Sarawak Im Langboot zu den Kopfjägern
Kuching - Die Sehnsucht nach dem Traumurlaub, nach weißen Stränden, Palmen und farbenfrohen Kulturen zieht jedes Jahr Tausende deutsche Urlauber nach Malaysia. Mit der Badeinsel Langkawi und Stopover-Aufenthalten in der boomenden Hauptstadt Kuala Lumpur hat sich das südostasiatische Land fest in den Reisekatalogen deutscher Veranstalter etabliert. Nun präsentiert Malaysia eine weitere Facette seines vielfältigen Angebots: die Provinz Sarawak auf der Insel Borneo.
"Sarawak war bisher eines der bestgehüteten Geheimnisse Asiens", sagt Jean-Christoph Robles-Espinoza vom Sarawak Tourism Board. Nur ein paar hundert Kilometer nördlich des Äquators kann man fliegenden Eichhörnchen und kletternden Wildschweinen begegnen, die gigantische Riesenblume Rafflesia bestaunen, begleitet von Ureinwohnern mit dem Blasrohr auf die Jagd gehen und sogar in einer traditionellen Stammeszeremonie heiraten.
Durch einen Direktflug von Malaysia Airlines von Frankfurt/Main in die Provinzhauptstadt Kuching ist das Naturparadies im Dschungel so leicht zu erreichen wie nie zuvor. "Sarawak bietet den Touristen Abenteuer der sanften Art in Form von geführten Trekking- und Erlebnistouren", erzählt Robles-Espinoza. "Unser Land ist nicht so extrem wie Papua-Neuguinea, nicht so wild wie die Amazonas-Region und daher ein ideales Ziel für alle, die im Urlaub Abenteuer suchen ohne dabei unkalkulierbare Risiken eingehen zu wollen." Und Abenteuer bieten sich in Sarawak in zahlreichen Formen an: Urwaldtrekking, Höhlenexpeditionen, Rafting, Kanuwandern, Mountainbike-Touren und Bergsteigen.
Die weißen Radschas von Sarawak
Das "Land des Nashornvogels" - wie Sarawak nach seinem Wappentier auch genannt wird - besitzt mit seinem bunten Mosaik einheimischer Stämme und ihrer traditionellen Langhäuser, sagenumwobenen weißen Radschas, der natürlichen Schönheit unberührter Regenwälder, gewaltigen Strömen und exotischer Flora und Fauna von jeher eine große Anziehungskraft auf Abenteurer, Forscher und Schriftsteller. Lange Zeit gehörte das Land zum Einflussbereich des Sultans von Brunei, Revolten der Ureinwohner - fast verschiedene 30 Volksgruppen leben in Sarawak - machten dem Herrscher jedoch immer wieder zu schaffen.
1841 erhielt der britische Abenteurer James Brooke für seine Verdienste bei der Niederschlagung eines Aufstands das Land vom Sultan geschenkt und den Titel Radscha von Sarawak zugesprochen. Das war der Beginn der Herrschaft der "weißen Radschas", wie die Familiendynastie der Brookes genannt wurde und die Stück für Stück weitere Teile Sarawaks unterwarf. Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde Sarawak britische Kolonie, 1963 wurde es unabhängig und trat gemeinsam mit dem benachbarten Sabah der Föderation Malaysia bei.
In der Hauptstadt Kuching begegnen sich heute Kolonialzeit und Moderne, Hochhaus und Holzhütte, Moschee und chinesischer Tempel, Luxus-Restaurant und Garküche. Im ehemaligen Palast der Brookes residiert der Gouverneur, im "Sarawak Museum" kann man die Kultur und Lebensweise der einheimischen Bevölkerung kennen lernen. Von Kuching aus lassen sich zum Beispiel Ausflüge in die Orang-Utan-Auswilderungsstation Semenggoh unternehmen, wo die rot-braunen Primaten in menschlicher Obhut aufwachsen und als erwachsene Tiere wieder in ihre angestammte Heimat im Dschungel zurückkehren.
Jagd auf Touristen
Ebenfalls leicht zu erreichen ist der Nationalpark Bako, wo Nasenaffen, Silberaffen und Makaken in freier Wildbahn leben. Nur 35 Kilometer entfernt ist die größtenteils von Primärregenwald bedeckte Halbinsel Satubong mit dem sagenumwobenen Berg Gunung Satubong. Im Mulu-Nationalpark liegt versteckt unter Berghängen eine weitere Attraktion: Die Mulu Caves gelten als die größten und spektakulärsten Kalksteinhöhlen der Welt. Jedes Jahr werden neue Höhlen und Passagen entdeckt, bisher sind wahrscheinlich erst 40 Prozent des Systems erforscht.
"Richtig exotisch für Europäer wird es allerdings bei einer Expedition zu den traditionellen Langhäusern der Naturvölker im Dschungel von Sarawak", weiß Robles-Espinoza. Eine abenteuerliche Flussfahrt in einem landestypischen Langboot führt in die Welt der Iban, die noch vor wenigen Jahrzehnten als Kopfjäger gefürchtet waren. Unter der Veranda mancher Häuser baumeln noch immer Trophäen aus früherer Zeit.
Heutzutage geben sich die Iban-Krieger jedoch mit der "Jagd auf Touristen" zufrieden und beeindrucken Besucher mit ihrer ursprünglichen Gastfreundschaft. In den Langhäusern, die meist an Flussufern stehen, gibt es Reiswein und Spezialitäten wie im Bambusrohr gegartes Hähnchen sowie uralte Tänze, Sagen und Geschichten. Und wer von seinen Dschungelexpeditionen und den damit verbundenen vielen Eindrücken noch ein bisschen entspannen möchte, bleibt noch ein paar Tage am Damai Beach bei Kuching.
Von Ditmar Hauer, ddp