der Suche nach den Tieren sollten Wanderer allerdings auch im Sommer dicke Kleidung nicht vergessen - in der Gaspésie kann es empfindlich kalt werden.

Zurück auf der Küstenstraße führt der Weg am malerischen roten Leuchtturm von La Martre vorbei, der 1906 erbaut wurde und noch heute Leuchtsignale an die Schiffe auf dem Sankt-Lorenz-Strom sendet.

Eine Hochburg für Drachenflieger ist das kleine Dorf Mont-Saint-Pierre, dessen Einwohnerzahl von 290 sich jedes Jahr Anfang August vervielfacht, wenn das Drachenfliegerfestival Hunderte Sportler und Schaulustige anlockt.

Auch von Mont-Saint-Pierre aus kann der Parc de la Gaspésie über eine kleine Schotterstraße erreicht werden - doch Vorsicht, wer einem der vielen Holztransporter begegnet, muss auf dem engen Weg sein ganzes fahrerisches Können beweisen.

Besucher, die in La Martre ihre Begeisterung für Leuchttürme entdeckt haben, kommen auf den nächsten Straßenkilometern gleich mehrere Male auf ihre Kosten, in Rivière-la-Madeleine und Pointe-à-la Renommée  stehen zwei gut erhaltene Leuchtfeuer vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Leuchtturm in Pointe-à-la-Renommée befindet sich allerdings erst seit 1997 wieder an seinem Platz. Zuvor wurde er 20 Jahre im Alten Hafen von Québec City ausgestellt.

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